Eine Frau sitzt auf einem Bett in einem Frauenhaus.
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Das Frauenhaus in Wolfratshausen erhält regelmäßig Spenden aus der Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“. Bei dem Foto handelt es sich um ein Symbolbild.

Hilfe aus der Region für die Region

Zum Auftakt der Weihnachts-Aktion „Leser helfen helfen“: Drei Beispiele, wofür die Spenden verwendet werden

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Seit über 25 Jahren sammeln der Tölzer Kurier und der Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur zu Weihnachten Spenden für Menschen aus der Region, die unverschuldet in Not geraten sind. Zum Auftakt der diesjährigen Aktion „Leser helfen helfen“ erzählen Betroffene, wie sehr ihnen das Geld geholfen hat.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Gegen ihre psychischen Probleme half die Spende nicht. Aber gegen die Geldsorgen. „Zumindest finanziell läuft es wieder rund“, sagt Annemarie F. (Name geändert). Sie gehört zu den vielen Menschen aus dem Landkreis, die in den vergangenen 25 Jahren mit einer Spende aus der Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“ von Tölzer Kurier und Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur bedacht worden sind. Zum Auftakt der diesjährigen Aktion wagt sich die scheue Mittvierzigerin erneut an die Öffentlichkeit, um zu zeigen: Die Spenden kommen an – und bewirken viel Gutes.

Annemarie F. bezahlte mit dem Geld unter anderem Mietschulden. „Ich konnte viele Altlasten abbauen“, sagt sie. Psychisch sei das eine große Entlastung gewesen. „Das hat mir wirklich weitergeholfen.“ Endlich konnte sie sich eine warme Winterjacke kaufen. Und sogar einen kleinen Puffer aufbauen. Das Geld fehlt normalerweise an allen Ecken und Enden. Als Opfer eines verurteilten Gewalttäters lebt Annemarie F. von sogenannten Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz. Arbeiten kann sie aufgrund einer komplexen, posttraumatischen Belastungsstörung nicht mehr in ihrem ursprünglich erlernten Beruf als Zahnarzthelferin. Die Spende vor zwei Jahren linderte die größte Not. „Ich bin sehr dankbar dafür“, sagt Annemarie F.

Immer wieder fließen auch Spenden aus der Weihnachtsaktion ans Frauenhaus. Der Bedarf steigt stetig. „Heuer mussten wir deutlich mehr Frauen abweisen als in den Jahren zuvor“, sagt Nicoline Pfeiffer, Geschäftsführerin des Vereins „Frauen helfen Frauen“. Jene, die einen Platz ergattern, brauchen Pfeiffer zufolge dringend ein Stück Normalität. Vor allem deren Kinder. „Dafür braucht man immer wieder viel Geld“, sagt Pfeiffer. 15 000 Euro überwies die Heimatzeitung deshalb heuer an den Verein. „Davon machen wir unter anderen Ausflüge mit den Kindern.“ Geburtstagskinder dürfen sich ein Geschenk aussuchen. „Darüber freuen sie sich immer sehr.“ Manchmal werden die Spendengelder aber auch für die Anmietung einer Ferienwohnung gebraucht. Dort bringen Pfeiffer und ihr Team Frauen und ihre Kinder unter, die in Lebensgefahr sind, weil ihr Ex-Partner sie töten will. „Die Aktion .Leser helfen helfen‘ ist wirklich super für uns, die Frauen und deren Kinder“, sagt Pfeiffer. „Wir sind sehr dankbar für die langjährige Unterstützung.“

Dankbar für schnelle, unbürokratische Hilfe

Tiefe Dankbarkeit empfindet auch Josef G. Unter diesem geänderten Namen berichtete die Heimatzeitung bei der Weihnachtsaktion 2017/2018 über den alleinerziehenden Vater aus dem Südlandkreis. Er leidet an einer schweren Form von Diabetes sowie an der Nervenkrankheit Polyneuropathie. Das ist einer der Gründe, warum er arbeitslos ist. Vor zwei Jahren drohte ihm die Obdachlosigkeit. Die Spende aus der Weihnachtsaktion verhinderte, dass er und die drei Kinder aus der Wohnung flogen. „Ich bin sehr froh, wie unbürokratisch und schnell alles ging.“

Von dem Geld selbst hat Josef G. nichts gesehen. Es ging direkt an Ilka Öhrlein. Die Sozialpädagogin von der Diakonie Oberland überwies es an den Vermieter. Öhrlein hatte Josef G. für die Weihnachtsaktion vorgeschlagen – wie viele andere vor ihm auch. Die Caritas oder auch das Team von Camino in Bad Tölz vermitteln ebenfalls jedes Jahr Fälle aus ihren Beratungen, die dann in unregelmäßiger Reihenfolge und meist anonymisiert im Tölzer Kurier und dem Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur vorgestellt werden.

Im vergangenen Jahr kamen im Rahmen der Spendenaktion rund 173 000 Euro zusammen. Ein kleiner Teil davon ging auch an Josef G. „Das war Rettung in allerletzter Minute“, sagt der Mann aus dem Südlandkreis. „Ich möchte mich an dieser Stelle bei jedem einzelnen Leser dafür bedanken.“

Zum Auftakt der diesjährigen Aktion hofft Ilka Öhrlein von der Diakonie Oberland auf ein ähnlich gutes Ergebnis wie zuletzt. Das Geld werde in der Region dringend gebraucht: „Die Coronazeit hat die Notlage tatsächlich nochmal verschärft.“

Das sind beiden Konten, auf die Spenden überwiesen werden können.

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