Schnee statt Eis: Giuliano Santos (li.) und David Alves vom Café Grangelato schaufeln die Plätze in der Tölzer Marktstraße frei.

Wintereinbruch

Kampf mit dem Schnee

  • schließen
  • Melina Staar
    Melina Staar
    schließen

Bad Tölz-Wolfratshausen –  Unfälle, Stromausfälle und Schienenersatzverkehr: Nach dem viertmildesten Winter seit 1761 hielt der Neuschnee den Landkreis am Dienstag auf Trab. Trotz Dauereinsatz der Winterdienste, mussten Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst ausrücken.

Der Wintereinbruch führte zu zahlreichen Glätteunfällen im Landkreis. Die Bilanz: Fünf Verletzte, über 50 000 Euro Sachschaden.

Schwer verletzt wurde eine Jachenauerin (24) bei einem Unfall am Dienstagnachmittag. Laut Polizei fuhr sie in Richtung Jachenau. Im Ortsteil Letten kam ihr ein Lenggrieser (50) entgegen, der zunächst nach rechts von der Straße abkam und dann nach links auf die Gegenfahrbahn geriet. Es kam zum Frontalzusammenstoß. Die Jachenauerin wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus Murnau geflogen. An beiden Fahrzeugen entstand laut Polizei erheblicher Schaden.

Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden krachte es gestern auf der Töl 7 bei Rimslrain.

Nach einem schweren Unfall am Montagabend auf der Töl 7 zwischen Bad Tölz und Königsdorf (wir berichteten) krachte es gestern an fast derselben Stelle erneut. Dort, auf Höhe von Rimslrain, kam gegen 13.15 Uhr eine Geretsriederin (27) mit ihrem VW ins Schleudern und krachte gegen den entgegenkommenden Mercedes einer Königsdorferin (35), der durch den Zusammenstoß von der Fahrbahn abkam. Beide Fahrerinnen sowie ein Kind (6), das mit im Mercedes saß, wurden leicht verletzt. Sachschaden: rund 20 000 Euro. Die Feuerwehren Königsdorf und Oberfischbach leiteten den Verkehr um.

Eine Verletzte forderte auch ein Unfall, der sich bereits am Montagabend auf der Staatsstraße 2072 zwischen Tölz und Arzbach auf Höhe Bibermühle ereignet hatte. Dort war gegen 20.40 Uhr ein Reichersbeurer (49) von der Fahrbahn abgekommen, weil er auf der glatten Fahrbahn zu schnell unterwegs war. Er touchierte die Leitplanke und schleuderte gegen den entgegenkommenden VW einer Tölzerin (20). Deren Beifahrerin (44) wurde verletzt. Danach schleuderte der Audi-Fahrer noch gegen den Fiat eines 58-jährigen Tölzers, der hinter dem VW fuhr. Es entstand ein Sachschaden von 10 000 Euro.

5800 Euro kosten die Reparaturen nach einem Unfall am Dienstagmorgen in Bad Tölz. Gegen 7.15 Uhr fuhr ein Waakirchner (53) von Greiling kommend stadteinwärts, so die Polizei. Am Ortseingang bremste er ab, woraufhin sein VW aufgrund der winterlichen Straßenverhältnisse ins Schleudern geriet. Der Pkw drehte sich einmal und stieß mit einem entgegenkommenden Skoda zusammen, in dem eine 24-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen saß.

Im Bichler Ortsteil Hofstätt geriet am Dienstag gegen 7.40 Uhr der Skoda eines Bad Heilbrunners (28) unmittelbar nach der Brücke nach Obersteinbach ins Schleudern. Auch er fuhr laut Polizei nicht mit angepasster Geschwindigkeit. Er prallte gegen den VW einer Benediktbeurerin (45). Der Blechschaden liegt bei 2500 Euro.

Schneeglätte war auch der Grund, warum eine Tölzerin (44) nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte. Sie fuhr am Dienstag gegen 9.15 in Königsdorf auf einen Pkw, der stehen blieb, um nach links abzubiegen. Schaden: 1550 Euro.

