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Zu schade für die Tonne: Tölzer Tüftler bringen allerlei Geräte bei Repatreff wieder zum Laufen

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Von: Andreas Steppan

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Hier bekommen defekte Geräte eine zweite Chance: Die ehrenamtlichen Bastler (v. li.) Matthias Wilke, Reinhard Nordhausen und Herbert Klüg mit der Eigentümerin eines altbewährten Staubsaugers, Sigrid John.
Hier bekommen defekte Geräte eine zweite Chance: Die ehrenamtlichen Bastler (v. li.) Matthias Wilke, Reinhard Nordhausen und Herbert Klüg mit der Eigentümerin eines altbewährten Staubsaugers, Sigrid John. © Arndt Pröhl

Reparieren statt wegwerfen heißt es einmal im Monat im „WeltRaum“ in Bad Tölz. Ehrenamtliche Tüftler aus Leidenschaft haben dort schon so manches Gerät, das noch brauchbar ist, vor dem Gang zum Wertstoffhof bewahrt. Gelegentlich sind auch Kuriositäten dabei.

Bad Tölz – Der Staubsauger von Sigrid John ist nicht unbedingt das neueste Modell. Aber sie möchte ihn eigentlich ganz gerne weiterbenutzen, auch wenn seit ein paar Tagen der Stecker kaputt ist. „Er ist alt, aber der hat 1000 Watt, das haben heutzutage wenige“, sagt die Tölzerin. „Und wenn man einen neuen kauft, weiß man nicht, was man bekommt.“

Die Rentnerin aus Bad Tölz hat deswegen heute den Weg in die Räume des Treffpunkts „WeltRaum“ am Vichyplatz gesucht. Hier findet einmal im Monat der „Repatreff“ statt. Das bedeutet: Ehrenamtliche Hobbybastler bieten ihre Hilfe an, um defekte Geräte aller Art vor dem Wegwerfen zu bewahren und ihnen ein zweites Leben zu ermöglichen. Voraussetzung: Das reparaturbedürftige Teil kann unter dem Arm oder mit einer Hand getragen werden. Außer Staubsaugern gehören auch Wasserkocher, Kaffeemaschinen, Toaster oder Stereoanlagen zu den typischen Aufgaben, die die Tüftler in Angriff nehmen, erklärt Peter Schöbel. Er hat die Aufgabe übernommen, die „Kunden“ und ihre „Patienten“ am Eingang in Empfang zu nehmen.

„So wenig bürokratisch wie möglich“ solle es dabei zugehen, sagt er. Wer etwas reparieren lassen will, füllt lediglich einen Zettel mit Namen und Adresse und kurzer Beschreibung des Defekts aus, gibt das kaputte Teil ab und kann – beziehungsweise muss – es dann am selben Tag am späten Nachmittag abholen. „Lagerkapazitäten haben wir keine.“

Dank Repa-Treff Bad Tölz: Radio aus dem 1950er-Jahren spielt wieder

Normalerweise sind beim „Repatreff“ fünf bis sechs Tüftler im Einsatz. An diesem Nachmittag sind es ferienbedingt nur drei. Die Nachfrage ist aber auch etwas geringer. „Letztes Mal kamen 14 oder 15 Leute, die etwas vorbeigebracht haben, es waren in der Spitze aber auch schon 30“, berichtet Schöbel. Heute ist der Andrang nicht ganz so stark.

Als nächstes betritt Anton Singer den Raum und stellt ein kleines Gerät mit Buchstaben- und Zifferntasten auf den Tisch. „Das ist ein Beschriftungsgerät“, verkündet er. „Die haben mal viel Geld gekostet.“ Das war schätzungsweise Anfang der 1960er-Jahre. Singer hat die Maschine in seinem Bauplanungsbüro verwendet, und würde das bei kleineren Arbeiten auch jetzt im Ruhestand noch gern tun. Allein: „Es schreibt zwar noch, transportiert aber nicht weiter“, sagt er. Heute finde sich allerdings niemand mehr, der so etwas repariert. „Einen Versuch ist es wert“, sagt Singer.

