Die Wirtin Ute Wagner steht hinter dem Tresen der „Click“-Kneipe. Die große Theke ist das Herz ihrer Bar – doch bisher dürfen hier noch keine Gäste sitzen.
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Die Wirtin Ute Wagner steht hinter dem Tresen der „Click“-Kneipe. Die große Theke ist das Herz ihrer Bar – doch bisher dürfen hier noch keine Gäste sitzen.

Gastronomen zuversichtlich

„Wir machen wieder auf“: Tölzer Nachtleben nimmt ganz langsam Fahrt auf

  • Felicitas Bogner
    VonFelicitas Bogner
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Noch immer ist vieles nicht ganz leicht, doch die Betreiber der Bars und Kneipen in Bad Tölz spüren schon wieder mehr Leben in ihren Gaststätten.

Bad Tölz – Dass es die vorerst letzte ausgelassene Partynacht für so viele Monate sein würde, das ahnte am 7. März 2020 in den Tölzer Bars und Clubs kaum jemand. An diesem letzten Samstag vor dem Corona-Lockdown wurde noch getanzt, getrunken und gefeiert. Seither ist es in der Partyszene recht still geworden. Auch wenn mit sinkenden Corona-Zahlen und einhergehenden Lockerungen zumindest die Bars wieder aufmachen können – Clubs müssen nach wie vor geschlossen bleiben –, ist die Partystimmung wie einst noch nicht in die Kurstadt zurückgekehrt.

„Die Leute wollen wieder Normalität, und viele haben die Einschränkungen satt“, stellt Ute Wagner, Inhaberin der Tölzer Bar „Click“, fest. „Ich muss schon immer dahinter sein, dass alle die Maske tragen, wenn sie aufstehen“, berichtet sie. Dennoch sei bei gutem Wetter wieder einiges los. Aber eben nur im Außenbereich. „Drinnen zu feiern, ist noch nicht so angesagt, da sind die Leute noch verhalten“, merkt die Wirtin. „Zumal an der Theke immer noch keine Gäste sitzen können.“

„N19“ hat samstags geöffnet

Dass vielen Musik und Geselligkeit gefehlt hat, das stellt auch Gabriela Hüsken, Inhaberin vom „N19“ in der Nockhergasse fest. „Viele singen wieder gemeinsam, und die Stimmung ist sehr gut.“ Von ausgelassenem Feiern könne jedoch noch nicht die Rede sein. „Klar, sich in den Armen liegen oder an der Bar feiern, ist so noch nicht angesagt.“ Normal wäre das „N19“ in den Sommermonaten ohnehin geschlossen. Doch nach dem langen Lockdown entschloss sich Hüsken, die Türen auch im Juli und August zu öffnen. Erst einmal aber nur samstags.

Nach wie vor herrscht bei Nachtgastronomen Unsicherheit, wie es weitergeht. Dies merkt man am Einkaufsverhalten für die Vorräte. „Da bin ich immer noch vorsichtig, man weiß ja nicht, was kommt“, sagt Hüsken. Dennoch habe die gesamte Situation etwas Gutes mit sich gebracht: „Es gab einen tollen Zusammenhalt zwischen den Gastronomen in Tölz.“

„Shelter Music Pub“ wieder geöffnet

Ab diesem Samstag öffnet auch das „Shelter Music Pub“ seine Tore wieder. „Ab dem 30. Juli gibt es dann auch endlich wieder Auftritte von Livebands bei uns“, berichtet Inhaber Philip Behler auf Nachfrage des Tölzer Kurier. Die vergangenen sieben Monate hatte er sein Irish Pub geschlossen. „Ohne meinen Job als Lagerist hätte ich das nicht überlebt“, unterstreicht er die nach wie vor schwierige Lage. Dennoch: „Ich sehe optimistisch in die kommende Zeit und hoffe darauf, dass man bald auch ohne Sperrstunde öffnen kann“. Aktuell ist Bewirtung bis ein Uhr morgens erlaubt. „Es kommen nur selten viele Gäste vor zehn Uhr abends“, weiß er. „Das hat sich auch zwischen den beiden Schließungen bewahrheitet, da habe ich einen Versuch gestartet und früher aufgesperrt, aber das hat nichts gebracht.“

Das sieht Thomas Rinner, Inhaber von der vor einem Monat neu eröffneten Bar „D’Bar“ am Amortplatz, ähnlich. „Ich wäre froh, wenn die Sperrstunde weg wäre. Erstes sind die Leute gern länger in einer Bar und zweites hält es viele Gäste ab, noch loszugehen, wenn es schon zehn oder elf Uhr abends ist. Das rentiert sich dann nicht mehr.“ Im Laufe der vier Wochenenden, die Rinner seine Bar bereits geöffnet hatte, seien immer ein paar Gäste mehr dazu gekommen. Ob das nun an der Mundpropaganda liege oder dass die Leute nach dem Lockdown wieder gerne etwas trinken gehen, könne er jedoch nicht einschätzen.

„Pistolero“ bleibt noch geschlossen

Anders sieht die aktuelle Lage im Nachtlokal „Pistolero“ im Moraltpark aus. Betreiber Johannes Mottl kann den Club nach wie vor nicht aufsperren. Im vergangenen Sommer modellierte er um und offerierte statt Disco eine Sitzlounge. Dies habe sich aber wirtschaftlich nicht rentiert. „Ich habe das vor allem gemacht, um die Restbestände wegzubekommen. So musste ich nur Getränke für ein paar Hundert Euro wegschütten, da erging es anderen Clubinhabern schlimmer“, sagt Mottl. Dennoch freue er sich auf den Lichtblick, im Herbst für Geimpfte den Discobetrieb wieder aufnehmen zu können. Dies würde sich lohnen: „Wir haben eine Instagram-Umfrage gemacht. Es kam heraus, dass zwei Drittel unserer Gäste sich impfen lassen wollen und davon über die Hälfte bereits durchgeimpft ist.“

Man sehe, dass die Leute wieder feiern wollten. Deswegen investierte Mottl mit seinem Geschäftspartner Michael Widmayer jüngst auch in weitere Hygieneumbauten im „Pistolero“: „Wir haben eine neue Spülmaschine, die mit heißerem Wasser spült, und installieren kontaktlose Wasserhähne.“ Dank der Soforthilfen, die ab 2021 angekommen seien, ist Mottl trotz aller Probleme zuversichtlich: „Wir machen wieder auf!“

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