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Arbeitseinsatz Therapiewald: Zahlreiche Polizisten halfen beim Ausräumen und der Neuanlage des Waldstücks hinter dem Haupthaus der DPolG-Stiftung in Fall tatkräftig mit.

Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft

Wenn Polizisten Hilfe brauchen: So hilft die DPolG-Stiftung

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Manche Einsätze lassen Polizisten nicht mehr los. Für sie gibt es die Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft, eine vielseitige Institiution. 

Bad Tölz-Wolfratshausen –Den Weißen Ring, jenen Verein, der Opfern von Gewalt und Kriminalität hilft, kennt man gemeinhin. Eduard Zimmermann, TV-Journalist und Mr. Aktenzeichen XY, hatte ihn 1976 mitbegründet und in seiner Sendung populär gemacht. Es gibt jedoch eine zweite Seite von Not, Verzweiflung und Kriminalität: Auch Polizisten erleben Schreckliches – und nicht nur im Job: Sie sehen Unfälle mit Toten, müssen in Notwehr auf Menschen schießen, werden im Einsatz selbst verletzt oder gar getötet. Wer hilft ihnen beziehungsweise ihren Hinterbliebenen?

Stabwechsel: Wolfratshausens Inspektionsleiter Andreas Czerweny (re.) löste Helmuth Scharnagl (Mi.) als Stiftungs-Vize ab. Links: Stiftungschef Berend Jochem.

Diese Frage beschäftigte Berend Jochem Mitte der 1990er Jahre. Der ehemalige Polizist aus Wackersberg, gerade frisch im Ruhestand, hatte eine Idee: Er gründete die Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), deren Vorsitzender er noch heute ist. 22 Jahre später kümmert sich die Stiftung um trauernde, verzweifelte oder traumatisierte Angehörige „der gesamten deutschen Blaulichtfamilie“, sagt Andreas Czerweny, „also auch um Rettungskräfte, Berufsfeuerwehrleute und Justizmitarbeiter. Erster Hauptkommissar Czerweny steht Berend Jochem seit vergangenem Oktober als Vize zur Seite und löste damit Helmuth Scharnagl ab.

Scharnagl, wie Czerweny ein Tölzer und viele Jahre eine Institution der dortigen Polizei, hatte nach 18 Jahren Arbeit im Stiftungsvorstand den Wolfratshauser Polizeichef als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Czerweny gibt sich bescheiden: Er habe Respekt vor „dieser Aufgabe“, sagt der 55-Jährige. Immer noch sei er damit beschäftigt, sich in die Materie – „das Stiftungsrecht ist eine komplexe Geschichte“ – einzuarbeiten. „Im Moment lebe ich nur von dem, was andere in 20 Jahren erarbeitet haben.“ Die Stiftung – die vier Damen der Geschäftsstelle arbeiten auf 450-Euro-Basis, alle anderen ehrenamtlich – unterhält modern und gut ausgestattete Ferienwohnungen und Bungalows in Fall und Lenggries. Dort sitzt auch die Geschäftsstelle. Hinter dem Haupthaus eröffnete sie im Herbst 2018 zudem den „Therapieraum Natur“, ein mit eigener Arbeit renaturiertes, für jedermann offenes Eckchen Wald.

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In den Einrichtungen können Betroffene kostenlos Ruhe finden und sich von schlimmen Erlebnissen erholen. Das taten zum Beispiel Lebensgefährtin und Kind eines Polizisten, der bei einem Terroranschlag in Afghanistan ums Leben gekommen war, auch der Polizist, der im Dienst von einer Kettensäge schwer am Hals verletzt worden war; und der Beamte und seine Frau, beide an Krebs erkrankt, die mit ihren unter der Situation leidenden Kindern Probleme hatten. Der räumliche Abstand auf Zeit tat allen Familienmitgliedern gut.

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Jochems Idee unterstützen von Anfang an die Bayerische Staatsregierung und der Staatsforst. Ohne deren Zuwendungen – Geld, Grund und Immobilien – sowie ohne viele private Spenden würde es zwar nicht gehen, sagt Czerweny. Der immer noch umtriebige Stiftungsgründer, als ehemaliger Beamter und leidenschaftlicher Polizeigewerkschafter sehr gut vernetzt, sprühe aber immer noch vor Ideen: „Berend war und ist der Motor.“

Obwohl er „noch viel lernen“ muss, ist Czerweny „mittlerweile dankbar, dass ich bei der Stiftung mitarbeiten darf. Denn ich halte sie für enorm wichtig.“ Er selbst sei ein Polizist der Wackersdorf-Generation, so der 55-Jährige. Er habe als junger Beamter erlebt, wie den Kollegen auf den Anti-Atomkraft-Demonstrationen die Stahlkugeln um die Köpfe pfiffen – und manchmal in deren Helme einschlugen. „Mir selbst ist nie etwas passiert, ich habe großes Glück gehabt.“ Andere hätten das nicht, ihnen müsse man helfen. „Und so traurig die Fälle oft sind, man lernt dabei ganz tolle Menschen kennen.“

peb

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