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Das Geschehen auf dem Eis immer im Blick: Jetzt konzentriert sich der Geretsrieder Markus Janka allerdings auf Beruf und Familie.

Eishockey

Zwischen die Pfosten verbannt

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Markus Janka hat seine aktive Karriere beendet. Der Torwart der Tölzer Löwen möchte nun mehr Zeit für seinen Beruf und seine Familie haben. Ein Porträt.

Bad Tölz/Geretsried – Wer auf dem Feld nichts zerreißt, wird ins Tor geschickt. So war’s auch bei Markus Janka. Zum Glück. Denn der Knirps hat sich zu einem DEL-fähigen Eishockey-Torwart entwickelt, hat gerade seinen Teil zum Zweitliga-Aufstieg der Tölzer Löwen beigetragen. Ein Aufstieg zum Abschied. Denn jetzt beendet Janka seine Karriere, obwohl alle Welt den 37-Jährigen bestürmt hat weiterzumachen. „Es geht nicht mehr, beruflich, familiär, meine Frau Bettina hat schon die Tage gezählt.“ Er brauche mehr Zeit im Familienunternehmen Ehgartner, wo er mehr Verantwortung übernimmt. Will mehr Zeit für seine Kinder Magdalena (4) und Kilian (2).

Zudem hält er den Zeitpunkt für bestens. „Ich höre auf, wenn’s am schönsten ist.“ Einen Sieg im letzten Spiel seiner Karriere hatte er angestrebt. Damit meinte er die Meisterschaft in der Oberliga. Das ist zwar nicht gelungen, die Löwen verloren die Final-Serie gegen Tilburg. Weil die Holländer keine Lizenz für die DEL2 bekommen, gewährte der Halbfinal-Sieg gegen die Sonthofen Bulls wenigstens den Aufstieg. „Damit muss und kann ich leben.“

Einer seiner größten Erfolge: Markus Janka (re.) mit Torhüter Timo Pielmeier nach dem Gewinn der DEL-Meisterschaft 2014 mit dem ERC Ingolstadt. Foto: dpa

Zu seinem Leben gehörte immer Eishockey. Janka war noch keine vier, da begleitete er seinen älteren Bruder Andreas zum Training beim TuS Geretsried. Kein Wunder, war doch Vater Oskar lange Zeit Eishockey-Chef in Geretsried. „Ich war der jüngste, kleinste, langsamste“, erinnert sich Janka. Um ihn aus dem Weg zu haben, stellte Trainer Manni Heinke ihn ins Tor: „Sonst hältst du den Betrieb auf.“ Dabei blieb’s, denn so schlecht stellte sich der Stöpsel im Kasten beileibe nicht an. Bald schwang er große Worte gegen den Trainer: „Wenn du Tele5 empfangen kannst, kannst mich später in der NHL spielen sehen“, tönte der damals Achtjährige. Damals wurden die Spiele der nordamerikanischen Profi-Liga auf diesem TV-Sender übertragen. Daraus wurde nichts. „Ich war doch nicht gut genug“, räumt Janka grinsend ein. Aber er war gut genug für ein Jahrzehnt DEL, war bei der Weltmeisterschaft 2002 dabei.

Janka wuchs in Geretsried auf, versuchte sich zunächst auch im Fußball beim TuS – im Feld, als Stürmer – bis zu den D-Junioren. „Dann musste ich mich entscheiden, wollte beim Eishockey bleiben.“ Abgeschaut hat er sich vieles vom tschechischen Weltmeister-Torhüter Jirí Králík, „mein großes Vorbild“.

Nach dem Abschluss an der Realschule Geretsried machte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Firma Speck. Doch nebenher lockte das Eishockey: Mit 17 spielte er für den TuS Geretsried in der 2. Liga, fing dort bis 2000. Nach Einsätzen bei Junioren-Welt- und Europameisterschaften sowie den Olympischen Jugend-Spielen in Schweden kam der Durchbruch als Profi und das Angebot aus der DEL: Janka wechselte nach Schwenningen, war dort Ersatz-Goalie hinter Ian Gordon. „Das muss man schon packen, wenn man nur wenig spielt“, sagt Janka. „Aber ich habe nicht aufgegeben, bin da gestärkt rausgekommen.“ Er blieb bei den meisten seiner zahlreichen Engagements in der DEL und 2. Liga zweiter Torwart. Ausnahme: Bei den Eisbären Regensburg in der 2. Liga, wo er zumindest in der Saison 2005/06 alle Spiele bestritt.

