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Der Wolf ist intelligent: Für die Jagd auf ihn müssten erst Strategien entwickelt werden, sagen die Jäger.

Reaktionen auf Kabinettsbeschluss

Wolf – Warten aufs Kleingedruckte

Der Kabinettsbeschluss, wonach Wölfe nach Rissen künftig leichter abgeschossen werden können, stößt im Landkreis auf unterschiedliches Echo.

Bad Tölz-Wolfratshausen Euphorie schaut anders aus. Der Kabinettsbeschluss der Bundesregierung, dass Wölfe künftig nach Rissen leichter abgeschossen werden können, wird im Landkreis vorsichtig positiv bis skeptisch beurteilt.

Bei den Bauern hat man den Kompromiss zwischen Umwelt- und Agrarministerium aufmerksam registriert. „Ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), Georg Mair. Aber da sei schon noch vieles unklar. Er fordert die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht. „Man kann ja nicht einfach ausrücken und schießen“, sagt der Gaißacher. „Das muss ja alles einen rechtlichen Rahmen haben.“ Mair war erst vor wenigen Wochen mit AVO-Mitgliedern bei einer Fachtagung zum Thema Wolf mit Referenten aus ganz Europa im sächsischen Halberstadt. Auch auf einem Familienhof in Berlin wurde ein totes Schaf aufgefunden. Ein Wolf soll dafür verantwortlich sein. Hofbetreiber und Anwohner sind in großer Sorge.

Die Experten hätten berichtet, sagt Mair, dass der Wolfsbestand in Deutschland reguliert werden müsse. Es gebe rund 1000 Wölfe in rund 100 Rudeln. Auf die Fläche bezogen sei die Wolfsdichte in den neuen Bundesländern am dichtesten weltweit, sagt der oberste Almbauer in Oberbayern. Dass sich nun in Berlin ein Kompromiss zwischen dem SPD-geführten Umweltschutz- und dem CDU-gelenkten Agrarministerium abzeichnet, führt Mair auf den enormen Druck der Bevölkerung zurück.

„Erst schießen, dann fragen“, fasst Friedl Krönauer, Vorstand der Kreisgruppe Bund Naturschutz den Kabinettsbeschluss zusammen und ist vor allem über das Einknicken des SPD-geführten Umweltministeriums enttäuscht. Er und viele Naturschützer seien ja gar nicht dagegen, dass Problemwölfe geschossen werden. Man nehme auch die Sorgen der Tierhalter ernst, für die Krönauer anständige Entschädigungsregelungen verlangt. Die nunmehr ins Auge gefasste Abschussregelung geht dem BN-Vertreter aber viel zu weit. „Da fällt der Artenschutz hinten runter.“ Auch wenn aus dem Kreisjagdverband anderes zu hören sei, ist Krönauer überzeugt, dass der Wolf auch „eine bereinigende Wirkung auf den Wildbestand hätte und dem Naturhaushalt gut täte.“ Herdenschutz ist seiner Meinung nach machbar.

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Im Landkreis Tölz-Wolfratshausen hat im April 2017 letztmals ein Wolf bei St. Heinrich Schafe gerissen. Im Herbst des vergangenen Jahres waren einige Schafrisse im Allgäu registriert worden. Heuer im Frühjahr wurde ein Wolf in der Traunsteiner Gegend gesichtet, berichtet Mair. Er wartet nun auf die rechtliche Umsetzung des Kabinettsbeschlusses, zum Beispiel die Änderung des Schutzstatus des Wolfs in der FFH-Richtlinie von vier (besonders streng geschützt) auf fünf (Schutz vor unkontrollierbarer Entnahme).

BBV-Kreisobmann Peter Fichtner empfindet die jüngste politische Entwicklung zwar als „Fortschritt“, ist aber ansonsten „aus leidvoller Erfahrung“ vorsichtig. „Da ist schon viel groß herausposaunt worden, was sich hinterher als Strohfeuer entpuppte. Wir kennen das Kleingedruckte noch nicht.“

Wolfgang Morlang, Vorsitzender des Kreisjagdverbands will den Beschluss auch noch nicht kommentieren. Er gibt grundsätzlich zu bedenken, dass der Wolf im Jagdrecht auch bedeute, „dass wir ihn auch hegen müssen“. Man fühle sich gleichwohl an der Seite der Almbauern. Der Wolf führe in dem dicht besiedelten Land einfach zu vielen Nutzungskonflikten.

Die Jagd auf Wölfe sei aber schwierig. Der letzte Wolf wurde hierzulande vor 180 Jahren geschossen. Morlang: „Wir haben keine Jagderfahrung. Da muss man sich schon neue Jagdstrategien überlegen“, zumal Wölfe sehr intelligent seien. „Das geht nicht so leicht. Das ist mit richtig viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden.“

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