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Zwischen Himmel und Kochelsee: Bundeswehr übt Wassersprünge

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Von: Elena Royer

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Tropfnass kommen die Fallschirmspringer am Ufer an. Sie wurden von Booten zurückgebracht. Im Ernstfall gibt es diesen Luxus nicht, dann müssten die Soldaten an Land schwimmen
Tropfnass kommen die Fallschirmspringer am Ufer an. Sie wurden von Booten zurückgebracht. Im Ernstfall gibt es diesen Luxus nicht, dann müssten die Soldaten an Land schwimmen.  © Krinner

Nach coronabedingter Unterbrechung fand nun wieder der Wassersprungdienst der Bundeswehr am Kochelsee statt. Was nach Spaß aussieht, ist eine wichtige Übung, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.

Kochel am See – Die M28 Sikorksi taucht hinter den Bergen auf und nimmt Kurs auf den Kochelsee. Der Reihe nach lassen sich vier Soldaten aus dem Bauch des Flugzeugs fallen. Sofort öffnet sich ihr olivgrüner Fallschirm, und sie schweben sanft der Wasseroberfläche entgegen. „Was wir hier üben, nennt sich Notverfahren Wasserlandung“, erklärt Oberstleutnant Michael März, Inspektionschef der IX. Inspektion der Luftlande- und Transportschule in Altenstadt. Deren Fallschirmspringer üben am Kochelsee, wie sie sich richtig verhalten, falls sie durch schlechte Witterung vom Land weggetrieben werden. Denn normalerweise landen Fallschirmjäger nicht im Wasser.

Die M28 Sikorski startet auf dem Heeresflugplatz in Altenstadt. 15 Springer kann sie aufnehmen. „20 Minuten braucht sie, bis sie wieder hier ist“, erklärt Stabsfeldwebel Dirk Koelmann. „In 480 Metern Höhe werden die Springer abgesetzt.“ Dann können die Soldaten etwa eine Minute lang die Schirmfahrt genießen, also auf den See zu schweben. „Mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 km/h schlagen sie auf dem Wasser auf“, sagt Koelmann. „Bei Wasserberührung muss sich der Soldat aus seinem Gurtzeug befreien. Anschließend schwimmt er an Land und kann dort seinen Auftrag ausführen.“

Bei der zweitägigen Übung am Kochelsee müssen die Soldaten aber nicht selbst ans Ufer schwimmen. Für jeden ist ein Boot im Wasser, das einen Fallschirmspringer aufnimmt und an Land bringt. Diese Aufgabe übernehmen Soldaten und Ehrenamtliche von Feuerwehr, Polizei und Wasserwacht. Gregor Plotzki von der Kochler Wasserwacht hilft auch mit. „Jedes Boot bekommt einen Soldaten zugeteilt“, erklärt er. „Wenn der uns zugeteilte Springer runterkommt, fahren wir hin und schauen, ob alles in Ordnung ist. Zum Beispiel, ob der Fallschirm nicht über dem Kopf ist, und helfen dem Soldaten ins Boot.“

„Habe das Gefühl ganz Kochel steht hinter der Bundeswehr“

Oberleutnant Nico Lessentin ist heute auch schon gesprungen. „Das war mein 19. Sprung“, erzählt er. Ob er sich noch an seinen ersten erinnern kann? „Beim ersten Mal ist man natürlich fokussiert und im Tunnel“, denkt er zurück. „Man versucht, alles abzurufen, was man vorher beim Training im Trockenen gelernt hat. Aber im Wasser zu landen ist schöner, weil man sich nicht so leicht verletzen kann.“

Trotzdem: Was für Außenstehende nach Spaß aussieht, kann schnell gefährlich werden. Ein Kreuz am Ufer des Kochelsees mahnt zum Gedenken an einen Bundeswehr-Major, der hier 1994 mit 41 Jahren tödlich verunglückte. „Er hat sich schon in der Luft aus seinem Gurtzeug befreit und ist dann auf dem Wasser aufgeschlagen“, berichtet Stabsfeldwebel Koelmann.

Bei der Landung müssen sich die Fallschirmspringer schnell aus ihren Gurten befreien
Bei der Landung müssen sich die Fallschirmspringer schnell aus ihren Gurten befreien.  © Krinner

Oben an der Straße in Altjoch ist ein Zelt aufgebaut, in dem es Essen und Getränke gibt. Eugen Cremer aus Kochel steht gerade am Essensstand an. „Ich war früher bei der Luftwaffe in Neubiberg“ erzählt der 83-Jährige. „Das ist schon lange her, 60 Jahre.“ Aber immer wenn die Fallschirmspringer am Kochelsee üben, kommt Cremer. „Ich schaue es mir gerne an“, sagt er.

Oberstleutnant Michael März ist zufrieden mit den Übungstagen. „Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter“, sagt er. Lediglich das Unwetter vom Montagabend habe die Soldaten einige Nerven gekostet, da durch das Gewitter der Aufbau zerstört wurde. „Insgesamt ist das Notverfahren Wasserlandung aber reibungslos gelaufen“, resümiert März. „Ich bin froh, dass es wieder so gut gelungen ist.“ Auch durch die Kooperation mit dem Veteranenverein Kochel seien die Voraussetzungen vor Ort ideal, so März. „Sie unterstützen uns in jedweder Hinsicht. „Ich habe das Gefühl, ganz Kochel steht hinter der Bundeswehr.“

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