Attacke auf Passanten in Hamburg: Ein Toter, mehrere Verletzte

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Der Unfall eines Reisebusses sorgt aktuell für Bestürzung. Statistisch aber ist der Reisebus eines der sichersten Verkehrsmittel.

Sicherheit in Bussen

„Wir transportieren Menschen, nicht Kies“

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Das schreckliche Bus-Unglück auf der A9 mit 18 Toten und 30 Verletzten beschäftigt auch Reiseunternehmen im Landkreis. Für die Sicherheit in Bussen werde sehr viel getan, so der einstimmige Tenor.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Mit beunruhigten Fahrgästen hatten die Busunternehmen im Landkreis nicht zu tun. Sie sind sich einig: „Busfahren ist statistisch gesehen die sicherste Fortbewegungsart.“

Nikolaus Würmseer, Geschäftsführer Reisebüro Schöfmann.

Aber im Kreise der Fahrer sei der schreckliche Unfall vom Montag selbstverständlich Thema gewesen. „Ich war gerade auf der Heimfahrt von einer Frankreich-Reise“, sagt Martin Matheis, Chef von Isartal-Reisen in Dietramszell. Als die Nachricht bekannt wurde, „wollte meine Frau, die zu Hause war, schon wissen, wo ich gerade bin“. Natürlich hätte man sich unterhalten, vor allem, weil es so unmöglich scheint, was da passierte. „Wir haben schon gesprochen, wie es sein kann, dass der Bus so brennt“, sagt Matheis. „Das müssen schon tragische Zufälle gewesen sein.“

Erklären kann es sich auch Nikolaus Würmseer vom Reisebüro Schöfmann nicht. Denn technische Fehler können eigentlich kaum übersehen werden. „Egal ob ein Bus ein Jahr alt ist oder zehn: Er muss einmal im Jahr zur Hauptuntersuchung und dazu alle drei Monate zur Sonderprüfung. Das heißt: Das Fahrzeug steht alle drei Monate in der Werkstatt oder beim TÜV und wird auf Herz und Nieren geprüft.“ Das werde in entsprechenden Prüfbüchern festgehalten, die der Aufsichtsbehörde – der Regierung von Oberbayern – und dem Landratsamt vorgelegt werden müssen.

Auch die Fahrer werden entsprechend geprüft: „Alle fünf Jahre müssen sie ihren Führerschein verlängern. Dazu gehören ein augenärztliches Gutachten und eine Untersuchung beim Doktor, ob sie ihren Beruf ausüben können.“ Es gebe kaum einen anderen Beruf, in dem jemand so sehr überprüft werde, sagt auch Michael Sittenauer vom gleichnamigen Busunternehmen in Dietramszell. „Die Fahrer müssen jedes Jahr sieben Stunden oder alle fünf Jahre 35 Stunden in Unterricht gehen.“ In den Einheiten geht es dann unter anderem um Sicherheit im Bus.

Michael Sittenauer, Geschäftsführer Busunternehmen Sittenauer.

Die Technik habe sich ohnehin ständig weiterentwickelt, sagt Würmseer. „Seit 2012 gibt es eigene Branddetektoren im Maschinenraum.“ Sein neuester Bus habe eine Einrichtung, die helfe, die Fahrspur zu halten. Ein Abstandstempomat bremse den Bus automatisch runter, sagt Matheis. Dann gebe es noch den sogenannten Retarder: eine Dauerbremse oder Kupplung, die weniger verschleißanfällig sei. Die Schattenseite sei, sagt Würmseer, dass mehr Technik auch anfälliger für Fehler sei. „Aber nach heutigem Stand ist die Sicherheit so hoch, wie sie nur sein kann.“

In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Neuerungen bei den Sicherheitsmaßnahmen gegeben, sagt auch Sittenauer. Er nennt etwa die Anschnallpflicht, die in allen Reisebussen gelte. „Seit einigen Jahren müssen die Fahrer auch über Lautsprecher Sicherheitshinweise geben.“ In seinen Bussen gebe es da eigene Videos, die – wie etwa auch in Flugzeugen – zeigen, wo sich der Feuerlöscher befindet, wie der Nothammer zu bedienen ist oder wie man sein Gepäck sicher verstaut. Auch, dass in Bussen Rauchverbot herrscht, müsse stets klargemacht werden. Aus diesem Grund hat Würmseer Brandmelder auch in den Toiletten angebracht.

Klar sei, sagen die Busunternehmer, dass es eine 100-prozentige Sicherheit nicht geben könne, die gebe es nirgends. Nikolaus Würmseer appelliert auch an die Kunden, die einen Bus buchen, zu verstehen, dass aus Sicherheitsgründen gewisse Dinge eingehalten werden müssen: „Manchmal werden wir gefragt, ob der zweite Fahrer auf einer weiten Reise denn wirklich notwendig sei.“ Dieser sei aber aufgrund der Lenk- und Ruhezeiten vorgeschrieben, das versuche er immer wieder klar zu machen. Die Leute müssten wachgerüttelt werden. „Wir haben nicht Kies hinten drauf, wir haben Menschen drin.“

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