Die ehrenamtlichen Helfer Norbert Klüg und Reinhard Nordhausen beugen sich derweil über den defekten Staubsauger – alles unter dem wachsamen Blick von Sigrid John, die gerne vor Ort zuschauen möchte, was mit ihrem Haushaltsgerät so angestellt wird. „Es macht Spaß, wenn man wieder etwas zum Funktionieren bringt, das ist auch für einen selbst eine Bestätigung“, erklärt Klüg seine Motivation, sich hier zu engagieren. Im Team gilt er als der Experte für Nähmaschinen. Etwa zehn Stück habe er schon wieder in Gang gebracht, sagt er. Er habe selbst immer gern genäht, erklärt er. Allerdings keine Kleidung, eher so etwas wie zum Beispiel Zelte. „Das ist für mich wie Basteln mit der Nähmaschine.“

Viele haben Freude an der Tüftelei

Auch Reinhard Nordhausen findet Vergnügen an der Tüftelei. Der 73-Jährige hat einst den Beruf des Elektrikers erlernt, studierte dann Elektrotechnik und arbeitete als Planungsingenieur. Bei seinem ehrenamtlichen Einsatz geht es ihm aber auch um Nachhaltigkeit. „Es ist schade, wenn Teile, die einmal viel Geld gekostet haben, entsorgt werden“, sagt er. „Das muss nicht sein.“

Und er freut sich über die Freude seiner Kunden. Eine Dame sei einmal mit einem Kofferradio aus den 1950er-Jahren vorstellig geworden, erinnert er sich. „Nachdem ich es einmal geöffnet, den Staub entfernt und Kontaktspray aufgesprüht hatte, ging das Gerät wieder.“ Die Dame, die damit immer in der Küche dem einzig funktionierenden Radiosender lauschte, „war total glücklich“, sagt Nordhausen. „Man merkte, sie hing an diesem Gerät.“

Alltägliches mit geheimen Innenleben

Die Erfolgsquote des Repatreff-Teams liege bei etwa 85 Prozent, sagt Schöbel. Doch nicht immer könne man helfen. Als „schönes Beispiel“ nennt er den Tag, als zwei Frauen mit je einem kaputten Föhn da waren. „Es ist immer der typische Fehler: Man wickelt das Kabel um den Föhn, und irgendwann bricht das Kabel dadurch.“ Während ein alter Föhn sich einfach aufschrauben ließ, was die Reparatur leicht machte, war ein moderner Billigföhn nicht mehr zu richten. „Den hätte man aufbrechen müssen, dann wäre aber das Gehäuse kaputt gewesen“, sagt Schöbel. So sei es heute bei vielen Geräten: Die seien verschweißt und geklebt und damit schon so hergestellt, dass sie sich nicht reparieren lassen.

Das ist beim guten alten Staubsauger von Sigrid John anders. Die Ehrenamtlichen haben ihn wieder zum Laufen gebracht. Bei der Beschriftungsmaschine von Anton Singer haben sie festgestellt, dass der Antriebsriemen gerissen ist. Wenn Anton Singer für acht Euro einen neuen besorgt, können die Bastler ihn dann beim nächsten Treffen einbauen.

Nebenbei haben sie übrigens auch noch den Wasserkocher der Redaktion unserer Zeitung in Ordnung gebracht. Da ließ sich vorher der Deckel nicht mehr schließen. Die Analyse ergab, dass ein Stift, der den Deckel am Rand des Behälters festhielt, nicht mehr weit genug herausragte. Auch das kann man beim Repatreff lernen: wie alltägliche Gebrauchsgegenstände, über die man sich keine großen Gedanken macht, eigentlich funktionieren. In diesem Fall genügte es, das Deckelgehäuse einmal zu öffnen und ein wenig daran herumzufummeln – und irgendetwas, das vorher klemmte, war gelöst. Der Bitte, sich mit einer kleinen Spende in eine Dose fürs BRK zu bedanken, kommen an diesem Tag alle Eigentümer von wieder zum Leben erweckter Geräte gerne nach.

Der Repatreff

findet immer am letzten Freitag im Monat um 15 Uhr im „WeltRaum“ am Vichyplatz statt. Radio aus den 1950er-Jahren spielt wieder Alltägliches mit geheimem Innenleben

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