Demo Impfpass Bad Tölz-Wolfratshausen
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So hätte der Impfpass ausgesehen, den Udo Klünsch für den Landkreis entwickelt hat. Doch daraus wird nichts.

Landrat lehnt Konzept von Udo Klünsch aus Wolfratshausen ab

Darum gibt es für den Landkreis keinen eigenen Impfpass

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Udo Klünsch hat einen Impfpass für den Landkreis entwickelt, ähnlich wie in Altötting. Doch der Landrat lehnt das Angebot. Er will eine flächendeckende Lösung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Landkreis Altötting hat es vorgemacht: Mit der zweiten Corona-Impfung erhalten Bürger dort einen digitalen Impfpass. Landrat Erwin Schneider (CSU) hatte sich persönlich dafür stark gemacht, den Altöttingern ein solches Dokument zur Verfügung stellen zu können, für den Tag, wenn Geimpfte wieder in den Genuss ihrer vollen Rechte kommen.

Andere Landkreise in der Republik erwägen, es den Altöttingern nachzumachen. Nicht so Bad Tölz-Wolfratshausen. Landrat Josef Niedermaier sagt: „Sinn macht nur eine flächendeckende Anwendung. Wir wollen keine Insellösung.“ Sprich: Ein deutscher Impfpass, wie ihn der amerikanische Konzern IBM nun offensichtlich im Auftrag des deutschen Gesundheitsministeriums entwickeln soll, zusammen mit dem Startup Ubirch aus Köln.

Das Angebot eines Impfpasses speziell für Landkreisbürger hat es gegeben. Udo Klünsch, Berater und Macher mit Unternehmenssitz in Gelting, war vor vier Wochen mit einer solchen Idee an das Landratsamt herangetreten. „Die Lösung, die ich mit meinen Geschäftspartnern entwickelt habe, wäre sehr einfach, schnell umsetzbar und vor allem fälschungssicher gewesen“, sagt er. Dafür hätte es für den Bürger nur einen QR-Code gebraucht – ähnlich wie in Altötting.

Klünsch und seine Kollegen haben sich bei der Entwicklung bewusst für eine physische Scheckkarte entschieden, auf die der QR-Code aufgedruckt werden sollte. „Smartphones benötigen einen gefüllten Akku und steigen gerne einmal aus“, sagt er. „Das ist nicht günstig, wenn man gerade kontrolliert wird oder Zugang begehrt.“ Außerdem hätte man mit einer Smartphone-Lösung viele Senioren ausgegrenzt, die ein solches Gerät nicht besitzen.

Udo Klünsch hat zusammen mit Geschäftspartnern das Konzept für den Impfpass entwickelt.

Auf der Karte befindet sich ausschließlich ein QR-Code. Dieser kann weltweit ausgelesen werden und führt mittels SmartDataHub-Lösung zur Datenbank der Behörde. Angezeigt werden nicht nur das Datum der Erst- und gegebenenfalls Zweitimpfung, sondern auch die Seriennummer des Personalausweises zum Identitätsabgleich. „Fälschungen sind deshalb nahezu ausgeschlossen“, versichert Klünsch. „Eine Steigerung könnte durch den Einsatz von Blockchain-Technologie erfolgen.“

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Der Wolfratshauser ist von seinem Produkt absolut überzeugt. Für geschätzt 200 000 Euro hätte er den Isar-Loisach-Impfpass in kurzer Zeit entwickeln können - ein Zehntel dessen, was Spahn jetzt ausgibt. Deshalb bedauert er die Absage aus dem Landratsamt – vor allem, da sie für ihn relativ spät erfolgt ist. „Wenn wir gleich hätten loslegen können, wer weiß...“, spekuliert er. Dass nun offenbar IBM, also ein ganz Großer, das Rennen um den bundesdeutschen Impfpass zu machen scheint, ernüchtert ihn. „Wenn wir in dieser Krise irgendetwas gelernt haben, dann, dass es schnelle und unkomplizierte Lösungen braucht.“ Ob die Entwicklung des digitalen Impfpasses bei einem Mega-Konzern gut aufgehoben ist, bezweifelt er.

Eine Hoffnung hat Klünsch immerhin: Niedermaier hat in seinem Brief vorgeschlagen, das Konzept dem bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek weiterzuleiten. Vielleicht kommt die Idee aus Gelting doch noch irgendwann, irgendwie zur Anwendung.

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