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Wünschen sich bessere Rahmenbedingungen für die bäuerliche Landwirtschaft: BDM-Kreisvorsitzender Hans Falter (re.) und sein Stellvertreter Hans Hainz.

Zum Milchbauernabend des BDM

Zwei Biobauern erklären, warum sie nicht fürs Volksbegehren unterschrieben haben

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Auch sie wünschen sich einen Wandel in der Landwirtschaft hin zu mehr Ökologie. Doch Hans Falter und Hans Hainz, die dem Kreisverband des BDM vorstehen, schweben dazu ganz andere Wege vor als den Initiatoren von „Rettet die Bienen“.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Viele Menschen wollen Veränderungen in der Landwirtschaft. Das zeigte gerade erst der Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“. Den Wunsch nach einem Wandel hin zu mehr Ökologie gibt es auch innerhalb der Bauernschaft – etwa bei Hans Falter, dem Kreisvorsitzenden des Bunds Deutscher Milchviehhalter (BDM), und seinem Stellvertreter Hans Hainz. Nur schwebt ihnen ein gänzlich anderer Weg dorthin vor. Das erläuterten sie im Vorfeld des BDM-Milchbauernabends im Festzelt am Reutberg im Gespräch mit dem Tölzer Kurier.

Nein, unterschrieben haben die beiden Landwirte aus den Dietramszeller Ortsteilen Unterleiten und Hölching beim Volksbegehren nicht. Denn es müsse ein Miteinander geben und könne nicht sein, dass dieselben Menschen, die den Mähroboter im Dauerbetrieb über den eigenen Rasen laufen lassen, „mit dem Finger auf uns Bauern zeigen“, sagt Falter.

1987 lag der Milchpreis bei 75 bis 80 Pfennig - heute bei 35 Cent

Für den Artenschutz am schlimmsten seien „großflächige Monokulturen“. Doch in der bäuerlichen Milchviehhaltung im Oberland sehe es anders aus. Falter und Hainz müssen sich als Biobauern ohnehin nicht vorwerfen lassen, unökologisch zu wirtschaften. „Wir machen sicher keine sieben bis acht Schnitte im Jahr, und viele konventionell wirtschaftende Betriebe auch nicht“, sagt Falter. „Aber wir müssen auch von unserer Landwirtschaft leben.“ Er könne dem Vieh nicht nur Stroh zu fressen geben, sondern brauche Futter mit guten Nährstoffen. Es sei doch „pervers“, wenn er ersatzweise Futter aus dem Ausland zukaufen müsse. Deswegen wehren sich die beiden Biobauern gegen starr festgelegte Schnittzeitpunkte, und auch von Biotopverbünden, die sie in der Nutzung ihres Eigentums beschneiden, wollen sie nichts wissen.

„Die Ansätze des Volksbegehrens lösen die Probleme nicht“, sagt Hainz. Und damit ist er auch schon beim Hauptthema des BDM. Um nachhaltig zu wirtschaften, müsse ein Bauer kostendeckend arbeiten können. Davon aber seien die Milchbauern der Region weit entfernt. Bundesweit betrage die Kostenunterdeckung in der Milchviehwirtschaft im Schnitt 15 Prozent.

Falter veranschaulicht: „Als ich 1987 angefangen habe, lag der Milchpreis bei 75 bis 80 Pfennig.“ Heute würden im konventionellen Bereich im Schnitt 34 bis 35 Cent für den Liter bezahlt – bei der Molkerei Berchtesgadener Land zwei bis drei Cent mehr –, also tendenziell weniger als vor 32 Jahren, und das bei stark gestiegenen Betriebs- und Lebenshaltungskosten. Heute lägen die durchschnittlichen Erzeugungskosten pro Liter Milch bundesweit bei 42,9 Cent, in Süddeutschland eher bei 49 bis 50 Cent.

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Im Biobereich würden aktuell rund 47 Cent bezahlt – ebenfalls 10 Cent unter Kostendeckung. Falter und Hainz schätzen grob, dass aktuell 15 bis 20 Prozent der rund 550 Milchbetriebe im Landkreis biologisch arbeiten. Dass die Molkereien teils schon gar keine neuen Bio-Erzeuger mehr aufnehmen, finden sie „vernünftig“ – denn bei einem Angebot, das die Nachfrage übersteigt, setze sonst auch im Biobereich eine Abwärtsspirale beim Preis ein. Die Vorgabe des Artenschutz-Volksbegehrens, eine Marke von 30 Prozent Biolandwirten vorzuschreiben, lehnen sie daher ab.

Viele Bauern seien gezwungen, das Minus beim Preis auszugleichen, indem sie „aus jeder Einheit das Maximale rausholen“ – sprich, die Milchmenge so weit wie möglich steigern. Bauernverband, Politik bis hin zur Lehre würden die Bauern ebenfalls in die Richtung treiben zu expandieren, größere Ställe zu bauen und mehr zu produzieren, ergänzt Falter. Die Geschwindigkeit des Strukturwandels sei „erschreckend“, so Hainz; und die Auswirkungen der Mengensteigerungen auf den Milchpreis fatal.

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Als ein Gegenmittel sind die beiden Kreisvorstände von der „Sektorstrategie“ des BDM überzeugt. Die sieht vor, dass sich die Marktstellung der Erzeuger gegenüber den Molkereien verbessert, etwa durch konkrete Vertragsvereinbarungen über Liefermengen und Erzeugerpreise. Zudem tritt der BDM für die Gründung einer Branchenorganisation der Milchviehhalter ein, die in Krisenphasen die Mengenanpassung steuert und bei Überproduktion über eine „Milchverantwortungsabgabe“ entscheidet.

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Beim Milchbauernabend am Montag, 18. März (Beginn: 20 Uhr), haben Falter und Hainz Gelegenheit, zusammen mit dem BDM-Bundesvorsitzenden Stefan Mann an passender Stelle Werbung für solche politischen Weichenstellungen zu machen: Zu Gast ist dann Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

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