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Real-Verbund

Zurück ins Leben

Im ehemaligen Krankenhaus hilft eine therapeutische Wohngruppe Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen.

Bad Tölz – Viele junge Erwachsene wohnen in Wohngemeinschaften. Da wird zusammen gekocht, mal Karten gespielt und mitunter über das Aufräumen diskutiert. So ist das auch im ehemaligen Krankenhaus. Doch die acht, beziehungsweise neun Jugendlichen im Alter zwischen 15 bis 21 Jahren, die in der Therapeutischen Jugendwohngruppe und in der RPK-Gruppe zusammenleben, machen das nicht nur um des Zusammenlebens willen. Es ist nötig für sie, um zurück ins Leben zu finden.

In den beiden Gruppen werden die jungen Männer und Frauen rund um die Uhr betreut. Sie alle haben eine psychische Erkrankung, also Psychosen, Depressionen, Angsterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen. „Sie sind zu gesund fürs Krankenhaus, aber zu krank für die niedergelassenen Hilfen“, erklärt Dr. Stefan Mathias, leitender Oberarzt der Reha-Klinik im Verbund von ReAL Isarwinkel. Er stellte die Einrichtung vor Kurzem mit Annette Helfferich-Thomas, pädagogische Leitung, und Guido Kill von der Leitung des Fachbereichs Reha vor.

Hilfe für Jugendliche gibt es in dem Reha-Zentrum schon lange. Vor einem Jahr wurden aber die beiden eigenständigen Wohngruppen für sie etabliert. Das Angebot ist zwar nicht einzigartig in Deutschland, aber doch so selten, dass die Klienten mitunter aus Bremerhaven kommen. „Durch die eigenständigen Gruppen können wir sehr individuell auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen“, sagt Helfferich-Thomas.

Individuell ist das Stichwort, das die Arbeit in der Einrichtung gut beschreibt. Der Flur der beiden Wohngruppen erinnert zwar noch an das ehemalige Krankenhaus. Ansonsten ist aber nichts wie auf einer Station. Vorne liegt die RPK-Gruppe, wobei RPK für Rehabilitation für Menschen mit psychischen Erkrankungen steht, hinten liegt die Therapeutische Jugendwohngruppe.

Die Jugendlichen kaufen gemeinsam ein, bereiten ihr Essen zu, putzen ihre Einzel- und Doppelzimmer und helfen sich in der Gemeinschaft gegenseitig mit ihrer Erfahrung. Eine seelische Erkrankung kann einen Studenten ebenso treffen wie einen Jugendlichen ohne Schulabschluss. „Wenn ihre Belastungsgrenze erreicht ist, kommen sie von heute auf morgen nicht mehr aus dem Bett, funktionieren nicht mehr“, sagt Dr. Mathias. Oft fällt das durch einen Leistungsabfall in der Schule oder Ausbildung auf.

Viele der Jugendlichen wurden bereits in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt, wenn sie nach Tölz kommen. Damit ist es aber nicht getan, die Betroffenen wollen zurück ins Leben. „Sie wollen selbstständig werden, eine Freundin haben, arbeiten, und das möglichst schnell“, sagt Dr. Mathias. Für die betreuenden Sozialpädagogen, Krankenpfleger und Psychologen heißt das meistens: bremsen. Wenn die Jugendlichen zu schnell loslegen würden, ist ihre Belastungsgrenze wieder erreicht, und alles fängt von vorne an.

Vergleichbar ist das mit einem Leistungssportler, der einen Kreuzbandriss hat. „Er kommt nach dem Krankenhaus auch nicht gleich nach Hause, sondern durchläuft einen langwierigen Heilungsprozess in einer Reha-Klinik“, sagt Dr. Mathias. In der Wohngruppe wird die Belastung dementsprechend auch langsam gesteigert. Woche für Woche gibt es mehr Therapien, Aufgaben. Irgendwann geht es vormittags in die ReAL-Werkstatt oder in den kaufmännischen Bereich bis der Jugendliche bereit ist, ein Praktikum in einer auswärtigen Firma zu machen. Das dauert: Manche der Jugendlichen sind schon seit über zwölf Monaten in der Wohngruppe. „Wir führen regelmäßig Gespräche auf Augenhöhe“, sagt Helfferich-Thomas. Ist das Ziel erreicht, geht es „zurück ins Leben“ – natürlich erst, wenn es daheim ein Netz gibt, das auffängt und hilft, die persönliche Belastungsgrenze nicht wieder zu überschreiten.

Informationen zu ReAL

ReAL Isarwinkel hat eine neue Internetseite. Auf www.real-isarwinkel.de können Interessierte mehr über die gemeinnützige GmbH erfahren.

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