+
Weil man Borkenkäfer entdeckt hat, werden rund 50 Kubikmeter Fichten im Lainbachwald abgeholzt. 

Abholzung im Lainbachwald

„Das ist extrem unsensibel“

  • schließen

Viele Bürger haben sich in den vergangenen Tagen verwundert die Augen gerieben: Im Lainbach-Wald, für dessen Erhalt über 500 Bürger aus Benediktbeuern und Ried kämpfen, werden jetzt Fichten abgeholzt – insgesamt 50 Kubikmeter.

Benediktbeuern/Ried Die Bürgerinitiative, die dort eine Erweiterung des Gewerbegebiets verhindern möchte, spricht von einem Affront.

Wie konnte es dazu kommen? Bürgermeister Hans Kiefersauer berichtet, dass ihn Ende Oktober die Waldbesitzervereinigung (WBV) Wolfratshausen, die das Areal für die Gemeinde bewirtschaftet, informiert habe, dass man dort Fichten entdeckt habe, die vom Borkenkäfer befallen sind. Diese Bäume müssten umgehend entfernt werden. Ansonsten würde sich der Käfer im Boden einnisten und im Sommer weiter ausbreiten. „Ich bin kein Forstfachmann und vertraue auf die Einschätzung der Experten“, sagt der Bürgermeister. Die Angelegenheit sei für ihn zeitlich eine „Verkettung von unglücklichen Umständen“.

WBV-Vorstand Hans Killer sagt, von den politischen Entwicklungen in Benediktbeuern habe man nichts gewusst. „Wir handeln hier nicht willkürlich, sondern es geht um Forstschutz.“

Max Leutenbauer, Revierleiter der Bayerischen Forstverwaltung, hat sich das Areal am Freitag angeschaut. Die Maßnahme sei „notwendig und sinnvoll“: „Man sieht die Fraßspuren unter der Rinde.“ Laut Leutenbauer hat das Ausholzen keine Auswirkung darauf, ob dort nun das Gewerbegebiet erweitert wird oder nicht. „Damit schafft man keine rechtlichen Tatsachen.“

Das Ausholzen wird auch in den kommenden Tagen weitergehen. „Das Vorgehen ist extrem unsensibel“, sagt Cölestin Allgäuer, Gemeinderat und einer der Initiatoren der Bürgerinitiative. Der Biologe hat sich mit Fachleuten über die Situation ausgetauscht: „In dem Wald war keine Eile geboten.“ In einer E-Mail appellierte er an Kiefersauer, die Abholzung jetzt zu untersagen.

Der Bürgermeister hatte die Räte in einer nichtöffentlichen Sitzung Ende Oktober davon unterrichtet. Allgäuer kritisiert, dass diese Information wenig detailliert war. Für ihn ist die Aktion eine „Missachtung der vielen Unterschriften und extrem unfair“. Wie das Areal jetzt aussehe, sei „übel“. Allgäuer befürchtet, dass, sollte es zum Bürgerentscheid kommen, sich viele Leute denken: „Jetzt ist der Wald doch eh’ schon weg.“ Auch Allgäuers Mitstreiterin Claudia Wenzl sagt: „Diese Aktion hat System.“

Überraschenderweise hat die Gemeinde für Mittwoch, 8. November, um 19.30 Uhr eine Sitzung anberaumt. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Beratung über die Zulässigkeit des Bürgerentscheids. Die nächste Sitzung ist eigentlich erst am 15. November. Doch dann, so sagt Bürgermeister Kiefersauer, hätte man die formale Frist zur Prüfung der Zulässigkeit um einige Tage überschritten.

Wird der Bürgerentscheid stattfinden, unterliegt das Areal prinzipiell einer Veränderungssperre. Wenn es jedoch dringende forstwirtschaftliche Maßnahmen gibt, dürfen diese durchgeführt werden, so Leutenbauer.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Geld für Lift und Kinderheim
Die Schlehdorfer Mütter unterstützen mit dem Erlös aus den Kindersachenbasaren zwei Projekte im Loisachtal.
Geld für Lift und Kinderheim
Krippenbesichtigung in Lenggries möglich
Krippenbesichtigung in Lenggries möglich
Finanzspritze für neuen Radweg
Die Regierung von Oberbayern greift der Kommune Kochel beim Bau des neuen Geh- und Radwegs unter die Arme. Die Behörde hat jetzt eine Zuwendung von insgesamt 275 000 …
Finanzspritze für neuen Radweg

Kommentare