Zwischen gedämpfter Freude und Skepsis: Der Tölzer Wirte-Sprecher Peter Frech vor dem „Jailhouse“.
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Zwischen gedämpfter Freude und Skepsis: Der Tölzer Wirte-Sprecher Peter Frech vor dem „Jailhouse“.

„Im zweiten Moment hatte ich Angst“

Innengastronomie in Bayern öffnet: Wirte hin- und hergerissen - Angst vor steigenden Corona-Zahlen

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Die Innengastronomie darf diesen Montag (7. Juni) wieder aufsperren: Klingt erst mal erfreulich, doch die große Frage lautet nun: Wie lang bleibt die Inzidenz unter 100 und wie lange gilt die Lockerung? Die Gastronomen im Tölzer Land sind hin- und hergerissen.

Bad Tölz-Wolfratshausen - „Im ersten Augenblick habe ich gedacht: schön“, sagt Hans Pohl vom Gasthof „Zur Post“ in Benediktbeuern. „Im zweiten Moment hatte ich Angst.“ Die Außengastronomie sei in den vergangenen Tagen „sehr gut“ gelaufen, berichtet Pohl.

Tag für Tag beobachte er nun die Corona-Zahlen, stets schwinge im Hinterkopf die Angst mit, dass er jeden Moment wieder zusperren muss: „Was mache ich, wenn es zum nächsten Lockdown kommt? Wie lange können wir das aushalten? Soll ich dann alle Leute wieder in Kurzarbeit schicken und sagen: Das war’s mal wieder?“

Corona-Lockerungen in Bayern: Wirt versteht nicht, warum Innengastronomie überhaupt geschlossen wurde

Ohnehin werde er „in seinem ganzen Leben“ nicht verstehen, warum er die Innengastronomie zusperren muss: „In einem kleinen Laden, wo 50 Leute auf zehn Quadratmetern sitzen, kann ich es ja noch verstehen. „Aber wir haben riesengroße Räume und eine Lüftungsanlage, die sehr gut funktioniert.“ Das Corona-Virus werde nie mehr verschwinden, sagt Pohl. „Daher hat man bei jeder Öffnung große Freude mit einem schlechten Gefühl.“

Corona in Bayern: Innengastronomie öffnet - Angestellte müssen „von heute auf morgen“ reaktiviert werden

Bei Tino Kellner vom Tölzer „Gasthaus“ überwiegt eindeutig das gute Gefühl: „Ich glaube, dass die Zahlen stabil bleiben werden, schließlich wird es wärmer, und geht es mit den Impfungen jetzt einigermaßen zügig voran.“ Die nächsten Tage würden „interessant“. Zum einen müsse er schauen, ob er seine Angestellten von heute auf morgen reaktivieren kann.

Zum anderen muss er erst mal Waren bestellen, wobei die Händler nicht jeden Tag ausliefern: „In der Gastronomie kann man einfach nicht so schnell reagieren wie zum Beispiel im Einzelhandel.“ Aus diesem Grund wird Kellner erst ab Mittwoch den Innenbereich aufsperren. Dass die Lockerung so kurzfristig bekannt gegeben wurde, belastet ihn überhaupt nicht: „Jeder darf aufsperren, aber keiner muss.“

Corona-Lockerungen sorgen für Probleme bei Wirten: Viele Angestellte haben mittlerweile Jobs außerhalb der Gastronomie

Vor ähnlichen Problemen steht Wirte-Sprecher Peter Frech: „Ich kann nur hoffen, dass alle Angestellten zu uns zurückkommen, aber viele haben in den letzten Monaten wohl Jobs außerhalb der Gastronomie angenommen – was ja auch legitim ist.“ Mal abgesehen davon ist Frech skeptisch, wie sich die Corona-Lage in den nächsten Tagen entwickeln wird, „denn dann sind die Leute aus dem Urlaub zurück, und die Kinder gehen wieder in die Schule.

Da muss man schauen, wohin die Reise geht.“ Ab einer Inzidenz von 50 seien Schnelltests vorgeschrieben, und bereits ab diesem Zeitpunkt müsse man damit rechnen, dass viele Leute nicht mehr zum Essen gehen. Frech: „Es wäre also gefährlich, den Leuten zu suggerieren, dass sie jetzt wieder alles machen dürfen.“

Wenig überrascht von den Öffnungsschritten ist Monika Poschenrieder vom Tölzer „Walgerfranz“: „Es war klar, dass sie kommen, weil die anderen Bundesländer schon aufgesperrt haben.“ Die Vorsitzende des Hotel- und Gaststätten-Verbands hätte allerdings mit dem 15. Juni als Öffnungstermin gerechnet.

Corona: Innengastronomie öffnet wieder - „Bin froh, wenn wieder etwas Normalität zurückkommt“

In den vergangenen Wochen sei sie „sehr angespannt“ gewesen, da sie immer damit rechnen musste, dass es zu regnen beginnt: „Und was macht man, wenn die Leute nicht in den Innenbereich ausweichen können?“ Alleine am Freitag hätten zehn Leute angerufen, die wissen wollten, ob ein Gewitter im Anzug ist: „Ich bin mir schon vorgekommen wie ein Wetterfrosch.“

Auch die Lieferanten hätten zuletzt große Schwierigkeiten gehabt und seien stets zu anderen Zeiten gekommen als gewohnt. Ein sinnvoller Gaststätten-Betrieb sei ohne den Innenbereich einfach nicht möglich. Poschenrieder schnauft durch: „Ich bin froh, wenn jetzt wieder etwas Normalität zurückkommt.“

Einen Überblick über die Corona-Entwicklung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es hier.

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