Sind Floßfahrten in diesem Jahr noch möglich? Die drei Flößerbetriebe im Landkreis hoffen auf Corona-Schnelltests und die Impfungen.
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Sind Floßfahrten in diesem Jahr noch möglich? 2020 war das nicht der Fall, die Saison musste abgesagt werden.

Es ist ein Kampf gegen die Zeit

Corona: Flößer hoffen auf Schnelltests und baldige Impfungen

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Noch eine ausgefallene Saison würden den Flößern schwer zusetzen. Sie hoffen, dass beim Thema Impfen Tempo gemacht wird. Auch Schnelltests könnten helfen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – 2020 ist das Unvorstellbare passiert: Kein einziges Floss fuhr isarabwärts Richtung München, eine uralte Tradition war aus bekannten Gründen zum Erliegen gekommen. Jetzt, wo die Tage wieder länger werden und sich der Blick allmählich ins Frühjahr richtet, stellt sich die Frage: Wie wird es heuer den Flößern ergehen? Wird 2021 besser?

Josef Seitner hofft es schwer. Und das, obwohl Plan A zu scheitern droht. „Ich fürchte, das mit dem Impfen geht zu langsam“, sagt er. Schließlich soll erst im Herbst laut Bundeskanzlerin ein Impfangebot für jeden Bürger vorliegen, und da geht die Saison der Flößer zu Ende. Seitner baut auf die Schnelltests: „Die werden bald auf dem Markt sein, und innerhalb einer Viertelstunde ist das Ergebnis da. Und ein bisserl Zeit hat man ja, bevor es aufs Floß geht.“ Das ließe sich organisieren.

Eigentlich beginnt die Floßsaison im Mai. Der Termin wird nicht zu halten zu sein. „Dieses Virus ist hinterfotzig“, sagt Seitner mit Blick auf die Mutationen, die noch aggressiver sein sollen als das ursprüngliche Virus. Daher plant er mit Mitte Juli. „Und da werden wir froh sein müssen, wenn wir das schaffen.“

Der 1. Mai wird nicht zu halten sein

Es heißt also weiter: Warten. Vorbereitet ist alles für den großen Tag, wenn die Flößerei wieder möglich ist. „Zu 80 Prozent sind die Arbeiten abgeschlossen“, erklärt Seitner. So sind etwa schon neue Stämme besorgt, die nur noch zusammengebunden werden müssen, um 60 Gäste in einer schönen Tagestour an die Münchner Floßlände zu bringen. „Bis wir Gewissheit haben, geht es mir wie allen anderen: Man lungert halt herum“, sagt Seitner. Seinen Humor hat ihm Corona nicht verdorben.

Überhaupt macht er niemandem Vorwürfe wegen der misslichen Situation. Im Gegenteil, er bewundert die Wissenschaft dafür, dass sie so schnell Impfstoffe entwickelt hat. Auch der Haltung der Politiker, die lieber auf Nummer sicher gehen, kann er nachvollziehen. „Ich bin sicher, irgendwann geht das mit den Impfungen ganz schnell“, sagt er. Im Idealfall so schnell, dass die Flößer noch eine lukrative Saison erleben.

Schnelltests? Die Umsetzung könnte schwierig werden

Nicht ganz so optimistisch blickt Monika Heidl-Seitner in die Zukunft. Sie geht davon, dass „wir noch einen ganz vorsichtigen Sommer mit Hygieneregeln in allen Bereichen haben werden“. Und genau dann wird es für die Flößer schwierig. Was ist zum Beispiel mit dem nötigen Abstand, der auf einem Floß kaum zu gewährleisten ist? Eine Lösung könnten theoretisch Trennwände aus Plastik sein, doch praktisch ist das bei einem Floß, das morgens auf- und abends wieder abgebaut wird, kaum machbar. Oder das Thema Blasmusik. „Zwei Meter Abstand sind Pflicht“, so Heidl-Seitner. „Was sollen wir dann machen? Die Kapelle in ein Beiboot setzen?“, fragt sie. Man sieht: Der Teufel steckt im Detail.

Dass Schnelltests die Lösung sind, glaubt sie nicht. Das liegt zum einen an der Menge von Gästen, die am Wochenende nach Wolfratshausen kommen, nämlich an die 200 pro Flößerbetrieb. Auch die konkrete Umsetzung stellt sie sich schwierig vor. „Was mache ich, wenn von einem Bus mit 60 Personen einer dabei ist, der positiv ist?“ Dann dürfte prinzipiell niemand aus dem Bus aufs Floß. „Die Stimmung, die dann herrscht, kann man sich vorstellen.“

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Notgedrungen übt sich auch Michael Angermeier aus Arzbach in Geduld. „Bis Mitte März bin ich relativ entspannt“, sagt er. Damit die Floßsaison stattfinden kann, ist es nach seiner Meinung unabdingbar, „dass wir mit der Impferei endlich vorwärtskommen“. Aber ob da schnell Fortschritte erzielt werden? „Es geht schon verdammt zach“, sagt er. Anfragen hat er genug, es gibt nur noch freie Plätze unter der Woche, die Wochenenden sind längst reserviert. „Die Leute sehnen sich nach so etwas“, sagt er. Für die aktuelle Saison könne keiner was. Trotzdem wäre es gut, wenn auf das Katastrophenjahr 2020 ein besseres 2021 folgt. „Sonst geht das langsam auch wirtschaftlich an die Substanz.“

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