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Wohnraum im Landkreis wird immer knapper - Doch es gibt neue Ideen: Familien tauschen mit Senioren

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Von: Melina Staar

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Der Wohnraum im Landkreis wird immer knapper - Doch es gibt Ideen: Warum nicht einfach tauschen?
Bezahlbaren Wohnraum gibt es kaum im Landkreis. © dpa / Julian Stratenschulte

Senioren leben in Riesen-Häusern, Familien quetschen sich in Wohnungen: Warum also nicht einfach tauschen? Im Landkreis soll die Wohnungsnot angepackt werden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – In Dachau geht man nun diesen Weg: Für zwei Jahre soll die Möglichkeit einer Tauschbörse für Wohnungen getestet werden. Der Hintergedanke: Viele ältere Menschen leben nach dem Wegzug der Kinder oder dem Verlust des Partners alleine in großen Häusern, während junge Familien dringend nach ausreichend Wohnraum suchen. Über die Tauschbörse sollen diese beiden Personengruppen zusammengebracht werden. Wäre das nicht auch etwas für Bad Tölz?

„Eine solche Börse einzurichten wäre kein Problem“, sagt Falko Wiesenhütter. Der Wirtschaftsförderer ist Moderator der Arbeitsgruppe (AG) Wohnen, die aus Mitgliedern der Stadtratsfraktionen und der Verwaltung besteht. Man habe in der AG über diese Möglichkeit bereits gesprochen. Allerdings sei die Börse nur so gut, wie sie auch bespielt werde. Das heißt: Sie müsste von jemandem betreut werden, der auch aktiv auf die Zielgruppen zugeht.

Außerdem zeige die Erfahrung aus Städten, dass es einen riesigen Zulauf von jungen Familien gebe, die sich vergrößern wollen, aber auf der anderen Seite nicht sehr viele ältere Menschen gerne ihren Wohnraum eintauschen möchten. „Oft ist es für sie gar nicht günstiger, sich zu verkleinern. Und es ist natürlich auch eine emotionale Sache“, sagt Wiesenhütter.

Wohnraum wird knapper: Wohnungstausch ist zusätzliche Möglichkeit

Er sieht den Wohnungstausch als zusätzliche Möglichkeit. „Es wird das Problem nicht lösen, könnte aber wichtig sein, das, was da ist, sinnvoll zu verteilen.“ Wichtig sei es, die Leute zusammenzubringen, eine Börse könne da helfen. „Eine Kommune kann die Wohnungsnot nicht komplett lösen. Aber das, was in unserer Macht liegt, werden wir nutzen.“

Um den Bedarf in der Stadt zu ermitteln, hatte die Stadt kürzlich eine Bürger-Umfrage gestartet. Diese ist nun beendet. „Es wird eine Weile dauern, diese auszuwerten“, sagt Wiesenhütter. Er rechnet damit, dass das Ergebnis im Juli dem Stadtrat vorgestellt werden kann.

Ein weiteres mögliches Modell gegen die Wohnraum-Knappheit ist das „Wohnen gegen Hilfe“. Wie berichtet wurde es im vergangenen Jahr vom Senioren-Beirat im Landkreis vorgestellt. Die Idee: Ältere Leute lassen jüngere bei sich wohnen, die ihnen dafür im Alltag unter die Arme greifen.

Als sie mitbekommen habe, dass viele ältere Menschen 90 Quadratmeter ungenutzten Wohnraum zur Verfügung hätten, sei ihr die Idee für „Wohnen gegen Hilfe“ gekommen, sagt Ute Reuter vom Seniorenbeirat. „Wir sind bisher überall auf offene Ohren gestoßen.“

Seit vergangenem Jahr sei sie nun beständig unterwegs, um die Idee bekannt zu machen. „Gleichzeitig haben wir eine Lösung dafür gesucht, wie die passenden Wohnpaare zusammenfinden könnten.“ Das Ergebnis: Es soll eine Stelle geben, die alles koordiniert, „jemand der zwischenmenschlich sehr einfühlsam ist“ und ein gutes Gefühl dafür habe, bei wem es passe.

Wohnen für Hilfe: Antrag zur Finanzierung ist gestellt

Ein Antrag für Fördermittel zur Anschubfinanzierung ist gestellt, er ist aber noch nicht bis zuletzt durch. Wenn das Geld da ist, soll es los gehen. Zwischen Wohnraumgeber und Wohnraumnehmer wird ein Vertrag geschlossen, „damit es kein böses Erwachen gibt“.

Wichtig seien jetzt einige gute Beispiele, sagt Reuter, „damit das Ganze seine Kreise zieht“. Die Wohnpartnerschaften, die sie bei ihren Recherchen kennengelernt habe, seien „beglückend für beide Seiten gewesen. Jeder, der einmal einen Mitbewohner hatte, würde sofort wieder jemanden nehmen“. Die älteren Leute hätten Ansprache und Hilfe, die jüngeren würden wichtige soziale Kompetenzen lernen.

„Jetzt ist es wichtig, dass die Idee in die Köpfe der Menschen gelangt“, sagt Reuter. „Das ist eine Möglichkeit für ältere Menschen, weiterhin selbstbestimmt zu leben. Auch die Angehörigen würden entlastet.

In Wackersberg entsteht derzeit eine weitere Möglichkeit des alternativen Wohnens: das neue Mehrgenerationenhaus am Burgwald. Verschieden große Wohneinheiten sollen dort Ältere, Familien und Alleinstehende zusammenbringen.

Um die Gemeinschaft zu fördern werden hier wie berichtet eigene Räume in einem Pavillon geplant, in denen sich die Bewohner treffen können. Bis der Bau im Frühjahr 2020 bezugsfertig ist, treffen sich die potenziellen Bewohner bereits regelmäßig, um sich kennenzulernen.

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