Titelbild des Buches „Das Urteil“, das mit Christine Kaufmann in der Hauptrolle verfilmt wurde.

Zum Tod von Christine Kaufmann

Ein großer Film mit Tölzer Wurzeln

Mit dem Film „Stadt ohne Mitleid“ hat die verstorbene Christine Kaufmann den Grundstein für ihre internationale Karriere gelegt. Der Film basiert auf dem Buch „Das Urteil“ von Manfred Gregor, hierzulande besser bekannt als Gregor Dorfmeister, langjähriger Chef des Tölzer Kurier.

Bad Tölz – 1958 landete der damals 30-jährige Tölzer seinen ersten Welterfolg mit dem Buch „Die Brücke“. Der stark autobiografische Antikriegsroman wurde mit großem Erfolg von Bernhard Wicki verfilmt.

Zwei Jahre nach dem Sensationserfolg gelang dem Journalisten und Schriftsteller der nächste Bestseller. „Das Urteil“ hieß der 312-Seiten-Roman, der wiederum im Kurt-Desch-Verlag erschien. Wie der heute 88-Jährige erzählt, hatte ihn ein Bericht im Münchner Merkur über die Vergewaltigung eines jungen Mädchens dazu inspiriert, erneut zur Feder zu greifen. Das Buch sei ihm leicht von der Hand gegangen. „Ich habe mich einfach gut in das Mädchen hineinversetzen können.“ Wie bei der „Brücke“ geht es erneut um die Frage der Verantwortung des Einzelnen und die Mitschuld aller.

Die Handlung des Buchs, das 1961 mit der damals 16-jährigen Christine Kaufmann in der Hauptrolle verfilmt wurde: Vier US-Soldaten vergewaltigen eine Schülerin. In der darauffolgenden Verhandlung vor dem Militärgericht versucht der Verteidiger der Soldaten, die drohende Todesstrafe abzuwehren.

Den Verteidiger besetzten die Filmproduzenten aus der Schweiz und den USA mit keinem Geringeren als dem damals schon weltberühmten Kirk Douglas. Er habe die Rolle des gnadenlosen Juristen großartig verkörpert, sagt Gregor Dorfmeister heute. Im Buch/Film setzt er dem Vergewaltigungsopfer im Verhör so zu, dass es private Details bekannt gibt, über die sich die Bevölkerung der Kleinstadt, wo sie lebt, hämisch und schadenfroh reagiert. Das, so Dorfmeister, „zum zweiten Mal vergewaltigte Mädchen“ nimmt sich daraufhin das Leben.

Der Buchautor hat Kirk Douglas übrigens bei der Filmpremiere persönlich kennengelernt. Der Star sei ganz unkompliziert gewesen, „ein Pfundskerl“, wie der 88-jährige sagt. Auch mit Christine Kaufmann kam Dorfmeister ins Gespräch. Die 16-Jährige erhielt für ihre eindrucksvolle Darbietung als einzige Deutsche aller Zeiten den Nachwuchs-Golden-Globe. Übrigens zusammen mit Jane Fonda.

In einem Nachruf auf die jüngst verstorbene Schauspielerin wird in der „Welt“ explizit auf diesen großen Film Kaufmanns hingewiesen. Sie habe ein vergewaltigtes Mädchen gespielt, das durchaus bezeichnend für ihr späteres Leben, an der Borniertheit einer Stadt zerbrochen sei.

Christoph Schnitzer

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