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Buchstaben aus Bitumen am Oberen Griesfeld: Die UÇK kämpfte als „Befreiungsarmee“ im Kosovo-Krieg Ende der Neunziger an der Seite der NATO gegen die jugoslawische Armee. Ihre Nachfolgeorganisation existiert noch heute.

Erinnerung an militante Gruppierung

Zeichen auf der Straße: Kosovo-Propaganda in Tölzer Siedlung

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Die Initialen der extremistischen kosovarischen Befreiungsarmee UÇK tauchen auf einer Tölzer Straße auf. Hat ein Asphaltarbeiter den Schriftzug als politische Botschaft hinterlassen?

Bad Tölz – Es muss nicht so sein – aber es sieht ganz so aus, als hätte ein Straßenarbeiter noch etwas Bitumen übrig gehabt. Mit dem schwarz-grauen Gemisch werden Schlaglöcher im Teer ausgebessert. Eigentlich. Am Oberen Griesfeld in Bad Tölz hat es jemand verwendet, um eine politische Botschaft zu verbreiten.

Mitten auf der Fahrbahn, zusammen über einen Meter breit, prangen die Buchstaben UÇK. Sie stehen für die militante Untergrundarmee, die in den Neunzigern für die Unabhängigkeit des Kosovo kämpfte. Die UÇK bekannte sich zu vielen Mordanschlägen, unter anderem gegen serbische Polizisten und Albaner, die sie als „Kollaborateure“ bezeichneten. Der bayerische Verfassungsschutz führt UÇK im Verzeichnis extremistischer Organisationen als „ausländerextremistische Bestrebung“.

Der Schriftzug am Oberen Griesfeld ist für den stellvertretenden Tölzer Polizeichef Andreas Rohrhofer ein Ausnahmefall: „In Großstädten sind solche Schmierereien Tagesgeschäft. Wir haben so etwas alle Heiligen Drei Könige.“ Egal, ob man Wände besprüht oder Straßen bemalt: „Zunächst geht es hier um Sachbeschädigung“, sagt Rohrhofer. Bei einem nationalsozialistischen Hakenkreuz zum Beispiel komme die Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole hinzu. Das Strafgesetzbuch sieht hierfür eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Für die Ermittlung im Tölzer Land ist laut Rohrhofer das Kommissariat 5 der Kriminalpolizei Weilheim zuständig.

Verfassungsschutz: Kein Beobachtungsauftrag für Nachfolgeorganisation 

Angesprochen auf die UÇK, verweist der bayerische Verfassungsschutz darauf, dass die Organisation 1999 nach Ende des Kosovo-Kriegs aufgelöst wurde. Als Nachfolgeorganisation und Sammelbecken ehemaliger Kämpfer wurde das Kosovo-Schutzkorps gegründet – „allerdings mit eher zivil-technischer und nicht militärischer Ausrichtung“, schreibt Sprecher Markus Schäfert. Das Schutzkorps mit der Abkürzung TMK existiere bis heute, unterliege aber nicht

dem Beobachtungsauftrag des Verfassungsschutzes. Folgt man den Aussagen von Vize-Polizeichef Rohrhofer, so bleibt es in Sachen Strafbarkeit bei der Sachbeschädigung. Sollte man sie ahnden: Bringe jemand Propaganda in der Öffentlichkeit an, geschehe das meist in Nacht-und-Nebel-Aktionen. „Meist kriegt man den Täter nicht raus.“

In diesem Fall deutet die Art des Schriftzugs, das Bitumen-Gemisch, auf den Verursacher hin. Der in Vertretung von Josef Janker amtierende Bürgermeister Christof Botzenhart positioniert sich klar: „So etwas hat auf unseren Straßen nichts zu suchen. Umso weniger, wenn es um militante Organisationen geht.“ Botzenhart möchte nun überprüfen lassen, ob der UÇK-Schriftzug im Rahmen von Straßenarbeiten zustande gekommen sei. Ein Bauhof-Mitarbeiter schaue sich die Stelle an. Und auf Nachfrage erfährt man von Botzenhart: Zuletzt sei ein Straßenbau-Auftrag im Bereich der oberen Siedlung an eine externe Firma vergeben worden.

Der Kosovo-Krieg, in dem die UÇK an der Seite der NATO gegen die jugoslawische Armee kämpfte, war in den Jahren 1998 und 1999. Doch im Rampenlicht steht die „Befreiungsarmee“ auch 2017 – zumindest einer ihrer ehemaligen Kommandanten: Ramush Haradinaj gewann zuletzt mit seiner politischen Allianz die Wahl im Kosovo. Hardinajs AAK hatte sich im Vorfeld mit zwei Parteien zusammengeschlossen, denen ebenfalls frühere UÇK-Kommandanten aus dem Bürgerkrieg vorstehen. Haradinajs Machtposition sehen viele äußerst kritisch. Dem Kosovo-Albaner werden Kriegsverbrechen und die Beteiligung an organisierter Kriminalität vorgeworfen.

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