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Die Christus-Skulptur "Heiland in der Rast" wurde Opfer eines Brandanschlags.

Zerstörungswut ein Stadt-Phänomen

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Die einen zerstechen Reifen, andere rupfen Blumen aus Pflanztrögen – und manche Zeitgenossen zünden sogar Bienenstöcke an. Immer wieder sorgen Fälle von Vandalismus für Ärger und erheblichen Sachschaden. Doch offenbar gibt es Mittel und Wege, der sinnlosen Zerstörungswut Grenzen zu setzen.

Wen die Zerstörungswut packt, so scheint es, dem sind weder der christliche Glaube noch der Respekt vor der Natur heilig. So sorgten in jüngster Zeit mehrere Vandalismus-Fälle in Bad Tölz für Aufsehen.

Gleich zweimal wurde die Christus-Skulptur „Heiland in der Rast“ in der Tölzer Stadtpfarrkirche beschädigt. Einmal war es mutmaßlich ein amtsbekannter 50-Jähriger, der die Statue am Fuß ankokelte. Bald darauf träufelte ein Unbekannter Wachs auf den Fuß der Figur aus dem 16. Jahrhundert – Schaden: 200 Euro. Für Empörung sorgte auch der Täter, der zwischen Farchet und „Walgerfranz“ drei Bienenstöcke in Flammen setzte. Tausende Insekten starben, der Schaden lag bei 600 Euro (wir berichteten).

Aus Sicht des Tölzer Polizeichefs Bernhard Gigl sind solche Fälle „alles andere als belanglos“. Ein massenhaft auftretendes Akut-Problem erkennt er im Vandalismus aber nicht. Vor allem hält er es weitgehend für lokal begrenzt. „Das Phänomen tritt in erster Linie in der Stadt auf“, sagt er. „In anderen Gemeinden als Bad Tölz gibt es höchstens Einzelfälle nach größeren Feten.“

Im Frühjahr und Sommer rechnet Gigl freilich mit einer Zunahme der Straftaten: Umgeworfene Blumenkübel oder heruntergerissene Autospiegel gingen wohl häufig auf das Konto von „leicht angeheiterten Heimkehrern“, die im Nachtleben unterwegs waren. „Hochgradig ärgerlich“ sei es für die Betroffenen, wenn ihre Reifen zerstochen werden. „Da ist zum einen die Kostenfrage, zum anderen die Überraschung. Denn genau wenn man den Platten bemerkt, muss man ja meist ganz dringend mit dem Auto irgendwohin.“ Die Prävention sei aus polizeilicher Sicht schwierig, denn wann und wo etwas passiert, „ist nicht vorhersehbar“, so der Polizeichef.

Ungute Erfahrungen mit Vandalismus hat in der Vergangenheit Lenggries gemacht. Ende 2014 etwa wurden am Rathaus Schmierereien entdeckt: ein Hakenkreuz und der Name des Bürgermeisters. Auch die Unterführung und die öffentlichen Toiletten waren häufig das Ziel von Sprayern. Mittlerweile aber ließ die Gemeinde beides ganz legal bemalen. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt Rathauschef Werner Weindl. „Man merkt, dass offenbar ein gewisser Respekt vor dieser Kunst da ist.“ Der Vandalismus sei zurückgegangen.

Und auch in Bad Tölz betrachtet Bauamtsleiter Christian Fürstberger das Problem relativ gelassen. „So ärgerlich jeder einzelne Fall ist, ich würde die Lage nicht als besorgniserregend bezeichnen.“ Daran änderte auch die jüngste, eher seltsame Tat nichts, die sich auf der Baustelle des Rathaus-Anbaus ereignete. Da zündete ein Unbekannter einen Aktenordner an. Mehr ärgert sich Fürstberger, wenn die Betriebshof-Mitarbeiter Wände von Schmierereien reinigen müssen. „Da kommt schnell ein Schaden von ein paar hundert Euro zusammen. Mit dem Geld könnte man auch was Vernünftiges anfangen.“

20 000 Euro für die Reparatur und Wartung von 1100 Straßenlaternen in Bad Tölz haben die Stadtwerke im Budget. Wegen mutwilliger Beschädigung aber müssen sie davon kaum etwas ausgeben. „Es gibt keinen nennenswerten Vandalismus“, sagt Geschäftsführer Walter Huber. Auffälliger seien da Schäden anderer Art. Bei den regelmäßigen Standfestigkeitskontrollen entdecken die Mitarbeiter laut Huber immer wieder Korrosionsstellen am Fuß der Laternen – weil dort Hunde gern mal ihr Bein heben.

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