Brisante Lage

„Lassen sich nicht abhalten“: Ausflugs-Chaos an Bayerns Seen - App könnte jetzt helfen

  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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Garmisch-Partenkirchen, Tegernsee, Schlier- und Walchensee – werden bei gutem Wetter von Ausflüglern überrannt. Eine App könnte gegen das Verkehrschaos helfen.

  • Ausflugs - und Wanderziele in Bayern erleben einen Boom.
  • Der Tagestourismus nimmt zu - einige Gemeinden kämpfen schon vor Corona-Zeiten gegen Parkplatzchaos und Dauerstau.
  • Ist eine App die Lösung, um mit dem Besucheransturm fertig zu werden?
  • Noch mehr lokale Geschichten gibt es in unserem wöchentlichen Regionen-Newsletter für Bad Tölz oder in unserer App.

München – Der Walchensee ist ein beliebtes Ausflugsziel – nicht erst, seit es Corona-bedingte Reisebeschränkungen gibt. Doch das hat den Leidensdruck der Bürger vor Ort noch einmal kräftig verstärkt. 

„Das Hauptproblem ist der Verkehr“, sagt der Kocheler Bürgermeister Thomas Holz (CSU). Sobald Wochenende ist und die Sonne scheint, sind die Parkplätze überfüllt und Rettungswege zugeparkt. Holz kämpft schon lange für Entlastung. Unter anderem hat er einen Brief an Innenminister Joachim Herrmann (CSU) geschrieben und um Unterstützung durch zusätzliche Polizisten gebeten. „Die Polizei hat schließlich eine ganz andere Wirkung als die kommunale Verkehrsüberwachung“, sagt er. Vor anderthalb Wochen, als wieder etliche Ausflügler das schöne Wochenendwetter nutzten, bekam Kochel tatsächlich Hilfe von der Bereitschaftspolizei. „Aber das ist natürlich keine Dauerlösung“, sagt Holz.

Die Walchensee Region erlebt, wie Merkur.de berichtet, seit den Corona-Lockerungen einen Ansturm - Fotos vom Bahnhof zeigt brutale Folgen.

Ausflugs-Chaos in Oberbayern: Kann eine App das Problem lösen?

Nicht nur im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen leiden Kommunen unter dem verstärkten Besucherandrang. Bereits im Januar hatten die Grünen deshalb im Landtag einen Antrag zur Besucherlenkung gestellt. „Der Antrag wurde kleingeredet und abgelehnt“, sagt Christian Zwanziger. Deshalb hat er vergangene Woche noch einmal eine Anfrage gestellt, wie die Staatsregierung auf den Anstieg des Tagestourismus reagieren will. Die Antwort findet er allerdings „eher dünn“. 

Das Wirtschaftsministerium verweist auf eine Studie, die es beim Bayerischen Zentrum für Tourismus in Kempten in Auftrag gegeben hatte. Vorgeschlagen werden darin unter anderem Echtzeit-Ticker zum Besucherandrang – auf den Internetseiten der Kommunen oder als App mit Push-Nachrichten. Auch ein begrenztes Ticket-Kontingent für den Besuch in einer Gemeinde wäre denkbar, raten die Experten. Diese Ticket-Systeme könnten sie sich auch für Geschäfte, Hotels oder Fußgängerzonen vorstellen. Auch Parkleitsysteme oder überwachte Parkplätze werden vorgeschlagen – ohne die würden die meisten Regionen den Andrang sowieso längst nicht mehr bewältigen. Für den Walchensee ist sogar ein Ausweichparkplatz in Planung, berichtet Bürgermeister Holz.

Der Kocheler Bürgermeister Thomas Holz am Walchensee.

Auch die anderen Ratschläge helfen ihm nicht weiter. „Ausflügler schauen nicht auf die Internetseite der Gemeinde Kochel, bevor sie losfahren“, sagt er. Apps müssten schon überregional funktionieren, um angenommen zu werden. „Und der See ist frei zugänglich – dafür können wir keine Tickets ausstellen. Und schon gar nicht außerhalb der Kern-Besucherzeiten. Wer baden will, will tagsüber baden.“

Ausflugs-Chaos an bayerischen Seen - Kommunalpolitiker skeptisch: „Lassen sich davon nicht abhalten“

Auch die Garmisch-Partenkirchner Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) ist mehr als skeptisch. „Wir haben bereits jetzt Hinweistafeln ab Oberau, wie voll es auf der Alpspitze ist“, sagt sie. „Die Leute, die schon unterwegs sind, lassen sich davon nicht abhalten.“ Auch die Taktverstärkung für den Eibseebus habe nicht geholfen, das Verkehrsproblem zu entschärfen. Wohl aus Bequemlichkeit und Egoismus würden sich die Leute lieber in ihr Auto setzen, vermutet Koch. „Viele hält vielleicht aktuell auch die Maskenpflicht davon ab, ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen.“ Wie ihr Kollege in Kochel ist auch sie überzeugt: „Einzeln können die Kommunen nichts ausrichten. Wir brauchen die Hilfe des Freistaats.“

App gegen Ausflugs-Chaos: Landkreis Miesbach hat Live-Ticker für Ausflügler gestartet

Der Tourismusverband Oberbayern München (TOM) hat gemeinsam mit fünf bayerischen Urlaubsregionen einen digitalen Tagesplaner entwickelt. Diesen Service gibt es seit dem Pfingstwochenende: Auf der Seite www.oberbayern.de/ausflugs-ticker veröffentlichen die Regionen tagesaktuell Informationen – neben alternativen Wander- und Ausflugstipps werden dort auch die Wartezeiten zum Beispiel bei Schifffahrt oder Bergbahnen sowie die Auslastung der Zufahrtsstraßen und Parkplätze gemeldet. Inzwischen haben sich dieser Initiative bereits sechs weitere Tourismusregionen angeschlossen, berichtet eine TOM-Sprecherin. Seit Ende Mai gab es auf die Seite bereits 12.500 Zugriffe. Der nächste Schritt soll eine App für Oberbayern sein.

Wie groß ist der Andrang? Für die Alpenregion Tegernsee-Schliersee gibt es bereits einen Live-Ticker.

Der Grünen-Abgeordnete Christian Zwanziger erwartet, dass auch die Staatsregierung aktiver wird. Am besten mit einer bayernweiten App. Und vor allem beim Thema Verkehr könnte noch mehr getan werden, betont er. „Zum Beispiel bessere Zuganbindungen und der ÖPNV-Ausbau in Wanderregionen.“

Ausflügler-Chaos auch in Schliersee: Der Ort will nun gegen dreiste Falschparker vorgehen - auch Camper stehen in der Kritik. Die Vorhersagen für den gesamten Freistaat erfahren Sie immer in unserem aktuellen Wetter-Ticker für Bayern.

An einem bestimmten See in Oberbayern häufen sich die Probleme - und die Polizei erntet nur Gelächter.

Rubriklistenbild: © Plettenberg

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