Hecken rechtzeitig zurückschneiden: Sebastian Kell, Gärtner beim Betriebshof, zeigt, wie’s geht. Wächst die Hecke auf Privatgrund, ist der Eigentümer in der Pflicht.
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Hecken rechtzeitig zurückschneiden: Sebastian Kell, Gärtner beim Betriebshof, zeigt, wie’s geht. Wächst die Hecke auf Privatgrund, ist der Eigentümer in der Pflicht.

Stadt appelliert an Grundeigentümer

Wenn die Hecke zu weit herausragt: Zurückschneiden, bitte!

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Wuchernde Pflanzen können den Winterdienst und die Straßenreinigung behindern. Die Stadt Bad Tölz appelliert an die Bürger, rechtzeitig zur Heckenschere zu greifen.

Bad Tölz – Es ist ein Dauerthema, doch gerade jetzt im Winter gewinnt es an Brisanz: Ungezügelt wachsende Hecken, Sträucher oder Bäume behindern immer wieder den Betriebshof bei der Arbeit – sei es bei der Straßenreinigung oder aktuell beim Winterdienst.

Der ist in Bad Tölz seit 20. November im Einsatz. An diesem Tag war zum ersten Mal ein „Späher“ unterwegs – also derjenige Mitarbeiter, der schon um 2.30 Uhr in der Früh auskundschaftet, ob geräumt und gestreut werden muss. Um 4 Uhr rücken die Räumfahrzeuge nach Angaben von Betriebshof-Chef Florian Schallhammer im Bedarfsfall aus, spätestens um 7  Uhr – am Wochenende um 8 Uhr – müssen die Straßen verkehrssicher sein, und das durchgängig bis 20 Uhr. Bis zu 35 Mitarbeiter und 15 Fahrzeuge stehen dem Betriebshof dafür zur Verfügung. Der Aufwand ist sehr groß.

Umso mehr wurmt es das Team, wenn an einigen Stellen Äste oder Hecken so weit auf den Gehweg oder die Straße ragen, dass das Räumfahrzeug nicht mehr gut durchkommt. Ärgerlich, so Schallhammer, sei es allein, wenn Äste die teuren Fahrzeuge – etwa einen Unimog für 200.000 Euro – zerkratzen.

Wuchernde Hecken behinder Straßenreinigung

Auch parkende Autos verengen nicht selten die Fahrbahn. „Drei Meter sind der Richtwert – diese Breite sollte mindestens auf der Fahrbahn bleiben, damit der Winterdienst mit dem Lkw durchkommt“, sagt Schallhammer.

Auch zu anderen Jahreszeiten sind herausragende Äste und Hecken ein Problem, nämlich für die Straßenreinigung per Kehrmaschine. Das wuchernde Grün mache es zudem Rollstuhlfahrern oder Menschen mit Rollator oder Kinderwagen schwer, bestimmte Wege zu passieren. „Die Verkehrssicherheit beeinträchtigt es, wenn die Sicht behindert ist oder Verkehrszeichen zugewachsen sind“, betont Peter Königbauer, Chef des städtischen Amts für Sicherheit und Ordnung.

Letztes Mittel ist Beseitigungsanordnung mit Zwangsgeld

Über Gehwegen muss ein sogenannter „lichter Raum“ von 2,50 Metern bleiben, über Straßen sind es 4,50 Meter. Hecken müssen bis zur Grundstücksgrenze zurückgeschnitten sein. Doch Schallhammer beobachtet immer häufiger, dass Hecken von Anfang an sehr nahe an die Grundstücksgrenze gepflanzt werden.

Die Mehrzahl der Bürger halte sich an die Vorschriften. Und wenn nicht? „Zuerst wird ein Außendienst-Mitarbeiter den Grundstückseigentümer darauf ansprechen“, sagt Königbauer. Das – oder gegebenenfalls eine schriftliche Aufforderung – reiche in aller Regel. Im Ernstfall könne die Stadt allerdings auch ein Verwarngeld von 55 Euro verhängen. Das „letzte Mittel“ sei eine Beseitigungsanordnung mit 300 Euro Zwangsgeld. Das kommt laut Königbauer vier- bis fünfmal im Jahr vor. „Nahezu nie“ komme es zur „Ersatzvornahme“ vor – das heißt, dass der Betriebshof kostenpflichtig selbst die Hecke zurückschneidet.

Viel häufiger verhielten sich die Bürger aber kooperativ, berichtet Michael Nitsch, beim Betriebshof Bereichsleiter für Grünpflege und Straßenreinigung. „Wir haben auch schon erlebt, dass 50 bis 70 Jahre alte Hecken eigens ausgetauscht wurden.“

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