In der DEL war Janka eine Art „Edel-Backup, der nicht allzu viele Einsätze hatte, aber auf den immer Verlass war, wenn er ins Tor ging. „Den Titel bin ich nicht mehr losgeworden“, erinnert sich Janka schmunzelnd. Auch nicht, als er mit dem ERC Ingolstadt 2014 Deutscher Meister in der DEL wurde. Das machte Janka nichts aus. Er jubelte wie alle anderen, hatte seinen Anteil an diesem Erfolg, da er bei zehn Einsätzen in dieser Saison gute Leistungen ablieferte.

Emotionen zu zeigen, das ist so eine Sache für den athletischen, für einen Torhüter fast schmächtigen Geretsrieder. Er ist ein rationaler Mensch, der sich machbare Ziele vornimmt, „nichts Utopisches“. Der mit seinen Entscheidungen zufrieden ist. „Ich habe zum richtigen Zeitpunkt das Richtige gemacht.“ Auch auf dem Eis ist er beherrscht. „Ich kann gut ruhig bleiben – solange es so läuft, wie ich es will.“ Gegentore und Niederlagen fuchsen ihn. „Da kann ich schon mal laut werden“, räumt er ein. „Ich erwarte sehr viel von mir, bin mein größter Kritiker.“ Er ist keiner, der gelungene Saves mit der Faust bejubelt. Starke Paraden sind eher eine innere Befriedigung für ihn. Auch an andere stellt er hohe Ansprüche. „Die Einstellung muss passen.“ Leichtsinn, oder wenn der letzte Biss fehlt, das gefällt ihm gar nicht. Er sieht sich als Arbeiter für das Team. Sein Job: „Die Mannschaft im Spiel zu halten, den Sieg zu ermöglichen.“ Auch und vor allem, als er 2015 zu den Tölzer Löwen in die Oberliga wechselte – diesmal als Nummer eins.

Einer seiner größten Erfolge: Markus Janka (re.) mit Torhüter Timo Pielmeier nach dem Gewinn der DEL-Meisterschaft 2014 mit dem ERC Ingolstadt. Foto: dpa

Machte ihm in der Vorsaison die Doppelbelastung zum Saisonende noch zu schaffen, leistete er sich heuer bis zum Schluss keine Blöße. Janka wurde – wie schon in der Vorsaison – Torhüter des Jahres in der Oberliga Süd. Hatte den besten Gegentorschnitt: 2,1 in der Hauptrunde, in den Play-offs sogar 1,68. Er brachte es auf acht Shut outs.

Doch nun ist Schluss. Seiner Zeit bei den Löwen und als Profi hat er genossen. „Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen.“ Er hatte sieben Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft – bei fünf davon hat er gefangen. Auch bei der überraschenden deutschen Bronzemedaille 2002 war er dabei, „ein Höhepunkt“. Nun möchte er sich auf anderes konzentrieren. „Ich will den Absprung nicht verpassen, da gibt es genug andere, die den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören nicht gefunden haben“, meint der 37-Jährige.

Möglicherweise bleibt er dem Eishockey in irgendeiner Weise als Trainer verbunden. „Blöderweise ist mein C-Schein abgelaufen, weil ich eine Fortbildung verpasst habe.“ Auch im Beruf erwarten ihn neue Herausforderung. Von seiner Ausbildung als Industriekaufmann habe er für den Job im Familienunternehmen – einem Betrieb für Abfallentsorgung – nur bedingt profitieren können. „Ich musste komplett neu lernen.“ Nun greift voll an.

Halbe Sachen gibt es für Janka nicht. Dazu ist er zu ehrgeizig. Eishockey hat er als Schule fürs Leben gesehen. „Es hat eine soziale Komponente, man muss lernen sich einzufügen, Teamgeist, Führungsqualitäten sind wichtig, man muss Verantwortung übernehmen – für sich und andere.“ Fehler haben Konsequenzen für die ganze Mannschaft, helfen aber für die mentale Entwicklung. Nicht gerade, wenn man wegen fehlender Qualitäten ins Tor abgeschoben wird. Aber ganz sicher, wenn man sich zwischen den Pfosten durchsetzt und zu einem der Besten avanciert.

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