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Stadtrat

Wohnungen sind zu teuer und zu knapp

Bad Tölz - Die Schwächen, aber auch die Stärken von Bad Tölz hat eine Unternehmensbefragung jetzt aufgezeigt. Die Ergebnisse wurden im Stadtrat präsentiert.

Nicht schlecht: 1600 Unternehmen im Landkreis waren im Auftrag der Wirtschaftsförderung befragt worden, 500 antworteten (wir berichteten). In Tölz war der Rücklauf mit 36 Prozent „gigantisch“, wie sich City-Manager Falko Wiesenhütter im Tölzer Stadtrat freute. „Das sind keine Einzelmeinungen mehr.“

Wichtigste Standortfaktoren für die Unternehmen ist demnach eine gute Internetanbindung. Dann folgen Straßenanbindung und Arbeitskräfte. In der Kreisstadt wird das Schulangebot top bewertet. Ebenso das Image der Stadt im Vergleich zum Landkreis sowie die Straßenanbindung. Letztere wurde 2002 noch bemängelt. Im Vergleich zu anderen Regionen offenbaren sich „sehr dynamische Entwicklungsabsichten“.

Wichtig ist, was die Unternehmen aktuell kritisieren. Das sind in Bad Tölz drei Punkte: Erstens die hohen Wohnungspreise, die mangelhafte Flughafenanbindung sowie die geringe Verfügbarkeit von Wohnflächen. Die Steuerlast und auch die fehlenden Gewerbeflächen sind weitere „alte Bekannte“ in der Tölzer Mängelliste. Der Wirtschaftsförderer und Sozialplaner einer Stadt könnten durchaus die gleichen Interessen haben, meinte Wiesenhütter mit Blick auf den „wahnsinnig wichtigen“ Standortfaktor Wohnungen.

In dem Zusammenhang erinnerte Richard Hoch (Grüne) an die vergangene Stadtratssitzung, als das Gremium mehrheitlich beschlossen hatte, bei der Baulandausweisung am Bichler Hof auf einen städtischen Anteil günstiger Wohnungen zu verzichten. Hoch: „Was nützen uns Wohnungen für 750 000 bis 800 000 Euro? Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum.“ Dafür müsse man aber eigens geschaffene Satzungsinstrumente wie die ZoBoN („Zukunftsorientierte Bodennutzung“) auch nützen.

Mache es vor diesem Hintergrund überhaupt Sinn, an neue Gewerbeansiedlungen zu denken?, fragte Hoch. Um die ging es Peter Wiedemann (FWG) nicht vorrangig. Viel wichtiger seien doch die bestehenden Firmen in Tölz, die dringend nach Möglichkeiten zur Erweiterung suchten. Bürgermeister Josef Janker (CSU) verwies auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das im Herbst vorliegen soll. Darin will der Stadtrat auch Flächen für Gewerbe definieren. Bauamtsleiter Christian Fürstberger dämpfte aber gleich zu hohe Erwartungen. Tölz hat derzeit „nullkommanull Gewerbeflächen“ zur Verfügung. Bei den langwierigen Verfahren – Fürstberger nannte das Beispiel Naturschutz – rechne er in diesem Jahrzehnt nicht mit konkreten Ausweisungen.

Nicht einmal frei werdende Flächen wie Moralt seien so einfach wieder zu verwerten. Erst müssten Themen wie Hochwasserschutz und Altlasten geklärt werden.

Falko Wiesenhütter fand es wichtig, beim Thema Gewerbeflächenbedarf zu differenzieren. Bei den derzeit schlechten Zinsen gebe es viele Unternehmen, die Flächen auf Vorrat kaufen. Er geht von 20 Unternehmen aus, die wirklich Bedarf wegen einer Betriebsausweitung haben.

Die Befragung hatte auch das Ziel, zu klären, ob Unternehmen Flüchtlinge einstellen würden. 66 Tölzer Firmen sind nach Wiesenhütters Worten eventuell oder sogar sicher bereit, sich „auf dieses Abenteuer einzulassen“.

Das nimmt die Stadt als Steilvorlage an, wie Janker andeutete. „Flüchtlinge als Mitarbeiter, da sind wir dran.“ Konkretes wolle er aber erst sagen, „wenn alles eingetütet ist“.

Christoph Schnitzer

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