Luftbild der Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz.
+
Die Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz ist eines von zwei Krankenhäusern im Landkreis.

Kreisausschuss

Kliniken brauchen Akutbehandlung

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
    schließen

Dass es im Landkreis zwei Krankenhäuser mit zwei verschiedenen Trägern gibt, ist eine Besonderheit. Die Politik will absichern, dass beide Standorte erhalten bleiben.

  • In der jüngsten Kreisausschuss-Sitzung entbrannte eine ungewöhnlich lebhafte Diskussion - dabei ging es doch scheinbar nur um die Frage, ob sich der Landkreis von einem externen Sachverständigen oder im Rahmen eines staatlichen Programms Rat zur Gesundheitsversorgung einholt.
  • Das Nachhaken der Kreisrätinnen Filiz Cetin und Monika Achermann-Weinert brachte aber ans Licht, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die beiden Klinikstandorte in Wolfratshausen und Bad Tölz zu sichern.
  • Die Krankenhäuser sollen sich künftig nicht mehr gegenseitig Konkurrenz machen, sondern nach Möglichkeiten zur Kooperation suchen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Landkreis möchte zum Thema Gesundheitsversorgung Rat von außen einholen. Aber soll das durch einen externen Dienstleister passieren? Oder besser im Rahmen des staatlichen Förderprogramms „Gesundheitsregion plus“? Darüber entbrannte jetzt im Kreisausschuss eine lebhafte Diskussion. Und die endete mit Erkenntnisgewinn. Es kristallisierte sich heraus, dass jetzt vor allem eine gute Strategie gefragt ist, damit im Landkreis zwei Krankenhäuser überleben können.

Eigentlich hatte der Kreisausschuss schon im Juli beschlossen, einen Beratungsauftrag zum Thema Gesundheitsversorgung auszuschreiben. „Dazu sind bei uns im Nachgang viele Fragen aufgetreten“, sagte nun Filiz Cetin, Sprecherin der Ausschussgemeinschaft (AG) SPD/Linke. Denn die angestrebte Vernetzung der Krankenhäuser mit ambulanten Einrichtungen und Ärzten lasse sich auch im Programm „Gesundheitsregion plus“ erzielen – und zwar mit staatlicher Förderung. Zusammen mit der AG aus ÖDP/FDP/FUW und BP hatte Cetin daher den Antrag gestellt, der Landkreis möge sich besser für dieses Programm bewerben.

Um Klinikstandorte zu sichern, „haben wir diese zeit nicht“

Das lehnte Landrat Josef Niedermaier (FW) rundweg ab. Die „Gesundheitsregion plus“ sei nicht das Richtige für den Landkreis, der mit Allgemein- und Fachärzten „sehr gut versorgt“ sei.

Außerdem wehrte er er sich vehement dagegen, die Mitarbeiter des Gesundheitsamts mit der Abwicklung dieses Programms zusätzlich zu belasten. Die seien aufgrund der Corona-Pandemie „am Ende ihrer Kraft“, sagte auch Landratsamts-Abteilungsleiter Wolfgang Krause.

Filiz Cetin (SPD)

Der Antrag der AGs zwang Niedermaier und Krause allerdings dazu zu präzisieren, was der private Beratungsauftrag bezwecken soll. „Da stehen die Krankenhäuser im Mittelpunkt“, erklärte der Verwaltungsbeamte. Es sei eine Besonderheit, dass es im Landkreis zwei Kliniken mit zwei verschiedenen Trägern gebe – in Bad Tölz ist es der private Asklepios-Konzern, in Wolfratshausen der Landkreis. Die Krankenhäuser „machen sich mehr oder weniger Konkurrenz“, so Krause. „Aus dieser Situation müssen wir heraus und den Weg hin zu Kooperationsformen beschreiten.“ Hier bestehe „dringender Handlungsbedarf“. Das Programm „Gesundheitsregion plus“ sei eher langfristig angelegt. Doch wenn es ums Ziel geht, die beiden Klinikstandorte im Landkreis zu sichern, „haben wir diese Zeit nicht“.

Gesundheitssystem ist Haifischbecken“

Auch Martin Bachhuber (CSU) hielt die „Sorge um die Zukunft der beiden Häuser für sehr, sehr berechtigt“. Da sei es nicht sinnvoll, „wenn jedes Krankenhaus einen Bauchladen mit sich herumträgt und das Gleiche anbietet“. Es sei die „Pflicht und Schuldigkeit“ der Kreispolitik, dafür zu sorgen, „dass beide Kliniken zukunftssicher aufgestellt werden. Am Ende soll nicht gesagt werden: Ihr habt das verschlafen.“ Das Programm „Gesundheitsregion plus“ sei gut, „aber nicht das, was wir jetzt brauchen“.

Auch die Grünen-Fraktion hatte sich informiert, was das staatliche Förderprogramm in Nachbarlandkreisen schon bewirkt – „und das lässt uns der Idee mit Freude folgen“, wie Fraktionssprecher Klaus Koch sagte. Unabhängig davon „müssen wir dringend beleuchten, wie wir die beiden Krankenhausstandorte erhalten können“. Denn solche „solitären Häuser“ bewegten sich in unserem Gesundheitssystem „in einem Haifischbecken“.

Wenn uns einer in einem halben Jahr erklären kann, wie wir unsere Kliniken retten, warum haben wir es dann nicht schon lange getan?

Filiz Cetin (SPD)

Cetin zeigte sich von der Debatte „überrascht und teils irritiert“. Denn im Text des Beratungsangebots, für das der Ausschuss in derselben Sitzung nicht öffentlich den Auftrag vergeben sollte, „ist nicht das, was Sie sagen, dass es sein soll“. Auch Monika Achermann-Weinert (ÖDP) sagte: „Dass es um das Thema der Konkurrenzsituation zwischen den Kliniken gehen soll, höre ich heute zum ersten Mal.“ Erst jetzt sei klar geworden, „dass es hier um einen akuten Brand geht“.

Die beiden AGs vertagten ihren Antrag zum „Gesundheitsregion plus“ bis auf Weiteres – unter der Voraussetzung, dass ein Ministeriumsvertreter das Programm „zeitnah“ in einem Kreisgremium vorstellen kann – und dass der Auftrag für den privaten Beratungsauftrag nachgeschärft wird. Cetin äußerte aber weiter Zweifel: „Wenn uns einer in einem halben Jahr erklären kann, wie wir unsere Kliniken retten, warum haben wir es dann nicht schon lange getan?“

In derselben Kreisausschuss-Sitzung hatte Landrat Niedermaier Kritik an den Krankenkassen geübt, weil der Landkreis erneut auf dem Defizit der Geburtshilfe in Wolfratshausen sitzen zu bleiben droht.

Auch interessant

Kommentare