Immer mehr Menschen sind im Landkreis mit E-Bikes oder Pedelecs unterwegs. Auch die Zahl der Unfälle mit Pedelecs steigt kontinuierlich.
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Immer mehr Menschen sind im Landkreis mit E-Bikes oder Pedelecs unterwegs. Auch die Zahl der Unfälle mit Pedelecs steigt kontinuierlich.

Polizei stellt Statistik vor

Zahl der Verkehrstoten im südlichen Landkreis fast halbiert

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Corona und seine Begleiterscheinungen haben die Straßen im südlichen Landkreis erst leer gefegt, dann übervoll gemacht. Mit Spannung erwartet wurde daher die Unfallstatistik für das in jeder Hinsicht außergewöhnliche Jahr 2020.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Letztlich, so die Einschätzung von Lars Werber, Verkehrsexperte bei der Tölzer Polizei, bewegen sich die Zahlen jedoch im Rahmen der normalen Schwankungen. „Wir haben keine extremen Ausreißer zu verzeichnen“, fasst Werner zusammen. Natürlich sei jeder Unfall und jeder Verkehrstote einer zu viel. Insgesamt könne man aus polizeilicher Sicht aber mit der Statistik „zufrieden“ sein. Denn die Gesamtzahl der Unfälle im Zuständigkeitsbereich der Inspektion Bad Tölz (einschließlich Polizei Kochel) ist im Vergleich zum Vorjahr um 13,7 Prozent gesunken. Hatten sich 2019 auf den Straßen im südlichen Landkreis noch 1557 Unfälle ereignet, waren es 2020 noch 1344.

Das große Aber: Dabei wurden 231 Menschen leicht und 87 schwer verletzt – eine Zunahme um 12,1 beziehungsweise 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erfreulich ist der deutliche Rückgang der Verkehrstoten im Inspektionsbereich von 11 auf 6 – macht ein Minus von 45,5 Prozent.

Bei genauerer Betrachtung der sechs tödlichen Unfälle zeigen sich höchst unterschiedliche Umstände – sodass sich daraus kaum eine allgemeine Tendenz ablesen lässt, die Hinweise auf spezielle polizeiliche Präventionsmaßnahmen oder bauliche Eingriffe geben könnten. Vielmehr, so Lars Werner, spielten individuelle Ursachen oder einfach nur großes Pech eine Rolle.

Beim ersten tödlichen Unfall des Jahres war ein Motorradfahrer (64) am 17. Februar auf der Staatsstraße 2072 am Ortseingang der Jachenau wegen eines Fahrfehlers auf die Gegenfahrbahn geraten und mit einem Auto kollidiert. Der einzige tödliche Fahrradunfall ereignete sich am 25. April in Gaißach, wo ein 23-jähriger Mountainbiker auf einem Forstweg im Steinbachtal alkoholisiert und ohne Helm in ein Bachbett stürzte.

Ein 28-Jähriger kam am 21. Juni ums Leben, als er ohne Führerschein, unter Alkoholeinfluss und in einem nicht zugelassenen Fahrzeug im Gemeindebereich Gaißach von der B 13 abkam und in eine Baumgruppe fuhr.

Gegen einen Baum fuhr auch ein 94-Jähriger, der bei einem Unfall am 8. August bei Reichersbeuern starb. Er hatte laut Werner vermutlich am Steuer einen Herzinfarkt erlitten. Großes Unglück hatte am 21. Oktober ein 58-Jähriger auf der B 11 in Kochel: Bei Föhnsturm stürzte ein Baum auf sein Auto – zu früher Morgenstunde das einzige Fahrzeug weit und breit.

Am 10. Dezember schließlich geriet eine 81-Jährige aus ungeklärter Ursache auf der B 472 bei Reichersbeuern auf die linke Fahrbahn und starb bei der Kollision mit dem Gegenverkehr.

Durchaus einen Zusammenhang mit den Umständen des Corona-Jahrs sieht Werner bei der deutlichen Zunahme an Fahrradunfällen. Ihre Zahl stieg im Inspektionsbereich von 74 auf 110, also um 48,6 Prozent. Lockdown und Reisebeschränkungen führten dazu, dass viele Menschen Ausgleich im Radlfahren suchten – für Werner ist das aber nicht der einzige Grund für die vermehrten Unfälle. „Wir hatten schon in den ganzen vergangenen Jahren einen Anstieg.“ Gerade die Zahl der Unfälle mit Pedelecs steige kontinuierlich – parallel zum „Hochschnellen der Verkaufszahlen“.

Reine Vergnügungsfahrten mit dem Motorrad waren während es Lockdowns zeitweise untersagt. Trotzdem stieg die Zahl der Motorradunfälle am Kesselberg deutlich von 16 auf 22. Verletzt wurden laut Werner dabei 17 Menschen, im Vergleich zu 13 im Vorjahr. „Damit bewegen sich die Zahlen wieder im Bereich der vergangenen Jahre“, so der Polizist. 2019 sei eher ein Ausreißer nach unten gewesen.

Insgesamt kam man im Corona-Jahr auf den Landkreis-Straßen entweder besonders schnell voran oder nur im Schneckentempo – weil die Straßen entweder ungewöhnlich frei oder ungewöhnlich verstopft waren. Lars Werner bestätigt diese Phänomene aus eigener Anschauung als Autofahrer – doch in der Unfallstatistik schlagen sie sich nicht nieder. „Wir hatten kein überproportionales Problem mit Raserunfällen“, so der Verkehrsexperte. „Und Staus sind zwar nervig, aber kein besonderes Unfallrisiko.“

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