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Ende einer Ehe: Eine Frau zerreißt ihr Hochzeitsfoto.  

Amtsgericht

750 Euro Geldstrafe für Ohrfeige

Wenn der Streit um das Umgangsrecht eskaliert. Ein Fall „sehr verflochtener Beziehungsproblematik“ vor dem Wolfratshauser Amtsgericht.

Benediktbeuern/Wolfratshausen Wenn Ehepaare auseinandergehen, haben Anwälte und Richter oft gut zu tun. Umso mehr, wenn die Trennung nicht nur das Familiengericht beschäftigt, sondern auch das Strafgericht gefordert ist.

Wie im Falle eines 39-jährigen Schlossers aus Benediktbeuern und seiner getrennt lebenden, acht Monate älteren Ehefrau. Die Frau beschuldigt ihren Mann, sie im April vorigen Jahres geohrfeigt und ihr drei Faustschläge gegen den Oberkörper versetzt zu haben. Zudem soll er sie Mitte Juli dieses Jahres bei einem Fest von hinten in den Nacken geschlagen haben.

„Wir haben viel gestritten“, bestätigte der 39-Jährige, der jedoch auch beteuerte, er habe „nie meine Hand gegen eine Frau oder irgendeinen Menschen erhoben“. Eine Ohrfeige? Faustschläge? „So was gibt es nicht. So was habe ich nicht gemacht“, bestritt er den ersten Anklagevorwurf. Auch das Zusammentreffen bei dem Fest im Sommer dieses Jahres, das ihm die zweite Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung eingebracht hatte, habe sich anders zugetragen, als in der Anklageschrift behauptet. Er habe damals seine Frau und den gemeinsamen Sohn zufällig getroffen. Sein Sohn sei auf ihn zugelaufen, er habe ihn hochgehoben. Das habe seine Frau unterbinden wollen. Daraufhin habe er sie im Weggehen lediglich am Arm gefasst, sie zu sich umgedreht und gebeten: „Bitte nicht mehr dieses Theater.“

Eine Woche vor dem Vorfall habe er sich beim Jugendamt um einen „erweiterten Kindsumgang“ bemüht. Darin vermuten er und sein Verteidiger, der zudem kritisierte, dass in dieser Angelegenheit von Seiten der Staatsanwaltschaft überhaupt „das öffentliche Interesse bejaht wurde“, den Grund für die wenig später eingegangene Anzeige.

Die Frau verwickelte sich in ihrer Zeugenaussage hinsichtlich der Vorfälle aus dem Frühjahr 2016 „in so eklatante Widersprüche, dass ein Tatnachweis nicht geführt werden kann“, wie Richter Helmut Berger später in seiner Urteilsbegründung festhielt. Deshalb wurde der Angeklagte in diesem Punkt freigesprochen.

Anders beim zweiten Anklagepunkt. „Vom Schlag in den Nacken bin ich überzeugt. Hier glaubt das Gericht der Zeugin“, sagte Berger, der dem Paar eine „sehr verflochtene Beziehungsproblematik“ attestierte. Er verurteilte den 39-Jährigen zu einer Geldstrafe von 750 Euro (30 Tagessätze zu je 25 Euro). Der Mann beteuerte bis zuletzt: „Ich bin unschuldig“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rudi Stallein

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