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Einblicke in das Leben von Pfarrer Ludwig Scheiel : Moderator Christoph Schnitzer entlockte den Gaißacher Geistlichen manch interessante Episode und zeigte auch Jugendfotos des heute 66-Jährigen. 

Gespräch mit Pfarrer Ludwig Scheiel 

„Wir brauchen eine neue Denkweise – mit der Bibel als Basis“

Nicht immer führt der kürzeste Weg zum Ziel. Oft sind es die Umwege, die einem Menschen sein wirkliches Ziel bewusst machen. Inwieweit das auf seinen eigenen Werdegang zutrifft, dazu gab der Gaißacher Pfarrer Ludwig Scheiel jetzt im Gesprächsformat „Reden über Gott und die Welt“ einige sehr persönliche Einblicke.

Bad Tölz – Nicht immer führt der kürzeste Weg zum Ziel. Oft sind es die Umwege, die einem Menschen sein wirkliches Ziel bewusst machen. So ungefähr war es bei Pfarrer Ludwig Scheiel. Es war der Wunsch seines Vaters, dass er statt Zimmerer Pfarrer werden solle. Doch auf dem Gymnasium im Klosterinternat in Passau empfand der junge Ludwig immer weniger Symphatien für einen geistlichen Lebensweg. „Die Patres haben es nicht verstanden, das Feuer des Glaubens in uns zu entfachen. Vielleicht spielte auch die 68er-Bewegung mit rein“, blickte er jetzt als Gast der Gesprächsreihe des Kreisbildungswerks „Reden über Gott und die Welt“ in der Weinstube Schwaighofer zurück.

Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer als Moderator entlockte dem Gaißacher Pfarrer so manch interessante Episode. Und so erfuhren die Zuhörer von der allerersten Liebe des Bauernsohnes aus Reitmehring, die in einer Baumrinde an der Innpromenade in Passau ihren romantischen Niederschlag fand. Und von seiner Freundschaft zu Ottfried Fischer, mit dem er neun Jahre lang die Schulbank geteilt hatte und der ihn später während der Dreharbeiten für den „Bullen von Tölz“ gelegentlich im Gaißacher Pfarrhaus besuchte.

Den Weg zurück zur Kirche fand Scheiel während seines Studiums der Agrarwissenschaften in Weihenstephan. Ein Studentenpfarrer vermittelte das Bild eines liebenden, beistehenden Gottes und erweckte damit eine neue Verbundenheit zum Glauben.

1982 wurde Scheiel zum Priester geweiht. Nach Stationen in München, im Erdinger und Mühldorfer Bereich berief ihn das Ordinariat zum Leiter der Abteilung Landpastoral. „Ich habe da Pfarrverbände ebenso betreut wie die Landvolkbewegung, die Ausbildung der Dorfhelferinnen und den Aufbau der Bäuerlichen Familienberatung“, schilderte der inzwischen 66-Jährige, der in jener Zeit den Ehrentitel „Monsignore“ erhielt. Diese Aufgaben seien sehr erfüllend gewesen, im Gegensatz zu manchem Gebaren der Oberen. So sei schon damals absehbar gewesen, dass es immer weniger Pfarrer gab und deshalb Veränderungen in den kirchlichen Strukturen nötig würden. Sein vorausschauender Plan, kirchliche Verwaltung und Seelsorge zu trennen, habe seinerzeit bei Kardinal Marx aber kein offenes Ohr gefunden, so Scheiel. Er zog es schließlich vor, seinem eigentlichen Ansinnen zu folgen und wieder eine Pfarrei zu übernehmen.

„Gaißach ist mir bis dahin kein Begriff gewesen.“ Die vakante Pfarrstelle im Isarwinkel wurde ab dem Jahr 2000 zu seinem neuen Wirkungsfeld, das später mit Greiling und Reichersbeuern zum Pfarrverband zusammengeschlossen wurde. „Mir san froh, dass ma’n ham“, kam ein Zwischenruf aus der Zuhörer-Runde. Allerdings nicht mehr allzu lange, denn am 31. August 2020 soll Schluss sein.

„Und was dann?“, wollte Schnitzer wissen. Er beabsichtige, in seine Heimat zurückzukehren und dort als Aushilfe tätig zu sein. Und wie wird es weitergehen mit den verwaisten Pfarreien? „Wir brauchen eine neue Denkweise und müssen die Bibel als Grundlage dafür verwenden“, betonte Scheiel. Nicht allein der Pfarrer sei zuständig für das gläubige Leben eines Ortes, vielmehr gelte das Motto: Alle machen alles gemeinsam. Stünde das Kirchenrecht dem entgegen wie etwa beim Thema Frauenpastoral, dann müsse es eben geändert werden.

Dass die Menschen hier um ihre Pfarreien und Dörfer kämpfen, beeindrucke ihn. Und wie steht der ehemalige Dekan zu Ministerpräsident Söders Kreuz-Offensive? Generell sei das Anbringen eines Kreuzes ein Zeichen der Verbundenheit mit Gott. „Ich sehe aber hinter dieser Anordnung ein großes Fragezeichen“, so Scheiel. „Söder müsste den tieferen Sinn dieser Aktion erklären.“ 

Rosi Bauer

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