Geblitzt werden Autofahrer im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nicht nur von der Polizei, sondern auch vom Kommunalen Zweckverband.
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Geblitzt werden Autofahrer im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nicht nur von der Polizei, sondern auch vom Kommunalen Zweckverband.

Bericht in der Verbandsversammlung

Zweckverband Bad Tölz: Unpräzise Blitzer werden vorerst nicht mehr eingesetzt

Der Zweckverband, der für die Verkehrsüberwachung in vielen Gemeinden im Oberland zuständig ist, musste Bußgeldverfahren stoppen - wegen ungenauer Messgeräte.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mehr als 37.000 Bußgeldbescheide hat der Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland im vergangenen Jahr ausgestellt. Das sind etwa 5000 weniger als noch im Jahr 2019. Diese und weitere Zahlen zur Verkehrsüberwachung gehen aus dem Jahresbericht 2020 hervor, welchen der Verband am Mittwoch vorgestellt hat.

Geschäftsführer Michael Braun berichtete in der Verbandsversammlung im Tölzer Kurhaus außerdem über Mess-Ungenauigkeiten bei Blitzern eines bestimmten Herstellers. Dessen Geschwindigkeitsmesser lieferten möglicherweise falsche Messwerte. Derzeit laufe von zuständigen Stellen eine Überprüfung dieser Blitzer. Aus diesem Grund werde „der Einsatz der betreffenden Geräte bis auf Weiteres gestoppt, genauso wie die anhängigen Bußgeldverfahren“, erklärt Braun.

Digitale Daten für eine bessere Steuerung des Verkehrs

Das vom Zweckverband initiierte Forschungsprojekt „Saturn“ wurde anlässlich seines Starts diesen März ebenfalls vorgestellt. Die Abkürzung Saturn steht für „Strategiekonformes multimodales Routing“, wie Roman Bock, der Leiter für Verkehrs- und Mobilitätsmanagement, darlegte. Das Projekt dient der flächendeckenden Erfassung von Verkehrsdaten und deren Digitalisierung durch die Kommunen. Dazu zählen zum Beispiel Informationen über freie Parkplätze, Umleitungen und Behinderungen durch Baustellen. Mit diesen Daten sollen die Kommunen den Straßenverkehr besser steuern können.

Bisher wurden solche Daten überwiegend in Großstädten und Ballungsräumen erhoben, der ländliche Raum wurde dabei meist ausgespart. „Wir können keine Verkehrslenkung auf Grundlage von Daten ableiten, die wir jetzt noch nicht haben“, erklärte der Verbandsvorsitzende und Bürgermeister von Bad Tölz, Ingo Mehner. Das soll sich mit dem neuen Projekt ändern. In Zukunft soll der „Verkehr besser durch die Gemeinden geleitet“ und langfristig die Verkehrsbelastung minimiert werden, versprach Bock. Saturn sei ein „Innovator für die Zukunft“.

Projekt „Saturn“: Holzkirchen als Pilotgemeinde im Oberland

Zentral ist außerdem, dass die aktuellen Verkehrsdaten und Leitstrategien den Mobilitätsdienstleistern digital zur Verfügung gestellt werden. So kann der einzelne Verkehrsteilnehmer zum Beispiel über Navigationssysteme auf diese Informationen zugreifen. Auf diese Weise sei dann die Kommune besser in der Lage, den Verkehr aktiv zu lenken, erklärte Bock.

Neben dem Gebiet „München-Oberland“ soll Saturn in den zwei weiteren Piloträumen im Rhein-Main-Gebiet und in Stuttgart Verkehrsdaten und Leitstrategien flächendeckend erfassen.

Ausflugssommer bescherte den Verkehrsüberwachern viel Arbeit

Hier in der Region ist das Projekt in zwei Phasen unterteilt: In der ersten Phase soll exemplarisch an der Gemeinde Holzkirchen die Digitalisierung der Verkehrsdaten erprobt werden. „Es wird geschaut, welche Daten schon digitalisiert verfügbar sind“, erläuterte Bock. In der zweiten Phase werde die Datenerhebung auf 30 bis 40 Kommunen ausgeweitet. Für jede Gemeinde werde eine eigene Leitstrategie zur Verkehrslenkung entwickelt. Ziel sei es, die verschiedenen lokalen Strategien aufeinander abzustimmen, sagte der Managementleiter. Das Projekt ist zunächst auf eine Dauer von 30 Monaten ausgelegt. Die Kosten von rund zwei Millionen Euro werden zu 75 Prozent vom Bund übernommen.

Eine kurze Bilanz des vergangenen Jahres zog der Verbandsvorsitzende Mehner. Besonders in den Sommermonaten habe teilweise ein „enormer Ausflugsdruck“ geherrscht. Dies habe zu einer verstärkten Verkehrsüberwachung in den betreffenden Kommunen geführt. Problematisch waren die teilweise mangelnden Durchgriffsrechte der Mitarbeiter des Zweckverbandes. Diese dürfen lediglich den Verkehrsraum überwachen, nicht aber Naturschutzgebiete. Das heißt, sie haben nur die Befugnis, auf den Straßen oder Parkplätzen zu kontrollieren, ob ein Fahrzeug ordnungsgemäß geparkt ist. Standen die Autos wie zum Beispiel am Walchensee aber auf der Wiese oder im Wald, waren dafür die dortigen Ranger zuständig, erklärte Mehner.

Schließlich ist die Gemeinde Benediktbeuern offiziell dem Zweckverband beigetreten. Der Mitgliedsantrag wurde am Mittwoch einstimmig bewilligt.

Von Franziska Selter

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