Schweres Gerät war gestern um 8.30 Uhr am Ortseingang in Humbach nötig. Ein Sattelzug, der aus Dietramszell kam, konnte eine Steigung nicht überwinden. Der 51-jährige Fahrer setzte zurück, kam von der Fahrbahn ab und blieb in der Wiese am Bankett stecken. Es entstand ein Flurschaden in Höhe von 250 Euro.

Stromausfall in Bad Heilbrunn

Der Schnee machte auch der Bayernwerk AG zu schaffen. Unter der Schneelast kippten in Langau Bäume in die Stromleitung und sorgten für einen Stromausfall in Bad Heilbrunn. In 1600 Haushalten ging um 12 Uhr das Licht aus. Bereits zuvor gab es gegen 10.30 Uhr eine kurze Störung. In rund 300 Haushalten in Langau, Baumberg und Untersteinbach dauerte der Stromausfall bis etwa 15 Uhr.

Umgefallene Bäume blockierten die Bahngleise zwischen Tutzing und Seeshaupt sowie Tutzing und Penzberg. Fahrgäste aus und nach Kochel mussten gestern Vormittag auf den Schienenersatzverkehr ausweichen.

Winterdienst im Dauereinsatz

Für den Winterdienst begann der Tag mitunter um 3 Uhr nachts. „Zwölf Fahrzeuge sind ununterbrochen im Einsatz“, sagte Hauptstraßenmeister Josef Strobl.

Auch wenn es heuer wenige Schnee gab: Überraschend kam das Wetter für die acht Mitarbeiter nicht, die gestern in Lenggries für freie Straßen sorgten. „Das ist eine ganz normale Sache“, sagte Hans Oswald vom Bauhof. Im Gemeindegebiet Kochel am See waren fünf Fahrzeuge und ein Mitarbeiter mit einer Schneeschaufel unterwegs. „Das war auf einen Schlag ein bisschen viel“, so Vorarbeiter Benno Steiger vom Bauhof.

Aufgrund des eindeutigen Wetterberichts hatte Florian Schallhammer, Betriebshofleiter in Bad Tölz, alle Mitarbeiter in Rufbereitschaft gesetzt. Der Späher alarmierte sie in der Nacht, so dass ab 4 Uhr 27 Winterdienstler unterwegs waren – elf davon mit Handräumern, zwei arbeiteten am Friedhof. „Es hat wunderbar funktioniert.“

Der März bleibt winterlich

Im März wird der Winterdienst immer wieder gefragt sein, kündigt der Ellbacher Meteorologe Kai Zorn vom Internetportal wetter.com an. „März ist ein Wintermonat, das Wetter wird der Jahreszeit entsprechend sein“, sagt Zorn. Es bleibe nasskalt mit Schneefall und vereinzelt Regen. „In den Bergen schneit es sehr viel – die Grundlage für Oster-Skifahrer.“ Erst in der Monatsmitte wird es laut Zorn wieder freundlicher. Nachdem dieser Winter der viertwärmste seit dem Jahr 1761 war, schlägt das Pendel also wieder in die andere Richtung. Außergewöhnlich ist das aber nicht: „Wir hatten eine Rekordwärme nach der anderen, jetzt ist das Wetter normal“, sagt Zorn. Vor allem für die Natur sei das ganz gut.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Der Tölzer Kurier auf dem „Summer Village“
Der Tölzer Kurier auf dem „Summer Village“
Illegales Zeltlager bei Bad Tölz
Zelten im Natur- oder Landschaftsschutzgebiet ist verboten. Das hinderte mehrere rumänische Familien aber nicht darin, am Dienstag in der Nähe von Roßwies ihr Lager …
Illegales Zeltlager bei Bad Tölz
Täter randalieren, zündeln und töten Frösche
Eine Spur der Verwüstung hinterließen bislang unbekannter Täter auf einem Gartengrundstück in Reichersbeuern. Auch für den Tod einiger Tiere sind die Rowdys …
Täter randalieren, zündeln und töten Frösche
1728 Flüchtlinge in den Unterkünften im Landkreis
1728 Flüchtlinge in den Unterkünften im Landkreis

Kommentare