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Für ein Wahlfach Tradition machten sich Andreas Wachs und Veronika Söllner von der Trachtenjugend stark.

"Jetzt red i" aus Bad Tölz

Live im TV: Bürger blitzen bei Politikern ab

Bad Tölz - Der Bürger kam zu Wort - drang aber bei den anwesenden Politikern kaum durch. Für die meisten Fragesteller verlief die Live-Sendung "Jetzt red' i" in Bad Tölz unbefriedigend.

Erstmals nach 32 Jahren sendete das Bayerische Fernsehen am Mittwoch die Bürgersendung „Jetzt red’ i“ wieder aus Bad Tölz. Eine Gelegenheit, bei der Politik auf Wirklichkeit trifft – doch die Bürgeranliegen prallten vor etwa 120 Zuschauern im Saal weitgehend ab.

So zeigte Kultusminister Ludwig Spaenle wenig Neigung, bei Schulleitern Werbung für ein Wahlfach „Tradition“ zu machen. Das hatte sich der Tölzer Andreas Wachs als Vertreter der Bayerischen Trachtenjugend gewünscht. „Tradition muss in allen Fächern, etwa Geschichte und Religion, vermittelt werden“, so Spaenle.

Widerspruch erntete auch Benedikt Fischer aus der Jachenau. Er bezeichnete Pumpspeicherwerke (PSW), wie eines am Jochberg (PSW) angedacht ist, als „Technologie-Dinosaurier“. Wirtschafts-Staatssekretär Franz Josef Pschierer verteidigte PSW als „ausgereift, erprobt und CO2-neutral“. Immerhin: Auf die Anfrage des Kochlers Friedl Krönauer, Vorsitzender der Initiative „Nochberg“, nannte Pschierer erstmals einen Termin für die Veröffentlichung der lange erwarteten Standortanalyse, wo in Bayern PSW sinnvoll wären: „September oder Oktober“.

Für einen emotionalen Moment sorgte die junge Asylbewerberin Afaf Haj Sech Muss (13) aus Syrien, als sie in bestem Deutsch sagte: „Ich fühle mich hier wohl und bedanke mich bei allen, die mir in Bad Heilbrunn geholfen haben.“ Nur eines fehle bei der Betreuung von Flüchtlingen: Sprachkurse. Michael Höhenberger, Amtschef im Sozialministerium, räumte ein: „Das müssen wir verstärken.“ Dem Wunsch von Elisabeth Feichtmair vom Heilbrunner Helferkreis nach Aufwandsentschädigungen für die Ehrenamtlichen, erteilte er eine Absage. „Das sprengt unsere Möglichkeiten.“

Für den Geretsrieder Thomas Gania, der die schwierige Suche nach einem Inklusions-Schulplatz für seine geistig behinderte Tochter schilderte, hatte Spaenle auch keine Lösung in petto. Die Lenggrieserin Gisela Hörwath – sie sprach nach Ende der TV-Übertragung, als im Internet weitergesendet wurde – hatte mehr Erfolg: Sie führte aus, dass es zu wenige Förderstättenplätze für Behinderte gibt. Am Tag der Live-Sendung hatte sie einen Platz für ihren schwerst mehrfachbehinderten Sohn ein Platz in Aussicht gestellt bekommen. „Das freut mich, aber alle anderen Eltern stehen weiter im Regen“, resümierte sie.

Auch wenn es in der Live-Sendung kaum befriedigende Antworten gab: Als die Kameras aus waren, plauderten die Politiker noch länger persönlich mit einigen Fragestellern – und Bürger und Entscheidungsträger waren doch noch auf Augenhöhe.

Andreas Steppan

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