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Junger Retter: Julian Bohn (10) zeigt die Stelle, an der sein Freund eingebrochen ist. Dem Schüler gelang es aber, den Gleichaltrigen ans Ufer zu ziehen.

Maxlweiher 

Zehnjähriger rettet eingebrochenen Buben

Das hätte böse ausgehen können: Ein Fünftklässler ist am Donnerstagmorgen im vereisten Maxlweiher eingebrochen. Nur das schnelle Eingreifen seines Freundes (10) verhinderte Schlimmeres.

Bad TölzDer Schulweg von Julian Bohn und seinem Freund Paul (Name geändert) führt am Tölzer Maxlweiher entlang. Am Donnerstagmorgen werfen die Buben aus Spaß dicke Eisbrocken auf die gefrorene Oberfläche. Als diese nicht nachgibt, wagen sie sich an den Rand, wo abgeschnittenes Schilf und das weiche Ufer von Schnee zugedeckt sind. Dort testen die Buben mit kräftigen Tritten das Eis. „Das hält schon“, sind die beiden überzeugt. „Aber dann ist er plötzlich eingebrochen“, erzählt Julian. Sein Freund versinkt sofort bis zum Bauch im eisigen Wasser. „Ich weiß nicht mehr, was ich da gespürt hab’“, sagt der verunglückte Schüler. Eines ist ihm allerdings schnell klar: Allein wird er es nicht schaffen, sich zu befreien. Doch Julian reagiert geistesgegenwärtig: Der Zehnjährige packt seinen gleichaltrigen Freund und schafft es schließlich, den Buben mitsamt Schulranzen ans rettende Ufer zu ziehen.

Doch wohin jetzt? Zur Schule oder nach Hause? Beide Wege sind für den völlig durchnässten Buben viel zu weit. Auch hier fällt Julian das Richtige ein: Er bringt Paul auf die andere Seite der Bundesstraße ins dortige Fastfoodrestaurant. BurgerKing-Filialleiter Aws Alminshidawi wird sofort auf die beiden Kinder aufmerksam. „Der eine stand richtig unter Schock, er war bis zum Bauch patschnass“, schildert er. Der Mann hilft Paul, seinen Vater zu verständigen. Der bringt kurz darauf warme und vor allem trockene Kleidung. Später bedankt er sich noch einmal beim ganzen Team fürs Kümmern.

Paul hat an diesem Morgen Glück gehabt – vor allem, weil er nicht alleine unterwegs war und sofort Hilfe bekam. Das denkt auch Manfred Haff, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins Bad Tölz. Der Maxlweiher gehört seit 2016 zu den Vereinsgewässern. „Am Ufer ist schlammiger Grund, dessen Tiefe schwer zu bestimmen ist“, sagt Haff. Schilder, die vor der Gefahr des noch brüchigen Eises warnen, müssten die Stadt oder das Landratsamt aufstellen. Aber dass diese Wagemutige wirklich aufhalten, bezweifelt Haff. Außerdem bestehe auf zugefrorenen Weihern und Seen immer ein Risiko (siehe Kasten). Dem Verein wären Warnschilder allerdings noch aus einem anderen Grund ganz recht: Durch Lärm auf dem Eis werde die Winterruhe der Fische gestört.

Birgit Botzenhart

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