Empfängt seine Gäste per Livestream: Francesco Garrasi im „Rocks off“.
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Empfängt seine Gäste per Livestream: Francesco Garrasi im „Rocks off“.

Interview

Tölzer Wirt überträgt live aus der Bar „Rocks off“

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Bad Tölz – Seit fast drei Jahrzehnten ist Francesco Garrasis (55) Kneipe „Rocks off“ eine Institution im Tölzer Nachtleben. Am Samstag, 6. Februar, ab 18 Uhr, lädt der Wirt nun zum Livestream aus seinem Lokal.

Anfang November gingen im Rocks off die Lichter aus – zum zweiten Mal im Jahr 2020. Seither ist es still in dem Lokal an der Badstraße. An diesem Samstagabend, 6. Februar, ab 18 Uhr lädt der Wirt nun zum Livestream aus seiner Kneipe. Auf der Facebook-Seite der Bar können die Teilnehmer Rockmusik hören – und mit Garrasi und den anderen Gästen anstoßen, wenn auch nur virtuell.

Herr Garrasi, war erwartet Ihre Gäste auf der Online-Party?

Garrasi: Eine Party wird es leider nicht, schließlich muss schon um 20.30 Uhr Schluss sein. Ich muss ja wegen der Ausgangssperre um 21 Uhr wieder daheim sein.

Aber bis dahin stehen Sie in Ihrer Kneipe, um den Leuten das Rocks-off-Gefühl nach Hause zu bringen.

Garrasi: Genau. Ich werde live hinter der Bar zu sehen sein, Musik auflegen und moderieren. Die Idee ist ja, dass mir die Leute über einen Post auf Facebook ihre Musikwünsche mitteilen und Freunde grüßen können. Ich werde Fragen beantworten und erzählen, wie es mir geht. Die Kamera ist schon installiert, verkabelt ist auch schon. Ich bin dankbar, dass mir die Tölzer Licht- und Tontechnik-Firma CN Mediatec dabei geholfen hat. Die haben momentan null Aufträge.

Warum machen Sie den Livestream? Sie verdienen daran doch nichts.

Garrasi: Ich will einfach zeigen, dass wir noch da sind. Wir haben auf Facebook inzwischen mehr als 2000 Likes. Ich spüre, dass wir den Leuten fehlen. Deshalb will ich ihnen unser Feeling ins Wohnzimmer bringen.

Welche Musik werden Sie spielen?

Garrasi: Das, was in einer 29 Jahre alten Rockkneipe wie wir es sind, zu hören ist: AC/DC zum Beispiel, Volbeat, Metallica. Oder auch Five Finger Death Punch. Das ist dann schon ein bisschen knackiger.

Welche Getränke sollten Ihre Gäste zuhause kalt stellen?

Garrasi: Bei uns im Rocks off geht Havanna-Cola im Longdrink-Glas besonders gut. Oder Jack Daniels mit Cola. Auch ein schönes Weißbier oder ein Helles passen. Die Damen trinken gern Wodka-Bull.

Und welche Garderobe empfehlen Sie?

Garrasi: Das ist mir wurscht, ich sehe die Leute ja nicht (lacht). Die meisten werden wahrscheinlich in der Jogginghose vor dem Bildschirm sitzen, wie jeden Abend in den letzten Monaten (lacht).

Man kann doch nicht mit Jogginghose auf eine Online-Rock-Party gehen!

Garrasi: Wenn wir im Rocks off das Motto „Classic Rock“ haben, kommen die Leute in zerrissenen Jeans, mit Stirnbändern, Armbändern und ärmellosen Hemden. 80er- und 90er-Jahre-Look. Ich überlege mir noch ein Outfit. Es kann auch sein, dass ich mich zwischendurch ein paar Mal umziehe.

Wie viele Gäste erwarten Sie?

Garrasi: Mein Wunschziel wären 500. Alles was darüber hinausgeht, wäre der totale Wahnsinn.

Leiden Sie persönlich unter dem Lockdown?

Garrasi: Eigentlich geht es mir gut. Ich habe ein festes Einkommen, weil ich bei den Stadtwerken arbeite. Ohne diese Arbeit könnte ich mir nicht mal eine Leberkässemmel kaufen. Aber die Fixkosten für mein Lokal wie Miete, Müllabfuhr und Heizung laufen weiter, ohne, dass ich etwas daran verdiene.

Wann werden Sie Ihre Gäste wieder offline empfangen?

Garrasi: Ich hoffe, dass wir Mitte März wieder öffnen dürfen. Ich würde gerne weitermachen, aber nicht unter allen Umständen. Die Frage ist zum Beispiel, ob es wieder eine Sperrstunde gibt. Wir sind ein Nachtlokal. Wenn ich um 22 Uhr zusperren muss, brauche ich erst gar nicht aufsperren. Wenn wir bis 23 Uhr öffnen dürften, hätte ich zumindest die Nebenkosten wieder drin.

Die Fragen stellte: Bettina Stuhlweißenburg

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