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Mehr als ein Gemeinschaftsbüro: Mit dem „Gschafft“ an der Hindenburgstraße bieten Henrik Heubl (links) und Maxi Mayr eine Austauschplattform für Selbstständige und junge Unternehmer.  

„Coworking Space“

„Gschafft“: Zwei junge Tölzer gründen ein Trainingslager für neue Arbeitsformen

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Nichts wie weg hier: Dass junge Tölzer nach der Schule ihre Heimatstadt verlassen, gefällt zwei von ihnen nicht. Mit ihrem „Coworking-Space“ wollen die beiden Internet-Profis ein Netzwerk schaffen und neue Arbeitsformen etablieren. Alles aus Liebe.

Bad Tölz Wenn jemand in Tölz keinen Schlüssel mehr zur digitalen Welt braucht, dann sind es Henrik Heubl und Maxi Mayr. Die Tür zu ihrem Kreativreich öffnen sie natürlich per App. Mayr, 21, Webdesigner, demonstriert das „Smart-Lock“-System, er wischt kurz auf seinem Mobiltelefon, ein leises Klicken ertönt – die Tür ist entriegelt.

Jeden Tag und rund um die Uhr – oder „Twentyfourseven“, wie die Gründer sagen – kann sich jedes Mitglied in den neuen „Coworking-Space“ an der Tölzer Hindenburgstraße wischen. Coworking-Space? Der Laden (vormals „Streetcafé“), den Heubl und Mayr „Gschafft“ genannt haben, soll mehr sein als ein Gemeinschaftsbüro: Austauschplattform, Ideenschmiede, ein Trainingslager für neue Arbeitsformen. Wie Büros sehen die Räume ohnehin nicht aus mit den zusammengeklaubten, rustikalen Möbeln, den bunten Kissen überall und der Küche aus Holzpaletten.

Zwischen 149 und 295 Euro kostet die Mitgliedschaft im Monat, Gründer zahlen 99 Euro. Arbeitsplatz gegen Gebühr: Dieses klassische Modell gilt auch hier – sonst ist aber alles anders, behauptet Henrik Heubl. Seine Geschichte zeigt, wie man heute zu einem Job kommen kann. Vor ein paar Tagen hat er das Abitur-Zeugnis bekommen. Aber schon vor zwei Jahren suchte er als Social Media-Könner einen Sponsor für eine Radtour mit Klassenkumpels durch Norwegen. Ein Hängematten-Hersteller aus Mainz biss an – und Heubl baute der Firma einen professionellen Instagram-Kanal auf. Heute, mit gerade 17 Jahren, hat er 40 Kunden und lebt davon in seiner eigenen Wohnung „ganz gut“. Ähnlich läuft es beim 21-jährigen Maxi Mayr: Er studiert Wirtschaftsinformatik, vor allem aber kreiert er Firmen-Webseiten. Während viele Gleichaltrige nicht wissen, welches Praktikum sie als nächstes machen sollen, sind Heubl und Mayr gestandene Unternehmer in ihrer Branche.

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Und sie wollen, dass es ihnen andere gleichtun, ihre Kreativität in der Heimat ausleben. „Wir sind komplett verliebt in Tölz. Die meisten wollen aber nach dem Abi sofort in die Großstadt“, sagt Heubl. Seine Folgerung: „Ich will in Tölz bleiben, also muss ich was machen, damit Tölz jung bleibt – oder wird.“ Deshalb hätten sie das „Gschafft“ aufgezogen – „ohne Gewinnabsicht. Unser Vision ist es, dass es irgendwann eine Hochschule für Unternehmer in Tölz gibt“, sagt Mayr. Vernetzungs-Veranstaltungen mit jungen Kreativen aus ganz Deutschland seien schon geplant. Einen Monat nach der Eröffnung Anfang Juni mieten sich mittlerweile zehn – auch ältere – Selbstständige regelmäßig an der Hindenburgstraße ein: Social-Media-Entwickler, Video-Cutter, Fotografen oder Unternehmensberater. Einer tüftelt an einer Kamin-Technologie für Lieferdrohnen – für den Tag, an dem die Post nur noch aus der Luft kommt. Er habe kürzlich einen Film beim Video-Profi bestellt, berichtet Mayr. So soll das laufen: Instagramer helfen sich bei Steuerfragen, der Fotograf liefert dem Webdesigner zu.

Der Tölzer Wirtschaftsförderer Falko Wiesenhütter ist begeistert von dem Angebot: „So etwas ist sehr wertvoll. Es spricht eine Zielgruppe an, bei der wir uns als Kleinstadt schwertun.“ Er meint: jung und/oder kreativ. „Für diejenigen scheint es einen Bedarf zu geben, sich hier ein Netzwerk aufzubauen.“

Glaubt man den beiden Gründern, ist die Auftragslage nicht schlecht. Die Social-Media-Plattformen von sieben oder acht Gastronomien und anderen Tölzer Betrieben würden von Gschafft-Mitgliedern betreut. Verantwortlich dafür sei auch das produktive Umfeld, sagt Henrik Heubl: „Wenn sich neben Dir einer abrackert, gibst du auch mehr Gas.“

Weitere Infos gibt es auf der Homepage des Coworking-Projekts unter gschafft.com oder per Telefon bei Gründer Maxi Mayr unter der Telefonnummer 01 51/28 43 74 47.

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