In der Bayerischen Bauordnung wurde das Abstandsflächenrecht geändert. Gemeinden wie Lenggries wollen eine zu dichte Bebauung aber durch eigene Satzungen verhindern.  dpa
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In der Bayerischen Bauordnung wurde das Abstandsflächenrecht geändert. Das hat Folgen.

Im Gespräch mit Kreisbaumeister Andreas Hainz

So wird die neue Bauordnung den Landkreis verändern

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Die neue Bauordnung wird das Wohnen zwischen Isar und Loisach verändern. Aber wie sehr? Kreisbaumeister Andreas Hainz gibt eine Prognose ab.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Im Januar musste es schnell gehen: Sämtliche Kommunen mussten sich entweder mit neuen Bayerischen Bauordnung, die zum 1. Februar in Kraft trat, einverstanden erklären – oder sich eine eigene, neue Satzung geben..

Herr Hainz, seit 1. Februar ist die neue Bayerische Bauordnung in Kraft. Warum war sie nötig?

Andreas Hainz: Die Novelle war laut Landesgesetzgeber nötig, zur Vereinfachung baurechtlicher Regelungen, zur Beschleunigung sowie zur Förderung des Wohnungsbaus. Dadurch soll das Bauen schneller, günstiger, flächensparender und nachhaltiger werden.

Wie wird die neue Bauordnung das Wohnen und Leben im Landkreis verändern?

Kreisbaumeister Andreas Hainz prophezeit den Städten eine weitere Verdichtung. In den Landgemeinden wird das nicht im selben Maße der Fall sein.

Hainz: Eine Veränderung wird sich im Landkreis kaum spürbar vollziehen, da in den meisten Kommunen durch abweichende Regelungen zu den Abstandsflächen gerade eben verhindert wird, dass die gewollte Verdichtung stattfindet. In den wenigen Kommunen, die keine abweichende Regelung getroffen haben, wird sich eine schleichende Entwicklung zu engeren Abständen vor allem im Bereich der größeren Gebäude mit mehr als sechs Metern Wandhöhe und über 16 Meter Gebäudelänge bemerkbar machen.

Die 21 Kommunen im Kreis hatten die Chance, sich Satzungen zu geben. Haben alle diese Möglichkeit genutzt? Ist das sinnvoll?

Hainz: Ein Großteil der Gemeinden hat diese Möglichkeit genutzt. Ob das sinnvoll ist, musste jede Gemeinde für sich als Satzungsgeberin entscheiden. Landkreisweit bedeutet das, dass in den Gemeinden unterschiedliche Abstandsflächentiefen eingehalten werden müssen, was natürlich mit einem deutlichen Mehraufwand für Planer und Genehmigungsbehörde verbunden ist.

Wohin geht die Tendenz bei den Entscheidungen? Mehr Verdichtung in den Städten, weniger Verdichtung auf den Dörfern?

Hainz: Die Tendenz im Landkreis geht klar zur Verdichtung in den Städten ohne Satzungen wie Wolfratshausen und Bad Tölz. In den anderen Kommunen wird sich auf Grund der durch Satzungen festgelegten Abstandsflächentiefen keine spürbare Verdichtung ergeben.

Es ist von einigen Gemeinderäten kritisiert worden, dass es keine Übergangsfrist gegeben hat. Teilen Sie die Kritik?

Hainz: Diese Kritik teilen wir. Für den Erlass einer solchen Satzung bedarf es einiges an Vorarbeit und Planung. Sowohl aus planerischer wie auch juristischer Sicht. Dies in der Kürze der Zeit zu bewerkstelligen, fordert den Gemeinden natürlich Einiges ab.

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