ablets liegen in einer Grundschule vor einer Klasse. (zu dpa "Wie es in den Schulen und Kitas ab Montag weitergeht") Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland wie hier in Baden-Württemberg hinkt der Landkreis bei der Digitalisierung seiner Schulen hinterher, findet Klaus Koch.

Kreisausschuss

Zögerliche Digitalisierung an Schulen: „Kein Jammern auf hohem Niveau“

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Der Landkreis hinkt bei der Digitalisierung seiner Schulen aus Sicht von Grünen-Fraktionschef Klaus Koch hinterher - und sorgte damit für Zündstoff im Kreisausschuss.

  • Im Kreisausschuss ging es unter anderem um das Thema Digitalisierung an Schulen.
  • Grünen-Fraktionschef sieht dringenden Handlungsbedarf.
  • Laut Landrat scheitert die Digitalisierung nicht unbedingt am mangelnden Willen des Landkreises.

Bad Tölz - Um rund 1,1 Millionen Euro auf 21,5 Millionen Euro steigen in diesem Jahr die Personalkosten im Landratsamt. Mehr als die Hälfte ist auf Tarifanpassungen zurückzuführen, 472 000 Euro fließen in neue Stellen. Ursprünglich waren noch mehr geplant. „Wir hatten uns gefreut, dass unserem langjährigen Wunsch entsprochen wurde und im ersten Entwurf des Stellenplans drei IT-Systembetreuerstellen für Schulen vorgesehen waren“, sagte Grünen-Fraktionschef Klaus Koch im Kreisausschuss.

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Bis auf eine etwas breiter angelegte Stelle eines Systemadministrators seien leider alle gestrichen worden. Im Gegenzug sei versprochen worden, dass den Schulen mehr Mittel zur Verfügung gestellt würden, um die Betreuung der IT extern zu regeln. „Im Haushalt sind jetzt aber keine Mittel drin“, sagte Koch. Der Landkreis hinke bei der Digitalisierung nach wie vor hinterher, sagte der Grünen-Fraktionschef, der auch Leiter der Tölzer Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule ist. „Es ist dringend notwendig, dass sich hier etwas tut.“ Und das sei „kein Jammern auf hohem Niveau“, spielte Koch auf eine Aussage von Landrat Josef Niedermaier in der Dezembersitzung des Kreistags an.

Zu dieser Aussage stehe er, entgegnete Niedermaier. Die Digitalisierung scheitere nicht unbedingt am mangelnden Willen des Landkreises. „2018 wollten wir das größte Schulzentrum im Landkreis im Zuge der Umbauarbeiten komplett mit WLan ausstatten. Damals hat uns die Schulfamilie gesagt: Das wollen und brauchen wir nicht. Jetzt werden wir angegangen, ob wir zu blöd sind, weil wir das noch nicht hinbekommen haben. Jetzt rüsten wir hektisch mit erheblich höheren Kosten nach“, sagte Niedermaier. Ein weiteres Beispiel ist das Beschaffen von Lehrer-Laptops. Die wurden vom Freistaat angekündigt. Auf dessen Bitten haben sich die Kommunen bereit erklärt, die Beschaffung einmalig zu organisieren – obwohl das nicht deren Zuständigkeit sei. „Das vorgeschriebene Prozedere ist nicht erfreulich“, so Niedermaier. Für ein Laptop gibt es 750 Euro plus Einrichtungspauschale. Eine Abfrage ergab: Annähernd jede Schule präferiere ein anderes Gerät. „Und wenn man es öffentlich ausschreibt, können und dürfen wir nicht reinschreiben, welcher Typ welcher Firma es sein muss“, sagte Niedermaier. Zudem zeige sich, dass die 750 Euro nicht ausreichen, um jedem Lehrer ein Gerät zu kaufen. „Das wird Probleme geben.“ Apropos Probleme: Da viele Landkreise und Gemeinden in Bayern derzeit versuchen, Laptops zu kaufen, steige deren Preis. „Und sie haben eine Lieferzeit von einem halben Jahr“, sagte der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller aus leidvoller Erfahrung. „Wenn wir jedem Lehrer 750 Euro gegeben hätten für ein Laptop wäre es leichter gegangen“, ergänzte Niedermaier.

Zum Thema Digitalisierung gibt es auch noch einen Antrag der CSU beziehungsweise der Jungen Union. Sie regt die „Gründung einer landkreiseigenen GmbH“ an, deren Ziel es ist, „sich um den Prozess der Digitalisierung an allen Schulen im Landkreis von der Implementierung entsprechender IT-Systeme bis zu deren Wartung, Betreuung und Reparatur zu kümmern“. Ein gutes Beispiel gebe es dafür im Landkreis Traunstein.  

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