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Anno Wagner (†), Wirt des „Click“ in Bad Tölz.

Nachruf

Trauer um Wirt: Seine Kellerkneipe galt als „Kölsches Konsulat“ in Bad Tölz

  • Andreas Steppan
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Er war eine markante Persönlichkeit des Tölzer Nachtlebens und brachte ein Stück rheinische Lebensfreude in die Kurstadt: „Click“-Wirt Anno Wagner ist tot.

Bad Tölz – Er war eine markante Persönlichkeit des Tölzer Nachtlebens und brachte ein Stück rheinische Lebensfreude in die Kurstadt: Familie, Freunde und Stammgäste trauern um „Click“-Wirt Anno Wagner. Er erlag am Samstag im Alter von 70 Jahren einem schweren Krebsleiden.

Die Kellerkneipe an der Schulgasse ist so etwas wie eine Kölner Exklave mitten in Oberbayern: Hier wird eher Kölsch kredenzt als Weißbier. Anno Wagner konnte beides authentisch repräsentieren. Geboren wurde er 1950 in Köln – als ein Kind unter sieben Geschwistern. Er hatte aber auch Wurzeln an der Isar: Seine Mutter stammte aus Bad Tölz. Anno Wagner selbst zog es schon in jungen Jahren zurück ins Oberland. Im Studio seines Großvaters Max Lerpscher erlernte er den Beruf des Fotografen, übernahm später das Geschäft.

Als Wirt des „Click“ in Bad Tölz fand Anno Wagner seine Berufung

Seine wahre Berufung fand er jedoch als Wirt. Zusammen mit seiner Frau Ute übernahm er 1998 sein Lokal, das bis dahin unter dem Namen „Mickis Schenke“ firmiert hatte. Ab 2008 hatten die Wagners auch einen Stand auf dem Christkindl- und dem Ostermarkt inne, kredenzten Glühwein, Bratwürste und Reibekuchen. Relativ kurz blieb Anno Wagners Gastspiel als Vorstandsmitglied des Vereins „Aktive Tölzer“.

„Er hat in Tölz die Kölner Mentalität eingeführt“, sagt Ute Wagner. „Wir haben ganz viele Gäste, die die rheinländische Lebenskultur schätzen.“ Das „Click“ sei so etwas wie ein „Kölsches Konsulat“ geworden. Am Rosenmontag wird hier Karneval bei Kölschen Liedern gefeiert. Touristen aus dem Rheinland kehren Jahr für Jahr an die Bar des „Click“ zurück, rheinisch-tölzerische Freundschaften erblühten. Gerüchten zufolge ließ sich hier sogar der ein oder andere Bayer zum Kölsch bekehren.

Lebensfreude und Optimismus zeichneten Anno Wagner aus - bis zuletzt

Mittendrin: Anno Wagner als verkörperte Frohnatur. „Lebenslust, Lebensfreude und Optimismus“ hätten ihren Mann ausgezeichnet, sagt die Witwe. Die Zuversicht verließ ihn auch dann nicht, als er bereits schwer erkrankt war. In dieser Zeit bewährte sich auch der starke familiäre Zusammenhalt: Sohn und Tochter (26 und 29) waren zusammen mit Ehefrau Ute pausenlos für den Krebskranken da.

„Er hat immer gesagt: ,Zehn Jahre hätte ich noch gerne‘“, berichtet Ute Wagner. Zum Schluss wurden die Wünsche bescheidener. Den 70. Geburtstag am 20. Mai wollte Anno Wagner unbedingt noch erleben. Einen Monat später starb er in seinem Tölzer Zuhause.

Ute Wagner, die 31 Jahre mit ihrem Anno verheiratet war, wird das Lokal nun ohne ihn weiterführen – vorerst nur die Freischankfläche in der Marktstraße, da die Bar wegen der Corona-Auflagen noch geschlossen bleiben muss. Ein Termin für die Beisetzung steht noch nicht fest. 

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