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Wirtschaftsausblick

Hemmnisse von Trump bis Stau

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  • Peter Borchers
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Wirtschafts-Vertreter im Landkreis blicken optimistisch auf dieses Jahr. Aber sie sehen auch Probleme.

Bad Tölz-Wolfratshausen – 2018 brummte die deutsche Wirtschaft. Mal wieder. Inzwischen mehren sich aber auch die warnenden Stimmen. Wir wollten von hiesigen Wirtschaftsexperten wissen, mit welchen Erwartungen und Sorgen sie ins neue Jahr gehen.

Mit zwiespältigen Gefühlen blickt Hubert H. Löcherer, Generalbevollmächtigter der Kochler Maschinenbaufirma Dorst, in die Zukunft. Für das Jahr 2019 habe sein Unternehmen eine „ausgezeichnete Perspektive“, sagt er. „Wir sind praktisch ausgebucht.“ Allerdings: „Für 2020 und die Folgejahre zeichnet sich einiges ab, das nachdenklich stimmt.“ Diese Wolken am Horizont seien, „weltwirtschaftlich bedingt. Da könnte man vieles auflisten von Trump bis Brexit“.

Die Folgen der Politik des US-Präsidenten hat Dorst schon konkret zu spüren bekommen. Weil Trump das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigte und nun jeden, der noch mit dem Iran Geschäfte macht, mit Sanktionen belegt, musste Dorst einen Sieben-Millionen-Euro-Auftrag aus dem Iran abschreiben. „Das ist schrecklich ärgerlich, war in unserer jetzigen Lage aber Gott sei Dank nicht lebensbedrohlich.“

Als eine der aktuellen Herausforderungen betrachtet Löcherer, dass sich sein Unternehmen als Zulieferer auf die großen Umwälzungen in der Automobilbranche hin zur Elektromobilität einstellt. „Um dafür gerüstet zu sein, arbeiten wir hart im Bereich Forschung und Entwicklung. Wir investieren jedes Jahr einige Millionen Euro, um hier up to date zu sein.“

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Auch Reinhold Krämmel, Bau- und Immobilienunternehmer in Wolfratshausen sowie Vorsitzender des IHK-Forums Oberland, sieht Risiken eines konjunkturellen Abschwungs, beispielsweise durch den zunehmenden „Protektionismus weltweit und durch einen ungeregelten Brexit. Dies könnte vor allem die mittelständischen Automobilzulieferer und Anlagenbauer in unserer Region betreffen.“

Weitere Risiken lägen im schleppenden Ausbau der Digital- und Energienetze. Und noch etwas bereitet Krämmel Sorgen: „Massive Wachstumshemmnisse in unserer Region bestehen im Bereich der Mobilität. Straßen- und Schienen-Systeme sind bereits überlastet.“ Einen zügigen Ausbau würden die jeweils Betroffenen durch ihre ablehnende Haltung verhindern oder verzögern.

Eine Reihe von Herausforderungen gilt es auch aus Sicht des Unternehmervereins „Wir für Tölz“ zu bewältigen. So hätten alle Branchen damit zu kämpfen, dass der Gewerbesteuersatz in Tölz auf Höchstniveau liege, erklärt Vereinsmanagerin Verena Weihbrecht. Zudem stelle der Fachkräftemangel ein Problem dar – verschärft dadurch, dass sich mögliche Bewerber die hohen Mieten in der Region nicht leisten könnten und sich schwertun, mit dem ÖPNV zum Arbeitsplatz zu gelangen.

Womit speziell der Handel hadere: „Die Mieten in der Marktstraße und in Innenstadtlagen sind teilweise so hoch, dass sich kleine Einzelunternehmen diese nicht mehr leisten können“, so Weihbrecht. Folge: „Es siedeln sich immer mehr Filialen von großen Einzelhandelsunternehmen an – die aktuelle Quote liegt bei zirka 50 Prozent.“ Damit verliere die Marktstraße immer mehr ihren Charakter. Zudem wirken sich laut Weihbrecht die langen Staus unter anderem auf der Flinthöhe negativ auf die Kundenfrequenz aus.

Für 2019 habe sich der Verein einiges vorgenommen. So wurden schon Ideen für die Jubiläen „50 Jahre Heilklimatischer Kurort und 120 Jahre Kurort“ gesammelt (wir berichteten). Außerdem wolle die Vereinssparte Handel zusammen mit der Tourist-Info daran arbeiten, Oster- und Chistkindlmarkt sowie Rosentage und Herbstzauber enger mit dem örtlichen Einzelhandel zu verzahnen.

Frederik Holthaus, Geschäftsführer des Isar-Kaufhauses und Vize des Geretsrieder Einzelhändler-Verbunds ProCit, sagt, seine Kollegen und er profitieren „von der guten Beschäftigungslage in unserem Landkreis“. Stadt und umliegende Gemeinden würden weiterhin durch Zuzug wachsen, „was wiederum mehr Kaufkraft bringt“.

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Allerdings: Der Onlinehandel blüht mit zweistelligen Zuwachsraten „und zieht somit Kaufkraft vom stationären Handel ab“, so Holthaus. Der ProCit-Vize setzt große Hoffnungen in das neue Geretsrieder Zentrum. „Dies stärkt den Standort und die Zentralität der Stadt. Alle freuen sich auf die geplante Fertigstellung und Neueröffnung des Karl-Lederer-Platzes im Herbst 2019.“

„Der Prozess zur Aufwertung unserer Innenstadtbereiche hin zu mehr Aufenthaltsqualität und Einkaufserlebnis für alle Generationen hat mit 2018 begonnen und wird sich 2019 fortsetzen“, kündigt auch Einzelhändlerin Ingrid Schnaller, Vorsitzende des Wolfratshauser Werbekreises, an.

Ein weiterer Trend aus ihrer Sicht: Das Bewusstsein der Menschen ändere sich hin „zu mehr ressourcenschonendem, ökologischem und fairerem Konsum“. Für den Einzelhandel komme es darauf an, den digitalen Wandel nicht zu ignorieren, sondern Teil desselben zu werden.

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