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„Heiliger Leonhard, bitte für uns“: Andächtige Jungfrauen in Tracht aus Bichl. 

Segen für Mensch und Tier

138. Leonhardifahrt in Benediktbeuern: Lebendige Tradition fürs Hier und Heute

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Die Leonhardifahrt in Benediktbeuern war ein beeindruckendes Zeugnis des Glaubens und der Tradition. Dass weniger Besucher kamen als im Vorjahr, tat dem keinen Abbruch. 

BenediktbeuernAndächtig, traditionsbewusst, entspannt und familiär: All das beschreibt die Leonhardifahrt in Benediktbeuern, die am Sonntag zum 138. Mal begangen wurde. 50 Wagen und zahlreiche Reiter zogen von der Dorfstraße aus zum Kloster, wo sie vor der prächtigen Kulisse des Innenhofs den Segen empfingen. Dass die Wallfahrt unter einer schützenden Hand stand, zeigte sich auch daran, dass das Wetter entgegen mancher Befürchtung hielt und alles ohne Zwischenfälle ablief. Die Besucherzahl lag nach Schätzung der Polizei bei etwa 6000 – etwas niedriger als in den Vorjahren.

Für Johann Mayer ist die Teilnahme an der Leonhardifahrt eine Frage des „christlichen Glaubens“. Der Segen für seinen Hof sei für ihn die Grundlage, „damit wir das ganze Jahr wieder Glück im Stall haben, dass alles gut geht, für die Pferde genauso wie für die Rindviecher im Stall und die ganze Familie“, sagte der „Spöttberger“ aus Dietramszell.

50 Gespanne ziehen zu Ehren des Heiligen Leonhard durch Benediktbeuern

Wie die weiteren 49 Gespanne hatte sich auch sein Wagen, besetzt mit Jungfrauen in Tracht aus Ried, um 9 Uhr im Dorf in Bewegung gesetzt und nach gut einer halben Stunde im Klosterinnenhof an Pater Heiner Heim und Pater Lukas Wirth vorbeigezogen. Der Cellerar im Kloster Scheyarn war als Hauptzelebrant eingeladen.

Für Johann Mayer war es bereits die 41. Teilnahme an der Leonhardifahrt in Benediktbeuern. Am kommenden Mittwoch wird er auch in Bad Tölz dabei sein – dort sogar schon zum 51. Mal.

Leonhardifahrt Benediktbeuern: „Das ist Brauchtum, das muss man erhalten“

Viel Erfahrung als Wallfahrerin hat auch Anastasia Wartbichler. „60 Jahre bin ich mitgefahren“, sagte sie. Am Sonntag stand die Sindelsdorferin, die aus Benediktbeuern stammt, nun als Zuschauerin am Wegesrand und erfreute sich in Begleitung einer Bekannten an dem Ereignis. „Das ist einfach Brauchtum, das muss man erhalten“, sagte sie. Das Schöne sei gerade, dass im Wesentlichen „alles gleich“ geblieben sei. Es habe aber auch Zeiten gegeben, „in denen Pferde rar waren“. Das habe sich zum Glück wieder geändert.

Benediktbeurer Leonhardifahrt: Die Bilder

In Benediktbeuern gehe es noch beschaulicher und bäuerlicher zu, waren Anastasia Wartbichler und ihre Bekannte sich einig. In Bad Tölz sei halt auch einiges an „Massenrummel“ dabei. Beide Wallfahrten hätten aber ihre Vorzüge und schönen Seiten.

Japanische Besucher begeistert von der Leonhardifahrt in Benediktbeuern

Dazu gehören traditionsreiche Trachten, festlich geschmückte Wagen, liebevoll herausgeputzte und imposante Pferde, aber auch eine Reihe von mit Kindern besetzten Darstellungen von der Schutzengel-Szene bis zum Modell des Klosters um das Jahr 1600. Über all das staunten in der Zuschauerschar auch Yuki Yokota und Koki Yokoyama. Die jungen Männer aus Japan halten sich gerade beruflich in der Region auf, eine Kollegin hatte sie zur Leonhardifahrt mitgenommen. „Das ist sehr aufregend und überraschend“, beschrieben sie die Erfahrung. „So etwas haben wir noch nie gesehen. Zu Hause werden wir allen davon erzählen.“

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Von seiner frühesten Leonhardi-Erinnerung berichtete Pater Lukas Wirth OSB in seiner Festpredigt in der Basilika. Als Vorschulkind habe er in einem Juli vor rund 40 Jahren in Siegertsbrunn an der dreimaligen Umfahrt der Leonhardikirche teilgenommen. Danach hätten bei der Hitze alle großen Durst gehabt – „und der Opa hat uns eine halbe Bier hingestellt“. Seine Mutter musste dann daheim feststellen: „Der Bua hat an Rausch!“

Lesen Sie auch: Ausblick auf die 164. Leonhardifahrt in Bad Tölz: Festtag mit Abt und Nächstenliebe

Aus spiritueller Ebene spannte der Pater den Bogen von St. Leonhard als Schutzheiligem der Gefangenen zur Ermutigung, Grenzen zu überwinden und Fesseln zu sprengen – mit aktuellen Bezügen von „30 Jahre Mauerfall“, über das gemeinsame Anpacken bei der Aufnahme Geflüchteter bis zur „Fridays for Future“-Bewegung, die kürzlich in Bad Tölz die größte Demonstration auf die Beine stellte, die die Stadt seit langer Zeit gesehen hatte. 

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