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Hier sollen Ein- und Zweifamilienhäuser entstehen: Das Luftbild zeigt die 2,4 Hektar der Zwickerwiese. 

Tölzer Stadtrat

Zankapfel Zufahrt zur Zwickerwiese

Der Stadtrat hat wie erwartet einen einstimmigen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan Hintersberg II gefasst. In etwa einem Jahr könnten damit 2,4 Hektar der Zwickerwiese baureif sein.

Bad Tölz – Vor zehn Jahren war es undenkbar, jetzt wird es Realität: Stadt und Besitzer arbeiten eng zusammen bei der Erschließung der Zwickerwiese. Für Hoferbe Martin Sappl wären die Umwandlung von 24 000 Quadratmetern Wiesen zu Bauland ein wichtiger Schritt. Es geht um die Entschuldung des nach jahrzehntelangem Streit mit der Stadt und den Banken überschuldeten Anwesens. „Wir wären froh, wenn alles so käme“, sagte er nach der Stadtratssitzung am Dienstag.

Für die Stadt würde der Deal die Erschließung neuer Wohnbauflächen bedeuten – ein laut Bauamt „vorrangiges städtebauliches Ziel“. Da die neue ZoBoN-Satzung greift, wird die Kommune zudem ein Drittel der Flächen zum vergünstigten Preis erwerben und nach eigenem Gutdünken etwa für Familien (Ein- und Zweifamilienhäuser) entwickeln. Der Kaufvertrag wurde vor wenigen Tagen geschlossen. „Gibt es da eine Ausstiegsklausel?“ fragte Franz Mayer (Grüne), falls etwa der Bebauungsplan scheitert. „Nein“, antwortete Bauamtsleiter Christian Fürstberger, „dieses Risiko müssen wir tragen. Zur Not haben wir eine landwirtschaftliche Fläche erworben.“ – „Aber deutlich über dem Grünlandpreis“, erwiderte Mayer.

Was die Stadt die rund 8000 Quadratmeter Grund gekostet haben, wurde in der Sitzung nicht genannt. Zahlreiche Heißstraßen-Anlieger hatten sich zur ersten Sitzung im neuen Rathaus-Saal eingefunden, um bei nicht immer guter Akustik die Diskussion zu verfolgen. Ihr Interesse galt vor allem der Zufahrt zum neuen Wohngebiet, das 25 bis 30 Wohneinheiten umfassen soll. Der Zuwachs der Bevölkerung, so beantwortete Fürstberger eine Frage René Mühlbergers (CSU), werde mit 2,1 Bewohnern pro Wohneinheit gerechnet. „Kann die Zufahrt nicht vom Friedhof her geplant werden?“, fragte Anton Mayer (CSU). So könne man sich eine Zukunftsentwicklung nach Norden offen halten. Weitere Flächen wolle der Zwickerbauer nicht entwickeln, antwortete Fürstberger. Die Erschließung über die Heißstraße sei die kürzeste und bedeute weniger Abgase und Umweltbelastung.

Diese Antwort sorgte für Proteste unter den Zuhörern. Eine Zufahrt vom Friedhof her sei technisch und kostenmäßig aufwendig. Man werde das Thema aber im Zuge des Bebauungsplanverfahrens noch einmal durch einen Verkehrsgutachter untersuchen lassen. Während der Bauphase sollen Lastwagen und Baumaschinen vom Zwickerhof her zum Baugebiet fahren.

Richard Hoch (Grüne) störte sich an den „Ein- und Zweifamilienhäusern“. Dafür sei der Flächenverbrauch mit bis zu 1000 Quadratmetern (qm) pro Wohneinheit viel zu hoch. „Da werden Äpfel mit Birnen verglichen“, konterte Fürstberger. Rechne man die Infrastruktur (Straßen, Grünflächen, Kinderspielplatz) heraus, sei man bei der von Hoch ins Spiel gebrachten Zahl 500 qm pro Wohneinheit. Die Stadt denke für ihre Fläche über diverse Modelle nach, die die Zwischenkosten durch private Bauträger ausschließen sollen. Wie das möglichst familienfreundlich geschehen kann, soll der jüngst gegründete Arbeitskreis Wohnen klären. Der Arbeitskreis will sich laut Mitglied Franz Mayer aber nicht nur über das städtische Drittel, sondern auch über die ganzen 2,4 Hektar Fläche Gedanken machen.

Haben die Anlieger noch die Möglichkeit, über die zweimalige öffentliche Auslegung hinaus ihre Proteste auch in einer öffentlichen Versammlung vorzubringen? Das wollte Margot Kirste (FWG) wissen. Sie vermisste „oft die Transparenz“ bei den Verfahren. Das Problem sei, so Fürstberger, dass zu oft über die Dinge gesprochen werde, wenn es noch gar nichts Handfestes und Belastbares gebe. Das seien meist nur Gerüchte. Apropos: Martin Sappl schließt auf Nachfrage aus, dass er Flächen für eine Erweiterung des Gewerbegebiets Farchet an die Stadt hergeben will. Christoph Schnitzer

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