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Ersetzt ab 2018 das derzeitige Bring-System: Die Gelbe Tonne.

Änderung kommt nächstes Jahr 

Wohin mit der Gelben Tonne?

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Im Januar 2018 wird die Gelbe Tonne im Landkreis eingeführt. Was für einige Bürger die Erleichterung mit sich bringt, nicht mehr zu den Wertstoffinseln fahren zu müssen, stellt Hausverwaltungen vor große Herausforderungen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das Hauptproblem, so benennen es alle Hausverwalter, ist die Unterbringung der Tonnen. „Es gibt Gebäude, bei denen wir Platz haben, bei anderen müssen wir neue Tonnenhäuschen errichten. Und bei manchen bringen wir sie gar nicht unter“, sagt Norbert Junius, von der gleichnamigen Hausverwaltung in Geretsried. In allen Eigentümerversammlungen müsse festgelegt werden, ob und wie viele Tonnen benötigt werden. „Manche Grundstücke sind bis ins letzte Eck bebaut.“ Bei 70 Prozent seiner etwa 85 betreuten Objekte sei es kein Problem.

Was Junius kritisiert: Es gibt derzeit keinen Ansprechpartner für das Thema. „Die Gelbe Tonne soll ja nicht von der herkömmlichen Müllabfuhr abgeholt werden, sondern von einer eigenständigen Firma.“ Das bemängelt auch eine Hausverwaltung aus Tölz, die namentlich nicht genannt werden möchte: „Es gibt derzeit keine Auskunft. Wir wissen gar nicht, wie viele Tonnen wir brauchen.“

Ein „Ding der Unmöglichkeit“ sei es bei diversen Objekten, die Tonnen unterzubringen, sagt auch Ingeborg Boothe, Immobilien-Verwalterin aus Wolfratshausen. „Wir hatten schon mit der Einführung der Biotonne stellenweise Probleme – und die werden gar nicht richtig genutzt.“ Viele Grundstücke seien sehr vollgebaut. „Wo sollen wir noch einen weiteren Behälter unterbringen?“ Es sei auch noch unklar, ob die Gelbe Tonne freiwillig sein wird. „Wenn sie Pflicht werden sollte, frage ich mich, wie das gehen soll.“ Neue Plätze zu schaffen, sei mit einem größeren Geldaufwand verbunden.

Vom Platzproblem berichtet auch Bettina Faßbender, Liegenschaftsverwalterin der Stadt Bad Tölz, die zehn Wohnanlagen betreut. „In manchen Müllhäuschen ist Platz, manche haben gar keine. Da können wir die gelben Tonnen einfach dazustellen.“ Beim Neubau an der Osterleite hingegen habe man extra auf größere Müllhäuschen geachtet. Sie vermutet, dass es sich erst im Laufe des nächsten Jahres herausstellen wird, wie viele Tonnen benötigt werden. „Wir müssen auch noch erfahren, ob eine Abnahmepflicht für die Gelbe Tonne besteht.“ Ebenfalls sei bislang unklar, wie die Anzahl an Tonnen berechnet wird: „Müssen wir die Zahl nennen oder bekommen wir sie nach Gutdünken gestellt?“

Faßbender versteht den Wunsch der Bürger nach der Gelben Tonne. „Das Bringsystem ist für viele schon unpraktisch. Einige Leute werfen derzeit deswegen alles in den Restmüll – wenngleich auch die Wertstoffinseln oft voll sind.“ Die Anzahl der Tonnen pro Wohnanlage, hänge also auch stark mit dem Trennverhalten der Bürger zusammen.

Dass das nicht immer leicht ist, sprechen alle Hausverwalter an. „Wir informieren mehrsprachig, haben auch Rundschreiben verfasst, um auf die richtige Mülltrennung hinzuweisen“, sagt Boothe. Mit mäßigem Erfolg. „Ich frage mich, wie die Entsorgung der Gelben Tonne erfolgt. Sie soll ja nicht geleert werden, wenn sie nicht richtig befüllt ist.“

Auch Junius sieht das Problem der Fehlbestückung. „Nach meinem Wissen soll die neue Tonne grau mit gelbem Deckel werden. Wir haben schon etwas Angst, dass sie nicht richtig befüllt wird.“ In anderen Landkreisen, in denen es die Gelbe Tonne bereits gibt, habe er die Erfahrung gesammelt, dass kein Gramm Restmüll eingespart werde. „Es wird weiterhin schlampig getrennt.“

Auch problematisch sieht er die Leerungszeit im vierwöchigen Turnus. „Wir haben bei uns einmal einen Test gemacht, wie viel wiederverwertbarer Müll in dieser Zeit anfällt.“ Das sei eine ganze Menge. Noch dazu, wenn beispielsweise Getränke- und Milchkartons nicht platt gemacht würden. „Dann ist die Tonne ratzfatz voll.“ Da komme eine große Aufgabe auf Verwalter und Hausmeister zu. „Und im Sommer, wenn beispielsweise der Joghurtbecher nicht richtig sauber gemacht wird, hat man schnell das Problem, dass Maden aufkommen, und es gammelt“, befürchtet Junius. Was er sich wünschen würde: Eine baldige Aufklärungskampagne, damit alle Landkreisbürger wissen, was in die Gelbe Tonne gehört.

„Wir werden noch einige Kämpfe ausfechten müssen“, befürchtet man bei der Tölzer Hausverwaltung, die nicht genannt werden möchte. „Die Idee ist ja nett gedacht und bei Privathäusern und kleineren Wohneinheiten kann das auch sicherlich klappen“, sagt Ingeborg Boothe. „Aber sobald es mehrere Parteien sind, ist es kaum umsetzbar. Wir haben schließlich keine Müllpolizei.“

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