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Stabübergabe am Schulamt: Marianne Konrad (Mi.) ist in Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin ist Petra Burkhardt, ihr steht Christian Breu als Stellvertreter zur Seite. 

Stabübergabe auf der Flinthöhe

Zum Ruhestand: Schulrätin Marianne Konrad zieht Bilanz

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Die Neuausrichtung der Mittelschulen, die Integration geflüchteter Kinder, die Inklusion von Mädchen und Buben mit Behinderung: Schulamtsleiterin Marianne Konrad hat ihre Behörde durch bewegte Jahre geführt. Jetzt, da sie sich in den Ruhestand verabschiedet, hinterlässt sie eine vitale Schullandschaft.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Ihr Berufsleben ist vor einigen Tagen zu Ende gegangen. Marianne Konrad will aber weiter hoch hinaus: „Irgendwann auf den Kilimandscharo“ möchte sie, bergsteigerische Herausforderungen in Nepal oder Tibet in Angriff nehmen, aber auch Gipfel im Isarwinkel besteigen. „Das habe ich mir schon lange vorgenommen, es aber in den letzten Jahren nie geschafft.“

Ende April ist die fachliche Leiterin des Tölzer Schulamts in Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin Petra Burkhardt verspricht Kontinuität: „Unsere Arbeitsweise, unsere Grundhaltung und unser Menschenbild sind ähnlich.“

Burkhardt zur Seite steht ebenfalls ein Neuer: Christian Breu hat die Stelle als „weiterer Schulrat und Stellvertreter der fachlichen Leitung“ angetreten und tritt damit in die Fußstapfen von Jürgen Heiß. Der wiederum wechselte bereits vor fünf Monaten als Chef ans Schulamt Miesbach.

Es sei eine „gut aufgestellte Schullandschaft“, die sie übergebe, ist Marianne Konrad (65) überzeugt: Für sieben „Vollschulen“ mit Grund- und Mittelschule, zwei reine Mittelschulen, 14 Grundschulen sowie vier Privatschulen ist das Schulamt zuständig. Etwa 30 Prozent der Kinder wechseln nach der vierten Klasse auf die Mittelschule. „Wir haben hier eine Struktur, in der das Handwerk und die Gastronomie den Mittelschülern eine gute Berufsgrundlage bieten.“

Die großen Veränderungen im Mittelschulbereich und die Einführung von Schulverbünden waren ein bestimmendes Thema von Marianne Konrads Zeit am Schulamt. 2008 war sie – bis dahin Rektorin in Bad Wiessee – als Vize-Chefin hierher gewechselt und trat im Dezember 2012 als Leiterin die Nachfolge von Norbert Weinhuber an. Besonders am Herzen lag ihr dabei die Kooperation mit der Tölzer Berufsschule – sowie das Thema Vernetzung überhaupt: „Mit allen ins Gespräch kommen“, lautete ihre Devise – mit Bürgermeistern und dem Jugendamt etwa und natürlich mit den Schulleitern. „Wir haben uns immer als Dienstleitungsstelle für die Schulen gesehen.“

Eine weitere Herausforderung, die Marianne Konrad zu bewältigen hatte, war die Ankunft einer großen Zahl von Geflüchteten im Landkreis. „Wir hatten schon vorher das Gefühl, dass da noch einiges auf uns zukommt“, sagt sie. Bei der jährlichen Tagung der Schulleiter habe man deswegen schon 2014 einen Schwerpunkt auf die Bedürfnisse von Kindern mit Migrationshintergrund gelegt. „Wir waren also prinzipiell auf die Ereignisse eingestellt“, sagt Marianne Konrad. „Jede Schule hatte ein Leitbild und war bereit, den Kindern zu sagen: Willkommen. Egal, welche Ressourcen wir haben, wir versuchen, euch aufzunehmen.“ Möglichst wenig separieren, schnell im deutschen Regelschulalltag mitlaufen lassen, das sei dabei das Ziel. Für die Kinder, die noch nicht genug Deutsch können, um dem normalen Unterricht zu folgen, gab es bis zu fünf „Integrationsklassen“, heute sind es noch zwei. Für die künftige Integrationsarbeit hat Ministerpräsident Markus Söder „Deutschklassen“ angekündigt. Die Umsetzung wird eine Aufgabe für Konrads Nachfolgerin.

Einen „Paradigmenwechsel“ gab es während Konrads Amtszeit zudem beim Thema Inklusion. Sei das Schulsystem früher „eher aufs Aussortieren ausgerichtet“ gewesen, gilt es nun, jedem Kind, egal, welches Handicap es hat, Teilhabe zu ermöglichen. Ein „Idealzustand, den man sich wünschen könnte“, sei, dass „die heterogene Schülerschaft“ in jeder Klasse von einem Lehrer und einem Assistenten betreut werde. Das gebe es bis jetzt in zwei Modellprojekten in Geretsried. „Ich hoffe sehr, dass das in Zukunft einmal flächendeckend der Fall sein wird“, sagt Marianne Konrad. Sie wird die Entwicklung weiter interessiert verfolgen.

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