Führen seit 20 Jahren das Tölzer Marionettentheater: Albert Maly-Motta (re.) und Karl-Heinz Bille.
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Führen seit 20 Jahren das Tölzer Marionettentheater: Albert Maly-Motta (re.) und Karl-Heinz Bille.

Interview mit Albert Maly-Motta und Karl-Heinz Bille

Chefs des Tölzer Marionettentheater: „Wir leben von der Reserve“

Albert Maly-Motta und Karl-Heinz Bille betreiben mit Leidenschaft das Tölzer Marionettentheater. Auch sie stellt die Pandemie vor große Herausforderungen.

Bad Tölz – Ein wahres Kleinod des Tölzer Kulturlebens ist das Marionettentheater am Tölzer Schlossplatz. Es bietet gleichermaßen Angebote für Kinder wie Erwachsene. Albert Maly-Motta und Karl-Heinz Bille betreiben es mit Leidenschaft und Hingabe. Auch sie stellt die Pandemie vor große Herausforderungen.

Herr Bille, Herr Maly-Motta, wie oft konnte sich der Vorhang Ihres Marionettentheaters in diesem Jahr denn überhaupt heben?

Vom 1. Januar bis 30. November konnten wir 49 Kindervorstellungen und zehn Abendvorstellungen geben. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 85 Kindervorstellungen und 28 Abendvorstellungen.

Wie sind die Einbußen für ein solch kleines Kulturunternehmen zu verkraften?

Im Prinzip besser als für manche größere Unternehmen. Festangestellte haben wir keine, und unsere ehrenamtlichen Mitspielerinnen und Mitspieler wollen alle weitermachen. Wir haben unter Corona-Bedingungen bisher nur zehn Abendvorstellungen spielen können, weil dabei mehr als zwei Leute auf der engen Bühne tätig sein müssen. Das Kinderprogramm kann dagegen von zwei Personen gespielt werden. Das werden wir deshalb auf jeden Fall wieder aufnehmen, sobald der Lockdown aufgehoben wird.

Haben Sie auch Zuspruch in der Krise erfahren?

Ja, durchaus: von Seiten der Stadt, vom Publikum und vor allem auch von den Mitgliedern des ehrenamtlichen Ensembles. Alle plädieren dafür, dass das Theater erhalten bleiben muss. Die städtischen Zuschüsse laufen nach derzeitigem Stand noch bis März weiter.

Wie sieht die Planung für das Theater in der kommenden Zeit aus?

Wir haben eine Neu-Inszenierung in Arbeit, diesmal sogar mit Figuren und einem Text, der im Haus entstanden ist. „Carmen – or not??“ lautet der Arbeitstitel, aber wann das auf die Bühne kommen kann, steht in den Sternen. Es sollte ursprünglich zum 20. Jubiläum unserer Theaterleitung im Mai 2020 steigen, aber das war ja nun leider nicht möglich.

Wird sich das Kulturleben nach Ihrer Einschätzung so erholen können, dass der Stand vor der Pandemie überhaupt wieder erreicht wird?

Nein, denn es brechen aktuell Dinge weg, die nicht wieder hergestellt werden können. Viele der festen Häuser, also Marionettentheater, sind seit März geschlossen. Manche werden das nicht überleben können.

Wird der Kultur jetzt in der Krisensituation die angemessene Wertschätzung entgegengebracht?

Nicht, wenn man als „Freizeitvergnügen“ mit Fitnessstudios und Bars in einen Topf geworfen wird. Wir verstehen auch nicht, wieso vor dem Lockdown bei uns in diesem Riesenraum mit mehr als 400 Kubikmetern Luft nur ein paar Leute mit Maske sitzen durften, während in der kleinen Bar nebenan viele Leute feierten. Ohne Maske und ohne Abstände…

Haben Sie persönlich erwogen, sich aufgrund der Krise aus der Kultur zu verabschieden? Gibt es einen Plan B zum Marionettentheater?

Wir sind beide 63, wenn die Situation nicht wieder auf den Stand vor der Pandemie gebracht werden kann, bleibt uns nichts anderes übrig, als in Rente zu gehen. Das ist aber eigentlich nicht vorstellbar, wir leben für den Beruf.

Und wie geht’s Ihnen alles in allem im Moment?

Wir versuchen, uns nicht unterkriegen zu lassen, aber es ist eine bedrückende Situation. Vielen Kolleginnen und Kollegen geht es noch schlechter. Und niemand hat eine wirkliche Perspektive, wann und ob das Virus überhaupt wieder verschwinden wird. Aktuell sind die Gehälter heruntergefahren, wir leben von der Reserve. Aber wie lange noch? (Sabine Näher)

In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

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