Selfie mit der alten Torwartausrüstung von Toni Klett. Die Bürgermeister Ingo Mehner (re.) und Michael Lindmair hätten aber wohl lieber nicht tauschen wollen. 
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Selfie mit der alten Torwartausrüstung von Toni Klett. Die Bürgermeister Ingo Mehner (re.) und Michael Lindmair hätten aber wohl lieber nicht tauschen wollen. 

„Jetzt ist es wirklich ein Stadtmuseum“

Zehnjähriger Umbau des Tölzer Stadtmuseums beendet

Nach zehn langen Jahres ist der Umbau des Tölzer Stadtmuseums endlich beendet. Bei einer ersten Begehung gab es großes Lob für die Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker.

Bad Tölz – In einer Vitrine hängt neben der Ausrüstung nun auch der Prototyp einer Kunststoffmaske, mit der der Tölzer Eishockeytorwart Toni Klett in den 60er-Jahren sein Gesicht zu schützen versuchte. An Filmmonster „Hannibal Lecter“ fühlte sich da Rathaussprecherin Birte Otterbach unwillkürlich erinnert. Und ihr Chef, Ingo Mehner, wollte damit lieber keinen Schlagschuss abbekommen. Es waren harte Jungs damals. Für ein schnelles Selfie der Bürgermeister Mehner und Michael Lindmair war die Maske gleichwohl ideal.

Bad Tölz in 48 Themenkomplexen

So soll es wohl auch sein im neuen Stadtmuseum, das nach zehn Jahren Umbau und 1,4 Millionen Euro Investitionen nun offiziell eingeweiht wurde. Das sei eine wahre Herkulesaufgabe gewesen, lobt Dritter Bürgermeister und Kulturbeauftragter Christof Botzenhart allen voran Elisabeth Hinterstocker. Die 45-Jährige ist seit Ende 2012 Leiterin des Museums und hat die mehr als 10 000 Objekte des Bestandes erstmals seit Jahrzehnten gesichtet und inventarisiert. Dass sich darunter zum Beispiel eine kostbare 300 Jahre alte Portechaise aus Kurfürsten-Kreisen im Speicher befand (wir berichteten), lässt Botzenhart heute noch staunen. „Wir wussten ja gar nicht, was wir alles haben.“

Seine Handschrift prägt 26 Räume des Stadtmuseums: Architekt Erich Hackel. Mit den vielen Themen „beleuchten wir den lebenden Organismus einer Stadt“.

Einen „herausragenden Museumsbestand“ nämlich, wie es Architekt Erich Hackel formulierte. Sein Büro beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Museumsprojekten. Hackel weiß also, wovon er spricht. Er kennt viele Spezialmuseen, aber Tölz sei eben anders gewesen. Mit den vorhandenen Objekten war es tatsächlich möglich, ingesamt 48 eigenständige Themenkomplexe zu präsentieren. „Wir können den lebenden Organismus einer Stadt beleuchten“, sagt Hackel, der stolz darüber ist, dass das Tölzer Museum nun auch seine Handschrift trägt. Das Team Hinterstocker und Hackel sei schon ein Glücksfall gewesen, sagt Botzenhart, und lobt auch die vielen Helfer im Hintergrund und Umfeld. Es sei gelungen, die Objekte in einem stimmigen historischen Kontext zu präsentieren. Das Museum sei auf ein höheres Niveau gehievt worden.

Im Kyrein’schen Kontor (nahe dem Khannturm) lockte dieser Drache über dem Ladentisch Kunden an, erklärt Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker.

Ja, sagt Stadtoberhaupt Ingo Mehner, der Wandel vom Heimat- zum Stadtmuseum sei nun wirklich spürbar. „Dass wir so eine Qualität haben“, lobte der 43-Jährige, „hätten wir 2009 bei der Auftragsvergabe nicht gedacht.“ Das Ergebnis der Umgestaltung sei „beeindruckend schön“. Eigentlich sei das Museum „ein Muss für jeden Tölzer“. Wie kann man Museum vom vermeintlichen Mief der Jahrhunderte befreien? Die Stadtmuseums-Macher haben viele Rezepte befolgt. Dass überall Medienstationen zu finden sind, mit denen zeitgemäß Informationen abgerufen werden können, ist ja klar. Aber es hat schon was, sich in einen gemütlichen Kinosessel zu setzen und sich Texte von Thomas Mann, Gregor Dorfmeister, Hans Carossa oder Ludeig Thoma – von Profis gelesen – anzuhören. Dass das Tölzer Marionettentheater nichts Verstaubtes ist, sondern längst in digitale Zukunftswelten vorgedrungen ist, kann man auch im Stadtmuseum optisch und akustisch perfekten 3-D-Filmen nachvollziehen.

Museumsinhalte in Schulen und Bevölkerung tragen

Technik sei gut und schön. Der menschliche Faktor sei bei der Museumsarbeit auch wichtig und effizient, sagte Hackel. Viel wird also künftig auf Museumschefin Hinterstocker ankommen, die dafür aber ein Händchen hat, wie alle Beteiligten anklingen ließen. Hinterstocker selbst steht bereit, wünscht sich jetzt eigentlich nur noch einen Museumsshop. Ansonsten: Botzenhart betonte den gelungenen Dreiklang Museum, Stadtarchiv und Historischer Verein und bezeichnete das neue Museum als idealen Anlaufpunkt. Und so sollen Führungen, Veranstaltungen und Vortragsreihen nach den Vorstellungen Mehners künftig die Museumsinhalte in Schulen und Bevölkerung tragen.

Museums-Info

Das Museum ist von dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 2 Euro, für Senioren 1,50 und Kinder 1 Euro. Es besteht Maskenpflicht.

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