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Gebündelte Hilfe : Auf der neuen Plattform „Unser Tölz“, gegründet von zwei Tölzer Studenten, können sich Unternehmer mit ihren Angeboten eintragen. Auch Nachbarschaftshilfe soll vermittelt werden.

Corona und die lokale Wirtschaft

„Wollen keine leere Marktstraße“

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    Felicitas Bogner
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Studenten gründeten jetzt die  Plattform „Unser Tölz“, damit Unternehmen sich präsentieren können. Auch in Lenggries tut sich was.

Bad Tölz-Wolfratshausen– In schlechten Zeiten zusammenstehen: Wie das funktionieren kann, zeigen derzeit etliche Initiativen beispielsweise zur Nachbarschaftshilfe. Eine davon will nun den lokalen Unternehmen unter die Arme greifen. Auf der Plattform „Unser Tölz“ können sich alle melden, die in Corona-Zeiten trotz geschlossener Läden und Gaststätten Dienstleistungen anbieten: etwa Online-Bestellmöglichkeiten oder Lieferservices.

Ins Leben gerufen wurde das Ganze von zwei Tölzer Studenten, Joscha von Andrian und Tim Raible. „Wir haben mitbekommen, dass der Einzelhandel von der Krise schwer getroffen wird“, so Raible. In Anlehnung an andere Orte, in denen es ähnliches schon gibt, zogen die beiden Tölzer die Internet-Plattform auf. „Wir wollen nach der Krise keine leere Marktstraße haben“, sagt Raible. Mit ihrer Idee stießen sie beim Unternehmerverein „Wir für Tölz“ und bei der Stadt Bad Tölz auf offene Ohren.

Mehrere Stunden täglich an ehrenamtlicher Arbeit stecken von Andrian und Raible in das Projekt. Zusätzlich haben sie einen Instagram- und Facebook-Account angemeldet, der ebenfalls von ihnen gepflegt wird.

Und die Plattform wächst. „Das Angebot richtet sich an alle Unternehmen in Tölz“, sagt Tanja Brunnhuber vom Unternehmerverein, die ebenfalls ehrenamtlich bei „Unser Tölz“ mitarbeitet. Einige Unternehmen haben sich bereits eingetragen – das Ganze ist kostenfrei. Auf der Homepage www.unser-toelz.de gibt es die Möglichkeit, die Daten des eigenen Unternehmens einzugeben. „Wichtig ist es, möglichst gut und prägnant zu formulieren“, so Brunnhuber. Ein guter Titel sei von Vorteil, der gleich klar macht, was angeboten wird. „Man kann aber alles flexibel anpassen, wenn sich beispielsweise etwas als nicht rentabel erweist oder ein Service ausgebaut wird.“

Wie der Name schon sagt, liegt der Fokus von „Unser Tölz“ zunächst auf der Kurstadt mit näherer Umgebung. Es sei aber, so Brunnhuber, durchaus denkbar, sich noch weiter zu vernetzen.

So gibt es beispielsweise in Lenggries auf der Internetseite der Werbegemeinschaft (siehe Text unten) die Möglichkeit, abzurufen, welche Angebote die Unternehmer während der Corona-Krise für die Kunden vorhalten.

Eine weitere Initiative hat sich in Murnau gegründet und möchte die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und eben Bad Tölz-Wolfratshausen auf einer Plattform zusammenbringen. Entstehen soll ein großer Corona-Datenpool. Die Idee dazu hatte die Murnauer Grünen-Ortspolitikerin Veronika Jones, die das Projekt zusammen mit Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger und Achim Holzmann, einem Unternehmer aus dem Innovationsquartier, zum Laufen brachte. „Das kann man auch nach Corona weiterverwenden“, findet Jones. Es mache Sinn, die vielen Informationen zentral zusammenzutragen und allen zur Verfügung zu stellen. Das Ganze ist natürlich kostenlos.

Daneben bieten Facebook-Gruppen wie „Tölz hilft“ ebenfalls die Möglichkeit, dass Unternehmer ihre Angebote vorstellen.

Auch einen weiteren Service gibt es auf der Seite „Unser Tölz“, wie Tim Raible sagt: nämlich die Möglichkeit, Nachbarschaftshilfe zu vermitteln. Bislang hätten sich über 40 potenzielle Helfer eingetragen – aber noch keine Hilfesuchenden. Raible und seine Mitstreiter suchen nun nach Wegen, beide Seiten zusammenzubringen.

Die Plattformen sind zu finden unter www.unser-toelz.de, einkaufsziel-lenggries.de, www.gemeinsam-im-oberland.de und auf der Facebook-Seite „Tölz hilft“.

Auch in Lenggries sind sowohl der Bürgermeister Werner Weindl als auch viele Gewerbetreibenden und Händler in Sorge wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. Daher hat nun die Lenggrieser Werbegemeinschaft eine Liste erstellt, auf der sämtliche Geschäfte aufgeführt sind, die aktuell in abgeänderter Form für ihre Kunden da sind. Dazu gehören zum Beispiel Gastronomiebetriebe oder Einzelhändler, die Lieferdienste anbieten. Bürgermeister Weindl appelliert, den Einzelhandel und die Gastronomie so weit es geht zu unterstützen. „Wir müssen schauen, dass wir das Angebot am Ort erhalten.“ Die Gemeinde hängt die Liste der Gewerbetreibenden am Rathaus aus. 

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Parallel kann man diese auch im Internet auf www.einkaufen-lenggries.de finden. Die Liste werde immer aktualisiert und vervollständigt, sobald neue Geschäfte oder Angebote hinzukommen, erklärt Martina Müller, Inhaberin der „Blumen-Galerie“ und Vorsitzende der Werbegemeinschaft. „Wir versuchen so die Lieferangebote in Lenggries in die Köpfe der Menschen zu bekommen“, sagt sie. Jeder könne problemlos Mitglied der Werbegemeinschaft werden und somit auch auf die neu erstellte Liste mit seinem Angebot aufgenommen werden. „In solchen Krisenzeiten merkt man erst richtig, wie wichtig die Werbegemeinschaft ist.“ 

„Die meisten Geschäfte sind weiter erreichbar und sehr um Lösungen bemüht“, erklärt Martina Müller, Vorsitzende der Lenggrieser Werbegemeinschaft. Eine Liste mit den aktuellen Serviceangeboten der örtlichen Händler hängt am Rathaus aus und ist im Internet einsehbar.

Sie möchte die Bürger dazu ermutigen, den Kontakt zu den geschlossenen Geschäften zu suchen. „Die meisten sind weiter telefonisch zu erreichen und sehr bemüht, Lösungen zu finden.“ Müller selbst bietet jetzt beispielsweise mit ihrem Blumengeschäft einen Lieferservice an. „So oder so ähnlich handhaben es sehr viele der Lenggrieser Einzelhändler, auch wenn die Geschäfte von außen geschlossen sind“, erklärt sie.

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