Um 2,5 Prozent

Zahl der Straftaten steigt

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Kriminalstatistik 2016: Es gab mehr Sexualdelikte, dafür weniger Wohnungseinbrüche. Gerade nach dem Raubmord in Höfen ist das eine wichtige Botschaft, sagt der Polizeipräsident.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Beim Baden machten drei junge Frauen vergangenen Sommer eine erschreckende Beobachtung. Am Sylvensteinsee setzte sich ein etwa 40 bis 50 Jahre alter Mann etwa drei Meter von ihnen entfernt auf sein Handtuch. Nach einiger Zeit entblößte er seine Geschlechtsteile und onanierte laut stöhnend.

Der Exhibitionist am Sylvensteinsee war kein Ausnahmefall im Jahr 2016. Der gestern veröffentlichten Kriminalstatistik für den Landkreis zufolge registrierte die Polizei 25 exhibitionistische Handlungen, wodurch die Zahl der Sexualstraftaten auf 51 stieg. Das waren 15,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch die Gesamtzahl der Straftaten nahm im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu, und zwar um 102 Delikte auf 4202 Straftaten. Dabei hat das Polizeipräsidium Oberbayern Süd die 16 illegalen Grenzübertritte im Landkreis herausgerechnet.

2,5 Prozent mehr Straftaten im Landkreis – im Vergleich zum Polizeipräsidium Oberbayern Süd insgesamt ist das wenig. Hier wurden 213 354 Straftaten und damit mehr als doppelt so viele wie 2015 (98 346) begangen. „Dieser Vergleich ist aber nicht sachgerecht“, sagte Polizeipräsident Robert Kopp gestern bei der im Präsidium in Rosenheim abgehaltenen Pressekonferenz. Man müsse auch die steigenden Einwohnerzahlen und die Migrationslage berücksichtigen.

Viele illegale Grenzübertritte

Letztere ist der Hauptgrund für den außergewöhnlich hohen Anstieg der Straftaten. In den meisten Fällen handelte es sich um Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz, also um illegale Grenzübertritte. Bereinigt man die Statistik um diesen Tatbestand, fällt das Plus mit 8,5 Prozent deutlich geringer aus. Trotzdem hat das Polizeipräsidium Oberbayern Süd 2016 insgesamt 52 546 Delikte (2015: 48 408) gezählt.

„Das ist wenig erfreulich“, räumte Kopp ein. Im langfristigen Vergleich könne sich die Sicherheitsbilanz dennoch sehen lassen. Zudem liege die Häufigkeitszahl – also die Zahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner – mit 4167 zwar klar über 2015 (3895), aber immer noch unter dem bayernweiten Durchschnitt (4785).

Auch mit der Häufigkeitszahl von 3363 liegt der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen unter dem Schnitt des Polizeipräsidiums. Unter den 242 Straftaten, die hier von Zuwanderern begangen wurden, verzeichnete die Polizei am häufigsten Rohheitsdelikte in Form von Körperverletzungen. Mit 80 Vergehen wurde der Großteil dieser 116 Fälle innerhalb der Asylbewerberunterkünfte begangen.

„Fahndungsdruck muss bleiben“

Der Raubmord in Höfen hat das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in der Region verändert. Tatsächlich ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr aber um 15 auf 30 zurückgegangen. Nach dem brutalen Doppelmord sei dies eine wichtige Botschaft, meinte Kopp. Er lobte die überregionale Zusammenarbeit im Präsidium, dank der der Raubmord aufgeklärt werden konnte. Um den noch flüchtigen Verdächtigen zu ermitteln, setze man auch auf die Unterstützung der polnischen Polizei. „Der Fahndungsdruck muss hoch bleiben“, sagte Kopp.

Mit der Zahl der Straftaten ist auch die Aufklärungsquote leicht gestiegen. Die Polizeidienststellen in Bad Tölz/Kochel, Geretsried, Wolfratshausen und Weilheim klärten 2016 63,7 Prozent ihrer Fälle auf. Im Jahr 2015 kamen die Beamten auf 62,7 Prozent.

Der Polizeipräsident lobte in diesem Zusammenhang das „Notrufverhalten“ der Bürger. Außerdem machte sich Kopp für eine „ergänzende kommunale Sicherheitswacht“ stark. Dies werde in einigen Städten und Gemeinden bereits erfolgreich praktiziert. „Eine hundertprozentige Sicherheit wird es zwar nie geben“, sagte der Polizeipräsident, „aber wir werden uns für ein Höchstmaß einsetzen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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