Endlich zurück hinterm Steuer: Fahrlehrer Kai Strathmann mit seinem Schüler Laurin Hundegger.
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Endlich zurück hinterm Steuer: Fahrlehrer Kai Strathmann mit seinem Schüler Laurin Hundegger.

Zum Teil lange Wartelisten

Die Fahrschulen im Landkreis sind wieder geöffnet

Freie Fahrt in Richtung Führerschein: Seit dem 22. Februar sind Fahrstunden wieder möglich. Das hat selbst die Unternehmen überrascht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nach mehr als neun Wochen Zwangspause durften die Fahrschulen in Bayern wieder ihren Betrieb aufnehmen. Sowohl Theorieunterricht als auch Fahrstunden können seit dem 22. Februar wieder stattfinden. Die meisten Fahrschulen im Landkreis wurden von diesem Beschluss überrascht. Trotzdem freuen sie sich, dass sie wieder loslegen durften.

Die erste Woche nach der Öffnung war vor allem „anstrengend“, sagt Wolfgang Gritzuhn, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Lenggries. Das Arbeiten mit FFP2-Maske sei sehr kräftezehrend. Zusätzlich merke er einen enormen Andrang. „Jeder will jetzt so schnell wie möglich seinen Führerschein fertigmachen.“ Dies sei verständlich. Immerhin hat Gritzuhn Fahrschüler, die teilweise von beiden Lockdowns ausgebremst wurden. „Es hängt auch immer das Damoklesschwert der erneuten Schließung ab einer Inzidenz von 100 über uns.“

Seit der Öffnung kommen viele Neuanmeldungen. Bei aller Freude: „Es ist nicht einfach, alle Fahrschüler, die bereits begonnen haben, und die Neuanmeldungen unter einen Hut zu bekommen.“ Das Ende der Zwangspause sei existenziell wichtig für die Fahrschulen gewesen. „Wir haben gehofft, mit den Schulen aufmachen zu können und sind darüber auch froh.“

Der Führerschein auf dem Land ist extrem wichtig

Nicht unbedingt mit einer Lockerung hatte Martina Meier gerechnet. „Wir hatten nicht erwartet, so früh wieder öffnen zu dürfen“, sagt die Geschäftsführerin der Fahrschule „kmh“ in Geretsried und Wolfratshausen. Eigentlich hatte sich Meier darauf eingestellt, bis Mitte März nicht arbeiten zu können. Die Öffnung findet sie aber „grundsätzlich richtig“. Nicht nur, weil sie endlich wieder arbeiten kann. Sondern auch, weil ihrer Meinung nach der Führerschein für viele sehr wichtig ist. Gerade bei der geringen Verkehrsanbindung auf dem Land ist ein Auto meist unerlässlich, meint die Fahrschulinhaberin.

Die „größte Herausforderung“ für sie sei es, die angestauten Fahrstunden und den Theorieunterricht abzuarbeiten. „Wegen der einzuhaltenden Abstände im Theorieunterricht können nicht so viele Schüler wie normalerweise an den Stunden teilnehmen“, so Meier. Wer sich neu anmeldet, muss deshalb mit einigen Wochen Wartezeit rechnen. Das hält die Menschen aber nicht davon ab, sich schon jetzt anzumelden. „Seit bekannt ist, dass wir wieder aufhaben, klingelt das Telefon durchgängig“, schildert die Geschäftsführerin die Lage.

Die Unsicherheit bleibt, wenn die Zahlen wieder steigen

Ob der große Ansturm tatsächlich anhalten wird, wagt Kai Strathmann, Fahrschullehrer der Fahrschule Stöckner aus Lenggries, zu bezweifeln. „Ich könnte mir vorstellen, dass der Andrang nicht ganz so groß wird.“ Für viele sei der Führerschein in diesen Zeiten in den Hintergrund gerückt. Hinzu würden Verdienstausfälle der Eltern kommen, zum Beispiel wegen Kurzarbeit. „Der Führerschein ist doch ein eher teureres Vergnügen“, sagt der Fahrlehrer. Strathmann ist wie Martina Meier von einer späteren Öffnung ausgegangen. Der derzeitig „restriktivere Kurs“ in der Pandemiebekämpfung sei mit der Öffnung der Fahrschulen eher weniger zu vereinbaren. „Im Auto sind die Abstände sicher nicht einzuhalten“, stellt Strathmann fest. Allerdings gelten die jeweiligen Hygienemaßnahmen wie etwa Abstandsregelungen, regelmäßiges Lüften oder Hände desinfizieren. Diese wurden im Vergleich zum ersten Lockdown noch einmal verschärft: Es besteht FFP2-Maskenpflicht im Unterricht und während der Fahrstunden. Trotz allem ist Strathmann „froh, wieder arbeiten zu dürfen“.

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Darüber freut sich auch Hildegard Schulz, Fahrlehrerin in der Fahrschule Sepp Kögl aus Geretsried und Wolfratshausen. Der plötzlichen Öffnung steht Schulz aber skeptisch gegenüber: „Derzeit steigen die Infektionszahlen wieder.“ Auch kritisiert sie, dass der TÜV bereits Anfang Februar wieder mit den Prüfungen begonnen habe. Eigentlich habe zu der Zeit noch ein Betriebsverbot bestanden. „Wir mussten aber trotzdem in die Fahrschule, um die Prüfungen abzunehmen“, schildert Schulz.

Die während der Schließung ausgefallenen Stunden sollen nun zügig nachgeholt werden. Zuerst würden aber diejenigen Fahrstunden erhalten, die vor der Coronapause kurz vor der Prüfung standen, stellt die Fahrlehrerin klar. Außerdem ist es laut Schulz notwendig, sich für die Theorie-Unterrichtsstunden vorher anzumelden. Aufgrund der Abstandsregeln stehen weniger Plätze zur Verfügung. Und die Unsicherheit bleibt. „Es ist nicht abzusehen, wie lange wir tatsächlich offen haben werden“, sagt Hildegard Schulz. „Je nach Infektionslage kann sich das ganz schnell ändern.“ Felicitas Bogner, Franziska Selter

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