Toni Egold, Mitbetreiber des Campingplatzes am Bibisee.
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Erwartet einen „ganz heißen Sommer“: Toni Egold, Mitbetreiber des Campingplatzes am Bibisee.

Unternehmer arrangieren sich mit der Situation

Osterurlaub: Tourismus liegt auch im Landkreis brach

  • vonPeter Borchers
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  • Volker Ufertinger
    Volker Ufertinger
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Wie Ostern heuer verlaufen wird, ist noch fraglich. Aber das Urlaubsverbot scheint fix zu sein. Die Unternehmer im Landkreis versuchen, sich mit der Lage zu arrangieren.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Urlaub auf Mallorca ist möglich, dem Tourismus hierzulande verordnet die Politik jedoch weiterhin strikte Bettruhe. Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze bleiben auch über Ostern weitgehend verwaist. Auf die jüngsten Lockdown-Regelungen reagiert die Branche mit einer Mischung aus Verständnis und Fatalismus – wie unsere stichprobenartige Umfrage ergab.

Hotellerie

Das Hotel „Grauer Bär“, direkt am Kochelsee gelegen, gilt als „Zuckerl“ zwischen Bad Tölz und Garmisch-Partenkirchen. In den Genuss dieses Zuckerls wird in den Osterferien niemand kommen. Die 28 Einzel- und Doppelzimmer sowie die zwei Ferienwohnungen bleiben leer. „Natürlich sind wir deprimiert“, sagt Peter Sebald, Mitinhaber des Betriebs. „Aber es hilft ja nichts.“ Freilich ist er nicht begeistert davon, dass dem Hotel das traditionell gut gehende Ostergeschäft entgeht und er jetzt stornieren muss. „Man hat schon den Eindruck, dass das Gastgewerbe ganz hinten anstehen muss“, sagt er. „Wir sind die Letzten, die öffnen dürfen.“ Wann sein Hotel wieder in den Normalbetrieb gehen wird, darüber will Sebald keine Prognose abgeben. „Wir müssen einfach weiterhin nach vorne schauen, es bleibt uns nichts anderes übrig.“

Ferienwohnungen

Josef Orterer, der ein Gästehaus in der Jachenau betreibt, verfällt ebenfalls nicht in Pessimismus. „Auf gewisse Weise habe ich sogar Verständnis für den Söder“, sagt er. „Wir müssen ja schauen, dass wir irgendwie rauskommen aus der ganzen Sache.“ Auch für ihn ist es nicht angenehm, auf das Ostergeschäft verzichten müssen. „Das ist für uns schon wichtig“, sagt er. „Das Weihnachtsgeschäft war ja auch schon weg.“ Auf der anderen Seite gab es heuer für die Ferienwohnungen auch noch keine Vorausbuchungen. „Die Leute haben abgewartet.“ Das Stornieren bleibt ihm also erspart.

Reisebüro

Nein, Mallorca-Fans rennen Rolf Hecher, Inhaber der gleichnamigen Reisebüros in Geretsried und Wolfratshausen, nicht die Bude ein. „Wir hatten ein paar Anfragen, jemand hat über Ostern einen Flug gebucht, andere erst ab Mai. Es war aber jetzt nicht der große Run.“ Dennoch blickt der 53-Jährige „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft. Der Grund: Seit etwa zwei Wochen hat die Nachfrage angezogen. „Für August, September und Oktober kommen Buchungen rein“, berichtet Hecher, Zielregionen seien beispielsweise Kroatien, Italien und die Türkei, An Fernreisen, glaubt der Experte, würden sich in diesem Jahr wohl nur wenige trauen. Allerdings buchen die Kunden meist nur dann, wenn die Veranstalter Flexoptionen anbieten, die es möglich machen, die Reise oder auch einzelne Hotelbuchungen bis zwei Wochen vor dem Antritt kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr stornieren zu lassen. Auch Reiserücktrittsversicherungen, die bei sehr kurzfristigen Absagen greifen, decken mittlerweile coronabedingte Gründe ab, so Hecher.

Campingplatz

Für die Kasse, für die Gaststätte, für den Laden „wie wild“ aufgerüstet hat Toni Egold, einer der beiden Geschäftsführer, die Hard- und Software am Königsdorfer Campingplatz, „denn wir haben Buchungen wie nie“. Weil scheinbar ganz Deutschland in der Corona-Krise das Campen für sich entdeckt hat, „sind wir schon vergangenes Jahr überrannt worden, obwohl wir zwei Monate Lockdown hatten“, sagt der Königsdorfer, der insgesamt rund 400 Stellplätze anbietet. Warum, das erklärt er so: „Campen ist die Urlaubsform, bei der man am besten Abstand halten kann.“

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Schon vor der CoronaPandemie habe man auch dank des neuen, supermodernen Waschtrakts eine Steigerung der Buchungen von 23 Prozent verzeichnet, und heuer seien es bislang noch einmal mehr. „Sobald der Lockdown beendet ist, wird das für uns ein ganz heißer Sommer“, prophezeit Egold. Er glaubt, dass sein Betrieb ohne größeren Schaden aus der Krise kommen wird. „Uns geht es im Vergleich zu vielen Kollegen gut. Wir benötigen keine staatlichen Hilfen.“

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