Die Gletscherkaiserin: Michaela Matheis präsentiert nach ihrem Gewaltritt im Kaunertal stolz die Steinbock-Trophäe für die schnellste Frau. Foto: Georg Hohenreiter

Beinharte Beißerin kürt sich zur Kaiserin

Reichersbeuern - Michaela Matheis trotzt Regen, Schnee und eisigen Temperaturen und siegt überlegen beim Rennrad-Bergklassiker "Kaunertaler Gletscherkaiser"

Wenn ein Radrennen auf 2751 Meter führt, ist man selbst im Sommer vor frostigen Überraschungen nicht gefeit. Doch das, was Michaela Matheis (Team Radl-Rasti) und Christoph Köck (Zwillingscraft-Stevens) an Fronleichnam beim Kaunertaler Gletscherkaiser erlebten, war weit jenseits von Gut und Böse. "Regen, Schnee und eisige Temperaturen. Das waren irre, grenzwertige Bedingungen", berichtet Matheis. Doch spätestens bei der Siegerehrung wurde der 24-jährigen Reichersbeurerin richtig warm ums Herz: Als überlegene Frauensiegerin bekam sie die Steinbock-Trophäe der Kaunertaler Gletscherkaiserin. Christoph Köck aus Lenggries landete in der Männerkonkurrenz auf Rang 18.

Bereits der Start erfolgte bei strömendem Regen und einstelligen Temperaturen in Feichten (1289 m), dem Hauptort der Tiroler Gemeinde Kaunertal. "Im kurzen Trikot und Radlbody - da kommt man ganz schön ins Zittern", sagt Matheis. Zumal es die ersten Kilometer noch ein wenig bergab ging. Doch die Reichersbeurerin ließ sich nicht beirren, trat kräftig in die Pedale. Obendrein teilte sie sich die Kräfte auf der von 42 auf 28 Kilometer verkürzten Strecke - die ursprüglich vorgesehene Runde um den Gepatsch-Stausee wurde gestrichen - bestens ein.

Auch besser als die Österreichische Uphill-Staatsmeisterin Patrizia Wacker. Die war zwar vom Start weg mit einem furiosen Antritt davongesprintet, doch nach der Hälfte der Strecke endete ihr Ausreißversuch entkräftet und schlotternd im Besenwagen. Hierin hätte so Mancher gerne Platz genommen. Nicht Michaela Matheis: "Aufgeben ist für mich nie eine Option gewesen. Auch nicht, als ab Kilometer 20 der Regen in dicke Schneeflocken übergegangen ist." Unbeirrt pedalierte die beinharte Beißerin die 1500 Höhenmeter bis zum Weißseeferner in 1:39:19 Stunden empor und distanzierte die Konkurrenz bei diesem Gewaltritt um Längen. Die Zweite, Claudia Gralki (LTC Wangen), war knapp zehn Minuten länger auf der Strecke.

Ihre phänomenalen Nehmerqualitäten hat Matheis zum Teil auch ihrem neuen Beruf zu verdanken. Seit einem guten halben Jahr ist sie als Zustellerin für die Deutsche Post unterwegs - oft mit dem Radl. "Ob’s stürmt oder regnet - durch meinen Job bin ich sehr wetterunempfindlich. Das hat mir beim Rennen eine Menge gebracht."

(sts)

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