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30 Szenen aus dem Integrations-Alltag hatten 14 Einheimische und Geflüchtete unter der Leitung des Drama- und Theatertherapeuten Matthias Eberth zu einem humorvollen, aber auch ernsten Stück zusammengefügt.  

Theaterprojekt „Spektrum“

Zwischen Heimweh und Heiterkeit

30 Szenen aus dem Integrations-Alltag brachte jetzt das Theaterprojekt „Spektrum“ auf die Bühne der Alten Madlschule in Bad Tölz. Der Publikums-Zuspruch war groß.  

Bad Tölz– Das Interesse war enorm: Die Premiere des Theaterprojekts „Spektrum – Begegnungen“ in Bad Tölz in der Alten Madlschule war restlos ausverkauft. 30 Szenen aus dem Integrations-Alltag hatten 14 Einheimische und Geflüchtete unter der Leitung des Drama- und Theatertherapeuten Matthias Eberth zu einem humorvollen, aber auch ernsten Stück zusammengefügt. Dabei ging es unter anderem um Einsamkeit, Ängste und Träume.

„In einem langen Prozess haben die Teilnehmer ihr eigenes Stück entwickelt, ihre Texte selbstverantwortlich geschrieben“, sagte Eberth. Die Teilnehmer am Projekt hatten die Möglichkeit, in einem geschützten Raum neue Dinge auszuprobieren, so der Schauspieler und Regisseur. Durch das Rollenspiel werde zudem das Selbstwertgefühl gehoben. „Ich habe diesen Prozess begleitet und ihn durch meine Erfahrung bestmöglich unterstützt“, sagt Eberth.

Die Szenen drehten sich um Heimweh, um Kulturdifferenzen oder auch Verständnisschwierigkeiten zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Da war beispielsweise der 17-jährige Mohammad aus Afghanistan, der seine Familie vermisst und trotz Krieg und Armut in seiner Heimat am liebsten nach Hause möchte. Die Zuschauer konnten seine aufkommende Traurigkeit nachempfinden. Sehr berührend die Szene, in der er versucht, seiner Mutter am Telefon sein Heimweh klarzumachen.

Die immer wieder auftretenden sprachlichen Barrieren, die zu Diskussionen und Auseinandersetzungen führen können, wurden mal selbstironisch, mal humorvoll in Szene gesetzt.

Unterstützt von einfachen Requisiten – Stühle, ein Tisch und eine Bank – entstanden lebendige Situationen, die die Zuschauer zum Teil lauthals auflachen ließen, um sie im nächsten Moment wieder gespannt verstummen und mitfühlen zu lassen. Begleitet und zusammengehalten von selbst komponierter Musik für Gesang und Kontrabass, wurden die alltäglichen Szenen zu einem fließenden Stück. Die Songtexte entstanden in enger Zusammenarbeit von Gesangspädagogin Luisa Eberth und Teilnehmerin Krasimira Todorova-Gorter. „Das Theaterprojekt war für mich ein sehr intensives Erlebnis“, sagt Todorova-Gorter. Sie erzählt von dem befreienden Gefühl, zu einer Gruppe von Gleichgesinnten zu gehören und das Leben an die eigenen Wünsche anzupassen, anstatt nur die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Alle Teilnehmer am Projekt haben viel Zeit und Herzblut investiert. „Zehn Monate lang haben wir uns im Jugendcafé breitgemacht, um zu proben. Danke, dass wir drinnen sein durften“, bedankte sich Rita Knollmann, Leiterin des Tölzer BRK-Mehrgenerationenhauses, bei der Jugendförderung. Die große Zuschauerresonanz freut Knollmann ganz besonders. „Es sind so viele gekommen, dass wir ganz schön zusammenrücken mussten.“

Auch die Aufführungen an den beiden kommenden Sonntagen sind ausverkauft. Daher gibt es nun eine Zusatzvorstellung am Samstag, 18. Februar, um 20 Uhr in der Alten Madlschule. Karten für 12 Euro gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung am Winzerer und in der Tölzer Tourist-Info. Für die kommenden beiden Sonntage kann man sein Glück nur noch an der Abendkasse probieren und hoffen, dass ein Ticket zurückgegeben wird

Sophie von Grudzinski

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