Blickten auf die Sicherheitslage im Kreis: Polizeipräsident Robert Kopp (re.) und Landrat Josef Niedermaier.
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Blickten auf die Sicherheitslage im Kreis: Polizeipräsident Robert Kopp (re.) und Landrat Josef Niedermaier.

Sicherheitsgespräch

Zahl der Straftaten im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen steigt um 9,5 Prozent

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Die gute Nachricht vorne weg: Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lässt es sich nach wie vor sicher leben. Allerdings ist die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um 9,5 Prozent gestiegen. Nach oben ging aber auch die Aufklärungsquote.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nach einer coronabedingten einjährigen Pause fand am Mittwoch wieder ein internes Sicherheitsgespräch im Landratsamt statt. Einen Überblick über die Sicherheitslage im Landkreis gaben im Anschluss Polizeipräsident Robert Kopp und Landrat Josef Niedermaier.

Corona hat die Arbeit der Polizei verändert

Corona hat vieles verändert. Auch die Arbeit der Polizei. Manche Delikte seien im vergangenen Jahr praktisch nicht vorgekommen, sagte Kopp. „Wirtshausschlägereien gibt es nicht, wenn Lokale geschlossen sind, Ladendiebstähle auch nicht, wenn Geschäfte zu sind. Dennoch gab es jede Menge Arbeit.“ Allein bei 44 Versammlungen und Demos – 24 davon mit Bezug zu Corona – waren Beamte im vergangenen Jahr im Landkreis im Einsatz. Heuer gab es bis Anfang Mai bereits 55 Aktionen mit Bezug zu Corona. „Der Trend hält also an. Und das macht Arbeit“, sagte Kopp. Dazu kamen Herausforderungen wie der massive Ausflugsverkehr und die Kontrollen, ob Corona-Auflagen eingehalten werden.

Zahl der Straftaten steigt um 9,5 Prozent

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr im Landkreis 4580 Straftaten registriert. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 399 Taten beziehungsweise 9,5 Prozent mehr. Den deutlichsten Anstieg gab es im Bereich der Gewaltkriminalität. 170 Fälle (2019: 125) wurden hier registriert. Eine Erklärung dafür zu finden, sei schwierig. „Man könnte sagen, dass es daran liegt, dass die Taten von häuslicher Gewalt gestiegen sind. Aber so einfach ist es nicht erklärbar“, sagte Kopp. Neun von zehn Gewaltdelikten werden aufgeklärt.

Apropos: Die Aufklärungsquote insgesamt liegt bei 71,1 Prozent. Das ist ein Anstieg um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der bundesweite Schnitt liegt bei rund 57 Prozent. „Die Quote im Landkreis ist sehr hoch. Dafür möchte ich mich bei den Dienststellen bedanken“, sagte Kopp.

Rauschgiftdelikte steigen um fast 30 Prozent

Um fast 30 Prozent gestiegen sind die Rauschgiftdelikte. Diese werde allein durch Kontrollen aufgedeckt. „Es kommt ja keiner zu uns und zeigt jemanden an, weil der Stoff schlecht war“, sagte Kopp. Von 309 Straftaten in 2019 stieg die Zahl im letzten Jahr auf 401. „Illegale Drogen sind weitverbreitet in der Gesellschaft“, sagte Kopp. Die Diskussion über eine Legalisierung sieht er mehr als skeptisch. „Alle Diskussionen schaffen gerade bei Jugendlichen den Eindruck, dass der Konsum nicht so schlimm ist.“

Gestiegen ist auch die Zahl der Sexualdelikte (von 63 auf 79). „In diesem Bereich haben wir seit Jahren steigende Zahlen“, sagte Kopp. Das liegt einmal an einer Veränderung der Rechtslage. Einiges, was vormals als Beleidigung galt, ist nun eine Sexualstraftat. Bei 30 Fällen ging es um Kinderpornografie. Delikte, die oft umfangreiche, kontinentübergreifende Ermittlungen nach sich ziehen. „Hinter jedem Fall steht ein missbrauchtes Kind.“ Dessen Leid zu beenden, „das ist unser Antrieb“, sagte Kopp.

Gesunken ist die Zahl der Diebstähle und der Einbrüche

Ebenfalls gestiegen sind Delikte im Bereich Cybercrime. Dazu zähle alles – vom Kauf von Drogen im Darknet über Ebay-Betrug bis hin zu Hetze im Netz. 136 Straftaten wurden registriert, im Jahr davor waren es 70. „Und hier geht man davon aus, dass nur von jedem sechsten Betroffenen Anzeige erstattet wird“, so Kopp.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Deutlich gesunken ist die Anzahl von einfachen und schweren Diebstählen (-26,1/-21,6 Prozent), von Straßenkriminalität (-3,4 Prozent) und erneut die Zahl der Wohnungseinbrüche. 28 Fälle gab es im vergangenen Jahr, einer weniger als zuvor. Darunter sind 13 Versuche und 15 tatsächliche Einbrüche. „Das ist eine bemerkenswert niedrige Zahl“, sagte Kopp. „Einbrecher haben es in diesem Landkreis nicht einfach.“

Im Landkreis lässt es sich nach wie vor sicher leben

Insgesamt lautet Kopps Fazit: Trotz des Anstiegs an Straftaten „lässt es sich im Landkreis sicher leben“. Ein Anhaltspunkt dafür ist auch die sogenannte Häufigkeitszahl. Hier wird umgerechnet, wie viele Straftaten auf 100 000 Einwohner kommen. Im Landkreis liegt die Zahl bei 3580, im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bei 4206. Bayernweit kommen 4528 Straftaten auf 100 000 Einwohner.

Ein Extra-Lob gab es vom Polizeipräsidenten am Mittwoch für die Sicherheitswachten in Geretsried und Wolfratshausen. Diese seien noch ein Stück wichtiger als vor Corona geworden. Hier würden keine Polizeiaufgaben ausgelagert, betonte Kopp. In den Sicherheitswachten seien Menschen engagiert, die zuhören, die nicht wegsehen, sondern helfen, wenn es notwendig sei. „Wenn alle hinschauen würden und die 110 wählen würden, wenn es nötig ist, dann bräuchten wir keine Sicherheitswachten“, sagte Kopp. Bis dahin seien sie eine sinnvolle Ergänzung zur Polizei. Und mit Blick darauf würde sich der Polizeipräsident auch die Gründung einer Sicherheitswacht in Bad Tölz wünschen.

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