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Frugales Mahl oder voller Teller? Die Fastenzeit polariesiert. Einige halten sich zurück – andere nicht

40 Tage vor Ostern

Zum Aschermittwoch: Fasten ist nicht gleich Fasten

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Aber: Fasten ist nicht gleich Fasten. Vertreter aus Kirche, Kultur, Sport, Handel und Politik nehmen sich bis Ende März Unterschiedliches vor – oder auch nicht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Manchmal überwiegt die Gastfreundschaft das Fastengebot. Auf Fleisch, Alkohol und Süßigkeiten zu verzichten, ist für Matthias Binder, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Kochel, eine Selbstverständlichkeit. „Aber manchmal muss ich Kompromisse machen“, sagt er. „In bestimmten Situationen kann ich nicht nein sagen.“ Binder spielt auf das Thema Sekt an. Regelmäßig sei er als Pfarrer zum Beispiel bei 90. Geburtstagen eingeladen. Sind es viele Gäste, falle es nicht unbedingt auf, wenn er auf ein Glas verzichte. „Aber wenn ich merke, mir will jemand etwas Gutes tun und gibt sich Mühe, dann stoße ich mit an“, erklärt Binder seinen persönlichen Entscheidungskriterien.

Der evangelische Pfarrer sagt, ihm falle die Ernährungsumstellung nach vielen Jahren des Fastens immer leichter. Aber mit dem Verzicht auf bestimmte Köstlichkeiten ist es laut Binder nicht getan. Er verweist auf eine große Frage, die in der Fastenzeit in den Vordergrund rücke: „Woran hängt mein Herz?“

Ursula Weber Märchenerzählerin aus Bad Tölz

Darüber hat sich Ursula Weber, professionelle Geschichten- und Märchenerzählerin aus Bad Tölz, Gedanken gemacht – vielleicht zu viele, wie sie sagt. „Ich habe mir vorgenommen, weniger über Sorgen und Probleme zu grübeln. Ich faste also im übertragenen Sinne.“ Weber möchte mehr in der Gegenwart leben, statt über Vergangenes nachzudenken: „Oft beleuchtet man eine Entscheidung von allen Seiten – und trifft dann keine.“ Bei ihrem Vorhaben, sich mehr von der Intuition leiten zu lassen, kommen Weber ihre Märchen-Helden in den Sinn: „Die handeln, statt sich ewig im Kreis zu drehen.“ Die Tölzerin lebt ohnehin sehr bewusst und ernährt sich ausgewogen. „Ich wüsste nicht, was ich da in der Fastenzeit verändern soll.“

Gabi Fastner Gymnastiklehrerin aus Bad Tölz

Gabi Fastner schon. Als selbstständige Gymnastiklehrerin ist die 45-Jährige Tölzerin viel unterwegs. „Ich möchte mir öfter selbst etwas kochen und mitnehmen, statt zwischendurch auf die Schnelle ein Sandwich zu essen“, sagt sie. Fastner weiß, dass sie der anstrengendere Weg manchmal Überwindung kostet: „Aber diese Aufgabe stelle ich mir.“ Sie rät sie allen, sich viel zu bewegen – „gerade jetzt, wo das Frühjahr kommt und die Tage wieder länger werden“.

„Ich faste nicht im Sinne von Verzicht auf Essen oder Trinken“, sagt Gerhard Meinl, Dritter Bürgermeister von Geretsried. Für den Katholiken beginnt mit dem Aschermittwoch die „spirituelle Vorbereitung auf Ostern in Form von Gebeten“. Das hält der 60-Jährige Zeit seines Lebens so. Für ihn gehöre das mehr zur Fastenzeit, als radikal 40 Tage lang keinen Alkohol zu trinken.

Guido Herberth,Der Fußballtrainer macht ein bis vier Wochen Heilfasten.

Für Guido Herberth ist die Fastenzeit seit knapp 20 Jahren ein Anlass, kürzer zu treten, dies aber nicht aus religiösen Gründen. Der Coach der Fußball-Freunde Geretsried macht „jedes Jahr Heilfasten“. Mindestens eine, manchmal bis zu vier Wochen – „je nachdem, wie ich drauf bin“ – nimmt Herberth nur Flüssiges – klare Brühe, Wasser und Tees – zu sich. „Nach ein paar Tagen merkst du richtig, wie der Körper entgiftet. Du startest fitter in den Tag, fühlst dich gut.“ Herberth beginnt und beendet diese Phase der Entschlackung aber mit Bedacht: „Vor her reduziere ich langsam und danach haue ich mir auch nicht gleich ’ne Pizza rein.“ Der Körper müsse sich erst langsam wieder an die feste Nahrung gewöhnen.

Georg Bernhofer, Chef der gleichnamigen Chocoladenmanufaktur und Genusswerkstatt am Wolfratshauser Obermarkt, wird quasi rund um die Uhr mit süßen Verlockungen konfrontiert. Über die Maßen lässt er sich aber nicht verführen. Sein Durchschnittskonsum: „Eine Praline pro Tag.“ Dazu kommen ein paar klitzekleine Kostproben seiner handgemachten Produkte, „denn den Geschmack meiner Pralinen muss ich natürlich testen“.

Georg Bernhofer Der Chocolatier widersteht der süßen Versuchung.

In der Fastenzeit wird sich an Bernhofers Schokoladenkonsum nichts ändern – auch in puncto Tabak und Alkohol wird er in den nächsten 40 Tagen nicht kürzer treten, denn: „Alkohol trinke ich generell nur sehr, sehr wenig, und Rauchen tue ich gar nicht.“gma/cce/sw/peb

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