Hier scheiden sich die Geister: Anlieger wie Johannes Fritz fürchten um den ruhigen Wohncharakter der Heißstraße (li.), aber auch um den Naherholungswert des Faistwegs (re.), wenn auf einem Teil der Wiese im Süden des Zwicker-Hof-Areals (re./nicht im Bild) eine Bebauung zugelassen werden würde und die Zufahrt über die Heißstraße erfolgen sollte. arp

Wohnbebauung auf der Zwickerwiese:

„Vollkommen schockiert“

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Bad Tölz - Spruchreif ist noch lange nichts. Trotzdem erregt die angedachte Wohnbebauung eines Teils der „Zwickerwiese“ schon jetzt die Gemüter. 

Die betroffenen Anlieger haben bereits eine Petition bei der Stadt eingereicht, in der sie sich gegen eine Zufahrt über die Heißstraße aussprechen. Auch in der Ludwig-Thoma-Straße regt sich Widerstand.

Es stimmt: Noch Anfang Dezember 2015 hatte Bauamtsleiter Christian Fürstberger in einer Sitzung erklärt, dass keinesfalls geplant sei, ein mögliches neues Wohngebiet auf dem Areal des Zwickerhofs über die Heißstraße zu erschließen (wir haben berichtet). Dass die Stadt nun genau diese Variante prüft, hat alle 25 Anlieger „vollkommen schockiert“, wie es in der Petition heißt, die die betroffenen Bürger innerhalb weniger Tage verfasst und geschlossen unterzeichnet haben. „Damit würde eine sehr ruhige Wohngegend kaputt gemacht“, sagt Johannes Fritz, der die Unterschriftensammlung initiiert hat.

Sorge um Naherholungswert des Faistweges

Ihm und seinen Mitstreitern geht es nach eigenen Angaben aber nicht nur um den „ruhigen Wohncharakter“ der Straße, der laut dem erst wenige Monate alten Bebauungsplan „Hintersberg“ eigentlich gestärkt werden sollte. Im Mittelpunkt ihrer Bedenken stünden die „besonders schützenswerten Personengruppen“, die an der Heißstraße angesiedelt seien. Die Anlieger spielen damit auf die „Lebenshilfe“ an, die an der Bairawieser Straße/Ecke Heißstraße die Rothmund-Schule sowie eine Heilpädagogische Tagesstätte betreibt. Täglich seien die zum Teil behinderten Kinder in der Heißstraße unterwegs, um mit ihren Erziehern zum Faistweg zu gelangen. Auch dessen Naherholungswert sehen die Anlieger gefährdet, wenn das mögliche neue Wohngebiet über die Heißstraße erschlossen werden würde.

Schützenswert sei die Heißstraße laut der betroffenen Bürger aber auch wegen der Thomas-Mann-Villa, die etliche Touristen jeden Tag bestaunen und fotografieren würden. Außerdem gebe es da noch ein Austragskloster, wo die Nonnen des Ordens der „Armen Schwestern“ ungestört ihren Lebensabend verbringen wollten.

Sie alle könnten sich nach Auffassung der Anlieger durch den zusätzlichen Verkehr nicht nur gestört fühlen, sondern dadurch sogar in Gefahr geraten. „Die Straße ist eigentlich einspurig und schon jetzt eng zum Rangieren“, sagt Barbara Fritz. „Wenn über 100 Autos dazukommen, wird es spannend.“

Von dieser Anzahl an Fahrzeugen gehen die Anlieger aus, wenn auf einem Teil der Wiese im Süden des Zwicker-Hof-Areals eine Bebauung zugelassen werden würde und die Zufahrt über die Heißstraße erfolgen sollte. Die Zahl errechnet sich aus der Annahme, dass auf einer Fläche von drei Hektar 30 bis 35 Grundstückseinheiten entstehen könnten – mit einer entsprechend höheren Anzahl an Wohnungen und der Befürchtung, dass in den meisten Haushalten zwei Autos vorhanden wären. Bislang war von 1,5 Hektar die Rede, auf der etwa 20 Einzel- und Doppelhäuser errichtet werden könnten. Laut Fritz habe ihm die Stadtverwaltung die deutlich höheren Zahlen auf Nachfrage genannt.

Das kann sich Bürgermeister Josef Janker nur schwer vorstellen. Wie viel Fläche wirklich bebaut werden darf, werde ja gerade erst geprüft, zum Beispiel in Abhängigkeit vom Naturschutz und eben einer möglichen Zufahrt. Die Argumente der Anlieger nimmt der Rathaus-Chef ernst, betont aber auch: „Man muss abwägen, was für die Stadtentwicklung wichtiger ist.“ Auf der einen Seite stehe der Wunsch nach der Schaffung von höherwertigem Wohnraum für Familien, auf der anderen Seite die Interessen der Anlieger.

Verfrühte Diskussion

Auch Zwickerbauer Martin Sappl ist erstaunt über die Größenordnung des Baugebiets, die die Anlieger ihrer Petition zugrunde legen. „Noch ist nicht einmal klar, ob dort oben überhaupt etwas gebaut werden darf“, betont der 33-Jährige. Die Diskussion um eine mögliche Zufahrt hält er für verfrüht. „Bislang gibt es ja wirklich nur die Anfrage, ob eine Entwicklung überhaupt möglich ist.“

Die Anwohner der Heißstraße haben die Petition dagegen ganz bewusst zu diesem sehr frühen Zeitpunkt initiiert. Ist der Bebauungsplan erst einmal erstellt, sei es sehr schwierig und kostenintensiv, etwas rückgängig zu machen, glaubt Johannes Fritz. In der noch jungen Planungsphase sei es dagegen noch leicht, Änderungen einzuarbeiten. Zum Beispiel, dass ein mögliches neues Wohngebiet über den Friedhofsberg und nicht über die Heiß- oder die Ludwig-Thoma-Straße erschlossen würde. Denn auch eine Zufahrt über Letztere hält Fritz für unrealistisch. Beide Straßen seien aufgrund von Engstellen völlig ungeeignet. Das sehen die Anlieger der Thoma-Straße genauso und bereiten derzeit laut Fritz ebenfalls eine Petition vor. Darin dürften sie auch vorschlagen, ein anderes Teilstück des Zwickerhofs in Bauland umzuwandeln, falls sich die Frage der Zufahrt nicht klären lässt.

Hoffen auf eine Lösung im Guten

Dennoch ist es Fritz wichtig zu betonen, dass es alle betroffenen Bürger richtig und wichtig finden, der Familie Sappl zu helfen. „Doch nicht zu Lasten und auf Kosten der Anlieger der Heißstraße“, heißt es in dem Schreiben an die Stadt. Anlieger wie Joseph Pallauf fürchten nämlich auch, dass nach einer mehrjährigen Bauzeit, in der ständig schwere Lkw durch die Heißstraße fahren würden, die Spritzasphaltdecke dort komplett erneuert werden müsste. Die Kosten dafür müssten die Anlieger tragen. Außerdem treibt die Betroffenen die Sorge vor einer „Salami-Taktik“ um, also dass die Wiese immer weiter erschlossen wird, wenn der Anfang erst gemacht ist.

Um solche Befürchtungen aus der Welt zu räumen, aber auch um eine „Lösung im Guten“ zu finden, hofft Pallauf, dass sich Stadt, Zwickerbauer und Anlieger bald zusammensetzen. „Alle sollen mit offenen Karten spielen, damit allen geholfen werden kann.“ 

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